Software Treefinder: Fachzeitschrift zieht Artikel von Einwanderungsgegner zurück

Er hatte einwandererfreundlichen Ländern die Nutzung seiner wissenschaftlichen Software verboten, jetzt hat eine Fachzeitschrift einen Aufsatz des Treefinder-Entwicklers zurückgezogen. Sie gibt dafür allerdings formale Gründe an.

Artikel veröffentlicht am ,
Software Treefinder hilft, verwandte Bäume zu erkennen (Symbolbild).
Software Treefinder hilft, verwandte Bäume zu erkennen (Symbolbild). (Bild: Werner Pluta/Golem.de)

Die Fachzeitschrift BMC Evolutionary Biology hat einen wissenschaftlichen Aufsatz zurückgezogen. Autor Gangolf Jobb hatte die Nutzung einer von ihm mitentwickelten Software in acht europäischen Ländern aus politischen Gründen untersagt.

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Jobb hatte zusammen mit zwei Kollegen die Software Treefinder entwickelt. Die ermöglicht es, das Erbgut von allen möglichen Lebewesen in einem Baum grafisch darzustellen. So lassen sich mögliche evolutionäre Beziehungen zwischen Arten zeigen. 2004 hatten die Forscher die Software in einem vielzitierten Aufsatz in BMC Evolutionary Biology beschrieben.

Software darf nicht in Ländern genutzt werden, die viele Flüchtlinge aufnehmen

Seit dem 1. Oktober darf die Software nicht mehr in Dänemark, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden, Österreich und Schweden genutzt werden. Grund sei, dass diese Länder "zusammen die meisten nichteuropäischen Einwanderer" aufgenommen hätten, schreibt Jobb auf seiner Website. Er habe nichts dagegen, Flüchtlingen zu helfen. Diese sollten allerdings "strikt von uns Europäern getrennt werden."

Er wolle mit seiner Arbeit nicht länger das politische System in Europa und Deutschland unterstützen. "Es gibt keine echte Demokratie, und ich stimme den meisten der Entscheidungen nicht zu.". Das gelte besonders für die Einwanderungspolitik. Die Nutzung von Treefinder in den USA hatte Jobb Anfang des Jahres untersagt, weil das Land imperialistisch sei.

Fachzeitschrift nennt formale Gründe

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Den Aufsatz hat BMC Evolutionary Biology jetzt zurückgezogen. Die Fachzeitschrift begründet die Entscheidung mit der Änderung der Nutzungsbedingungen. "Die Software ist nicht mehr für alle Wissenschaftler, die sie in bestimmten Regionen nutzen wollen, verfügbar."

Das stelle einen Bruch der Richtlinien des Magazins für Software dar. Diese besagen, dass eine veröffentlichte Software allen Forschern für eine nichtkommerzielle Nutzung ohne Einschränkungen verfügbar sein muss.

Wissenschaftler sollen Treefinder in anderen Ländern nutzen

Jobb selbst glaubt nicht, dass er gegen diese Bedingungen verstößt. Jeder Wissenschaftler könne Treefinder weiter nutzen - er oder sie müsse einfach in ein Land fahren, in dem die Nutzung nicht verboten sei, sagte er dem Webangebot Retraction Watch. Das sei zugegebenermaßen unbequem, sei ihm aber egal. Das gelte auch für das Zurückziehen des Artikels.

Die beiden Koautoren haben laut BMC Evolutionary Biology keinen Einfluss auf die Nutzungsbedingungen. Sie unterstützten aber die Maßnahme der Zeitschrift.

Wird ein wissenschaftlicher Aufsatz zurückgezogen, heißt das, dass darin beschriebene Ergebnisse nicht in die künftige Forschung einfließen sollen. Meist werden Aufsätze wegen wissenschaftlichen Fehlverhaltens zurückgezogen, etwa wegen gefälschter Daten oder Plagiaten.

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/mecki78 25. Nov 2015

Sorry, aber als deutscher habe ich oft schon meine Zweifeln, dass wir uns mit Österreich...

/mecki78 25. Nov 2015

Ich bin mir ziemlich sicher es gibt genug Leute, die können davon leben. Die haben halt...

Itchy 18. Nov 2015

Zumindest wenn in der ursprünglichen Lizenz keine zeitliche Befristung der Nutzung...

neocron 18. Nov 2015

sehe ich auch so ... Laesst sich ueber Reiche aus, Kapitalismus, ... meldet aber gleich...



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