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Software: Sonnenbrille schützt vor Gesichtserkennung

Zwei US-Wissenschaftler haben nach dem Bombenattentat von Boston Gesichtserkennungssoftware auf Fahndungsfotos angesetzt. Die Systeme erkannten nur einen der mutmaßlichen Attentäter.
/ Werner Pluta
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Gesichtserkennung (Symbolbild): gut ausgeleuchet und der Kamera zugewandt (Bild: Michigan State University)
Gesichtserkennung (Symbolbild): gut ausgeleuchet und der Kamera zugewandt Bild: Michigan State University

US-Forscher haben in einer Studie Gesichtserkennungssoftware auf Fahndungsbilder angesetzt. Die US-Strafverfolger hatten verlautbart, Gesichtserkennung habe nicht zum schnellen Fahndungserfolg nach dem Bombenanschlag auf den Bostoner Marathon am 15. April 2013 beigetragen. Zwar habe den Fahndern Bilder und Videos in großer Zahl vorgelegen, die von Überwachungskameras oder von Besuchern aufgenommen und eingesandt worden waren. Diese seien aber von Beamten ausgewertet worden.

Die Forscher fütterten nun drei kommerzielle Systeme auf dem aktuellen Stand der Technik mit Bildern der beiden Verdächtigen, den Brüdern Dschochar und Tamerlan Zarnajew. Diese sollten sie mit den Bildern vom Tatort sowie einer Datenbank aus einer Million Fahndungsfotos aus Florida vergleichen, wie Anil Jain und Josh Klontz(öffnet im neuen Fenster) von der Universität des US-Bundesstaates Michigan in East Lansing schreiben. Die Vergleichsfotos von Tamerlan Zarnajew stammten von einer früheren Festnahme sowie von zwei Sportveranstaltungen, die Bilder seines jüngeren Bruders Dschochar unter anderem von einer Veranstaltung anlässlich des High-School-Abschlusses. Diese sechs Fotos hatte die Polizei während der Fahndung herausgegeben.

Günstige Bedingungen

Die Technik habe in den vergangenen Jahren deutliche Fortschritte gemacht: Eines der Systeme habe Dschochar auf den Bildern vom Tatort eindeutig erkannt, schreiben die Forscher. "Die Untersuchung hat gezeigt, dass Gesichtserkennungssysteme in einigen Fällen erfolgreich Bilder von Gesichtern aus Videos, die unter günstigen Bedingungen aufgenommen wurden, extrahieren können" , erklärt Anil Jain(öffnet im neuen Fenster) .

Der Test zeigte aber auch gleich die Grenzen: die Abhängigkeit von den Bedingungen. Wenn ein Gesicht direkt der Kamera zugewandt ist und gute Lichtverhältnisse herrschen, dann erkennt so ein System ein Gesicht mit einer Trefferquote von 99 Prozent. Herrschen hingegen unkontrollierte Bedingungen, wird es schwierig: Den zweiten mutmaßlichen Attentäter identifizierte das System nicht. Tamerlan trug am Tag des Bombenanschlags eine Sonnenbrille.

Drei Systeme

Die beiden Forscher testeten die Systeme Neo Face(öffnet im neuen Fenster) des japanischen Konzerns NEC, Face VACS(öffnet im neuen Fenster) des Unternehmens Cognitec sowie Pittsburgh Pattern Recognition(öffnet im neuen Fenster) , kurz Pitt Patt, das Google 2011 gekauft hat. Neo Face habe sich als das leistungsfähigste der drei Systeme erwiesen, resümieren die Jain und Klontz. Aber auch dessen Ergebnisse seien nicht so exakt, dass beim Einsatz in der Strafverfolgung blind auf sie vertraut werden könne.

Die Fahnder hätten ebenfalls bei der Auswertung der Bilder Gesichtserkennungssoftware eingesetzt, sagte der Bostoner Polizeichef Edward Davis der Washington Post(öffnet im neuen Fenster) . Diese hätte jedoch keinen Treffer geliefert.


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