Roboter erledigen Roboteraufgaben

Wie genau Ressourcen anders verwendet werden können, sagt Ryan Thornburg, Professor an der Schule für Journalismus und Massenkommunikation in North Carolina, USA: "Die Daten geben das Wer, Was, Wann und Wo vor, und die Journalisten sind fähig, sich auf das Wie zu konzentrieren. Sie können das tun, worin Menschen gut sind, und Computer tun das, worin sie gut sind."

Während der Roboter Zahlen und Fakten auswerte, könne sich der Reporter auf seine Hauptaufgabe konzentrieren, sagt auch der Journalist Julius Tröger von der Berliner Morgenpost. Tröger weiß, wovon er spricht. Im Online-Angebot seiner Zeitung gibt es eine halbautomatisierte Informationsseite zum Thema Feinstaub. Die Berliner Morgenpost ist eine der wenigen deutschen Medienseiten, in denen Softbots eingesetzt werden.

  • So schnell übernehmen Maschinen nicht das Denken. Computerexperte Ray Kurzweil rechnet aber damit, dass die künstliche Intelligenz die des Menschen bis 2030 überholt. (Bild: Zinkglobal/CC BY-SA 3.0)
  • Die Übersicht zeigt, dass der Vorgang in vier Schritte unterteilt werden kann, bis schließlich der Text erstellt wird. (Bild: Mirko Lorenz/CC BY 2.0)
  • Wachsende Datenmengen und Erkenntnisgewinne daraus werden uns noch lange beschäftigen. (Bild: Big Data’s definition/Lizenz: CC SA-3.0)
  • So liest sich ein Artikel von Quakebot. (Quelle: http://www.latimes.com/)
  • Das US-Unternehmen Automated Insights ist neben Narrative Science dafür bekannt, aus Daten Texte zu generieren. (Bild: Automated Insights)
Das US-Unternehmen Automated Insights ist neben Narrative Science dafür bekannt, aus Daten Texte zu generieren. (Bild: Automated Insights)

Dass in Deutschland weniger Roboterjournalisten eingesetzt werden als bei englischsprachigen Medien, liegt laut Matzat an der wesentlich "komplexeren deutschen Semantik". Auch die Skepsis gegenüber der IT ist hierzulande ein Grund für Entwicklungsverzögerungen. "Das Klima ist nicht unbedingt das beste", sagt Matzat.

Das liegt vielleicht auch an der Angst vor dem Arbeitsplatzverlust. Jürgen Wursthorn, Pressesprecher der Agentur für Arbeit, sagt: "Der Roboterjournalismus könnte möglicherweise kurzfristig in einzelnen Sparten des Journalismus, wie zum Beispiel im Nachrichtenjournalismus, Arbeitsplätze gefährden."

Eine generelle Bedrohung sieht Wursthorn aber nicht. Im Gegenteil. "Für Nachrichtenredakteure würde sich lediglich die Tätigkeit ändern", sagt Wursthorn. Zusätzlich würden in der Programmierung neue Arbeitsplätze entstehen. Denn die Softbots müssten ständig verbessert werden.

Roboterjournalisten werden intelligenter

Die Software, die hinter der Textgenerierung steckt, wird nicht nur in der Lage sein, eigenständig Artikel zu veröffentlichen, sondern auch eine nützliche Hilfe, um Informationen zur Weiterverarbeitung zu beschaffen. "Journalisten sollten sich mit den Vorzügen von Roboterjournalisten als eine Art persönlicher Assistent beschäftigen", sagt Journalist Tröger.

Die Assistenz in der Redaktion könnte also so aussehen, dass der Roboassistent automatisiert recherchiert, Fakten überprüft, soziale Medien, Sensornetzwerke und Datenbanken scannt, Websites sowie Radio- und TV-Sender überwacht und auswertet. Doch können die gelieferten Daten einfach so übernommen werden?

Presserat-Referent Schlappat hält es für "gefährlich, wenn der Journalist aus Fleisch und Blut zunehmend durch Automatismen ersetzt und nur noch Findungssysteme über den Inhalt entscheiden würden". Schlappat hätte vor allem große Bedenken, wenn Redaktionen und Journalisten den generierten "Daten blind vertrauen würden".

Das Berufsbild des Journalisten könnte sich verändern

Er sieht nämlich gerade darin "die Schlüsselaufgabe des Journalismus, Daten nicht nur zu finden und unreflektiert an den Leser durchzureichen, sondern sie auch kritisch zu hinterfragen und auf Plausibilität zu prüfen und darauf basierend auszuwerten". Seiner Meinung nach ist der Roboterjournalismus viel eher als Tool zu verstehen, das den Journalisten viele Aufgaben erleichtert, um möglichst schnell zu arbeiten - sofern den Datenauswertungen nicht aus purer Notwendigkeit blind vertraut wird.

Tröger von der Berliner Morgenpost hat ebenfalls Bedenken: "Die größte Stärke ist gleichzeitig auch die größte Schwäche: Bei der reinen, automatisierten Datenverarbeitung machen Algorithmen bestimmt weniger Fehler als Journalisten. Allerdings erkennt die Software nicht unbedingt auf den ersten Blick eine fehlerhafte Datenlage. Auch beim Roboterjournalismus sollte daher das Vier-Augen-Prinzip gelten."

Außerdem sollten seiner Meinung nach "automatisiert generierte Texte transparent gekennzeichnet werden". Das sei für den "Leser zur Einordnung wichtig". Demnach sollte keine Software allein auf die Leser losgelassen werden. Denn die journalistische Verantwortung können nur Menschen tragen.

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 Softbots könnten zur Verbesserung des Journalismus beitragen
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return 08. Jun 2015

Softbots. Wo bekommt man solche Software? Sicherlich gibt es die auch schon für Romane...

furanku1 13. Dez 2014

Geht mir ähnlich, insbesondere da wir keine tragfähige Definition von "Intelligenz...

jungundsorglos 12. Dez 2014

Das wäre in der KI wohl der Unterschied zwischen supervised und unsupervised learning.

theonlyone 12. Dez 2014

Warum sollte jemand freiwillig im Billiglohn Sektor arbeiten, wenn es auch qualifzierte...



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