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Social-Media-Sucht bei Jugendlichen: Ein Streitwert so groß wie Meta selbst

Hat Meta gezielt Funktionen entwickelt, um Jugendliche von seinen Plattformen abhängig zu machen? Geklärt werden soll das in einem historischen Billionenprozess, der jetzt beginnt.
/ Achim Sawall
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Teenager-Mädchen am 7. Juli 2026 vor dem Schulkomplex Camille Vernet in Valence, Südostfrankreich mit Smartphones (Bild: Nicolas Guyonnet / Hans Lucas via Reuters Connect)
Teenager-Mädchen am 7. Juli 2026 vor dem Schulkomplex Camille Vernet in Valence, Südostfrankreich mit Smartphones Bild: Nicolas Guyonnet / Hans Lucas via Reuters Connect

US-Bundesstaaten versuchen, die historische Klage gegen die Tabakindustrie aus den 1990er Jahren gegen Meta zu wiederholen. In dieser Woche beginnt vor einem Bundesgericht ein Prozess, in dem die vier Bundesstaaten Kalifornien, Colorado, Kentucky und New Jersey klagen, weil Meta die Öffentlichkeit über die schädlichen Auswirkungen sozialer Medien auf junge Menschen getäuscht habe(öffnet im neuen Fenster). Die Forderungen in den USA belaufen sich auf über eine Billion US-Dollar.

Der Beginn der Eröffnungsplädoyers vor dem Bundesgericht in Oakland, Kalifornien (U.S. District Court for the Northern District of California) ist am 18. August 2026. Die Jury-Auswahl lief in den Tagen davor an.

Die Bundesstaaten werfen Meta vor, Funktionen auf Plattformen wie Instagram und Facebook für endloses Scrollen, Push-Benachrichtigungen, Likes und Algorithmen gezielt so entwickelt zu haben, dass sie bei Kindern und Jugendlichen eine psychische Abhängigkeit erzeugten und deren mentale Gesundheit schädigen.

Laut Gerichtsunterlagen(öffnet im neuen Fenster) errechneten die Kläger die Summe von rund 1,4 Billionen US-Dollar, indem sie die Anzahl der betroffenen minderjährigen Nutzer mit der Anzahl der Monate, in denen diese mehr als 30 Minuten täglich auf der Plattform verbrachten, multiplizierten. Jede einzelne "Verletzung" sollte dabei mit der maximal gesetzlich vorgesehenen Strafe belegt werden.

Entfernung von Like-Buttons für Jugendliche

In den USA dienen derartige Maximalforderungen bei Massenklagen oft als Druckmittel, um einen hohen Vergleich auszuhandeln. Dennoch stellt der Prozess wegen möglicher Auflagen wie dem Verbot von unendlichem Scrollen oder der Entfernung von Like-Buttons für Jugendliche ein enormes finanzielles Risiko für Meta dar.

Die Europäische Kommission sowie die irische Datenschutzbehörde DPC als federführende Aufsichtsbehörde haben in den vergangenen Jahren Strafen von insgesamt über 3,5 Milliarden Euro gegen Meta verhängt. Die geforderte Summe in den USA ist etwa 340-mal so hoch.

Meta bezeichnete die Berechnungen als unbegründet, maßlos überzogen und juristisch beispiellos. Die Zahl entspräche fast der gesamten Marktkapitalisierung des Konzerns.

Tabakindustrie, Lügen und Tod

Vorbild ist die historische Klage gegen die Tabakindustrie, weil Konzerne wie Philip Morris, R. J. Reynolds oder Brown & Williamson über Jahrzehnte hinweg geleugnet hatten, dass Rauchen krebserregend ist und süchtig macht. Mitte der 1990er Jahre packten Insider wie der Chemiker Jeffrey Wigand, ehemaliger F&E-Chef bei Brown & Williamson, aus und räumten ein, dass Tabakkonzerne den süchtig machenden Nikotingehalt gezielt steuerten und die Öffentlichkeit belogen hatten.

Ab 1994 verklagten über 40 US-Bundesstaaten die Tabakindustrie. Um den drohenden Ruin durch Tausende Gerichtsverfahren abzuwenden, willigten die vier größten Tabakgesellschaften im November 1998 in einen historischen Vergleich ein und verpflichteten sich zur Zahlung von mindestens 206 Milliarden US-Dollar an die US-Bundesstaaten über 25 Jahre.

Die Milliardenzahlungen wurden von den Tabakkonzernen geleistet, kamen jedoch nur zu einem Bruchteil bei der Gesundheitsvorsorge oder den Betroffenen an, weil mit dem Geld Haushaltslöcher gestopft wurden. Diesen Umstand nutzen Lobbyisten bereits aus, um etwa im Wall Street Journal gegen den Prozess Stimmung(öffnet im neuen Fenster) zu machen.


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