Social Media: Polizei warnt vor gefährlichen Geisterfahrten
Nach zwei schweren Verkehrsunfällen warnt die irische Polizei vor einer gefährlichen Praxis in sozialen Medien, berichtet die Irish Times(öffnet im neuen Fenster). Junge Menschen fahren offenbar vorsätzlich entgegen der vorgesehenen Fahrtrichtung auf Straßen, um diese Aktionen auf Video aufzunehmen und auf Internetplattformen zu veröffentlichen.
Am frühen Sonntagmorgen verursachten fünf männliche Jugendliche etwa einen tödlichen Zusammenstoß auf einer Autobahn südwestlich der irischen Hauptstadt Dublin. Die Jugendlichen steuerten ein Fahrzeug entgegen der Fahrtrichtung und kollidierten frontal mit einem entgegenkommenden Auto. Alle fünf Insassen des falschfahrenden Fahrzeugs starben noch am Unfallort. In dem anderen Wagen erlitten drei Frauen und ein Kind schwere Verletzungen.
Aktionen für Reichweite in Sozialen Netzwerken
Der irische Polizeichef Justin Kelly erklärte zu den Vorfällen, dass Jugendliche diese gefährlichen Handlungen in einigen Fällen für Likes in sozialen Netzwerken durchführten. Bereits Anfang August 2026 ereignete sich ein ähnlicher Vorfall auf der Ringstraße von Dublin. Dabei kollidierten acht Jugendliche, die in einem Fahrzeug auf der Gegenfahrbahn unterwegs waren, mit einem anderen Auto. Dieser Zusammenstoß führte zu neun verletzten Personen. Nach Auskunft der Polizeigewerkschaft versuchen vor allem junge Männer, einander mit riskanten Fahrmanövern zu übertreffen.
Andere gefährliche Trends im Netz
Der irische Fall reiht sich in eine Reihe internationaler Beispiele ein, bei denen riskantes Verhalten gezielt für soziale Medien(öffnet im neuen Fenster) inszeniert wird: In New York führt seit Jahren das sogenannte Subway Surfing(öffnet im neuen Fenster) zu Todesfällen: Jugendliche klettern auf fahrende U-Bahn-Züge, um Videos für Tiktok und Instagram zu drehen. Nach Angaben der New Yorker Polizei starben dabei 2023 fünf, 2024 sechs Menschen; 2025 kamen weitere Todesfälle hinzu, darunter zwei zwölf- und 13-jährige Mädchen im Oktober. Die Verkehrsbetriebe MTA und die Polizei setzen inzwischen Drohnen ein, um Surfer auf den Gleisanlagen aufzuspüren.
Auch beim Autodiebstahl spielten soziale Netzwerke zuletzt eine Rolle: Die sogenannte Kia-Challenge verbreitete sich 2022/2023 auf Tiktok, nachdem publik wurde, dass bestimmte Kia- und Hyundai-Modelle ohne Wegfahrsperre besonders leicht kurzgeschlossen werden können. Das Video-Tutorial führte in mehreren US-Städten zu einer Welle von Fahrzeugdiebstählen durch Jugendliche.
Eine Studie des belgischen Verkehrssicherheitsinstituts Vias(öffnet im neuen Fenster) ergab im Februar 2026, dass etwa jeder achte junge Mensch zwischen 18 und 26 Jahren fast täglich Videos von riskantem Fahrverhalten – etwa Driften, Surfen auf Straßenbahnen oder Fahren auf dem Hinterrad – auf Tiktok und Instagram sieht. Der Studie zufolge normalisiert der regelmäßige Konsum solcher Inhalte riskantes Fahrverhalten und korreliert mit einer höheren Zahl an Verkehrsverstößen bei den Betrachtenden.


