Social Media: Laut Insider nimmt Facebook Hassrede für mehr Profit in Kauf

Das soziale Netzwerk Facebook hat in der Vergangenheit des Öfteren angekündigt, sinnvolle Maßnahmen gegen Hassrede, Missinformation und anderen Content einzuleiten. Dazu hat sich nun erneut ein Whistleblower und ehemaliger Facebook-Angestellter geäußert und Berichte vorgelegt, die gegen das Durchsetzen dieser Regeln sprechen. Die anonymisierte Person legte der der US-Zeitung Washington Post(öffnet im neuen Fenster) eine schriftliche Aussage vor.
In der Amtszeit des damaligen US-Präsidenten Donald Trump habe das Unternehmen des Öfteren klein beigegeben. Es sei zu riskant gewesen, sich gegen die Meinungen der US-Regierung - in diesem Fall des Präsidenten - zu stellen und damit der Profitabilität des Unternehmens zu schaden. Mit ähnlichen Vorwürfen wurde das Unternehmen schon in der Vergangenheit öfter konfrontiert.
Facebook habe Investoren und Kunden zudem nicht rechtzeitig über Misstände auf der Plattform und auf anderen Facebook-Plattformen wie Instagram und Whatsapp informiert. Die Angst sei groß gewesen, dass Geldgeber das Interesse verlören oder politische Maßnahmen das Geschäft beeinträchtigten. Geld geht bei Facebook laut dem Whistleblower also vor Integrität.
Breitbart auf der Whitelist
Der Informant, ehemals Teil des Integrity-Teams, erinnert sich an eine bestimmte Situation. Dort war in einem Meeting von einer Whitelist die Rede, auf der diverse, eigentlich gegen Regeln verstoßende Accounts gestanden hätten. Darunter war Breitbart News, eine der Trump-Regierung nahestehende und oft mit Fake News und Hassrede in Verbindung gebrachte Organisation. Auch andere Accounts waren offenbar auf der Liste.
Joel Kaplan, der Chef von Facebooks Globalpolitik, verteidigte diesen Ansatz auf eine Nachfrage innerhalb des Meetings mit der Aussage: "Wollen Sie einen Streit mit Steve Bannon anfangen?" Auf Anfrage der Washington Post dementierte Kaplan zudem, dass eine solche Whitelist überhaupt existiert.
Facebook kann rechtlich viel machen
Basierend auf der Sektion 230 des Communications Decency Act der USA hat Facebook weitgehend Immunität, was das Verbreiten von allen möglichen Arten von Inhalten im Internet angeht. Das Gesetz wird von einigen Instanzen kritisiert und soll künftig überarbeitet werden.
"Facebook hat ein Businessmodell geschaffen, das den Mythos der eigenen Unantastbarkeit anerkennt" , sagt Stephen M. Kohn, Gründer und Chef des National Whistleblowing Center und einer der Anwälte, die an der Aussage mitgearbeitet haben.
Im Gegenzug dazu sagte Facebook-Sprecherin Erin McPike: "Als Unternehmen haben wir das kommerzielle und moralische Streben, der maximalen Zahl an Menschen so viele positive Erfahrungen wie möglich auf Facebook zu geben."



