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Social Media: Grünen-Politikerin Künast verklagt Facebook

Falschzitate sind kaum von Facebook wegzukriegen. Renate Künast und Hateaid möchten das mit einem Grundsatzurteil ändern.
/ Moritz Tremmel , dpa
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Grünen-Politikerin Renate Künast (Bild: Simon Hofmann/Getty Images)
Grünen-Politikerin Renate Künast Bild: Simon Hofmann/Getty Images

Die Grünen-Politikerin Renate Künast will mit einem Grundsatzurteil weiterreichende Löschpflichten für als rechtswidrige gemeldete Inhalte bei Facebook erzwingen. Unterstützt wird sie dabei von der Organisation Hateaid(öffnet im neuen Fenster) , die sich gegen Hass und Hetze im Netz engagiert und auch Prozesskostenhilfe leistet.

Die meisten Betroffenen hätten nicht den Mut, die Kraft und vor allen Dingen nicht das Geld, sich gegen große Plattformen zur Wehr zu setzen, sagte die Geschäftsführerin von Hateaid, Anna-Lena von Hodenberg, am Dienstag in Berlin. "Und das wollen wir ändern."

Falsches Zitat von Künast verbreitet sich im Netz

Gegenstand der Klage ist ein Satz, der Künast von Nutzern im Netz zugeschrieben wird(öffnet im neuen Fenster) , den sie jedoch nicht gesagt hat. In einer Variante werden ihr folgende Worte in den Mund gelegt: "Integration fängt damit an, dass Sie als Deutscher mal Türkisch lernen."

Tatsächlich habe sie in einer ARD-Sendung vor Jahren den SPD-Politiker Thilo Sarrazin aufgefordert, sich den türkischen Namen einer anderen Teilnehmerin der Talkrunde zu merken, die dieser wiederholt falsch ausgesprochen habe, so die Grünen-Bundestagsabgeordnete.

"Du kannst dich wehren, du kannst irgendwo was dazuschreiben. Dann wird vielleicht eines gelöscht, aber es taucht kurze Zeit später oder in einem ähnlichen Zusammenhang doch wieder auf," beschrieb Künast den Versuch, das bereits seit 2015 kursierende Zitat richtigzustellen. "Und das, obwohl die Veröffentlichung bzw. Verbreitung eines Falschzitats eine Straftat darstellen kann" , schreibt Hateaid.

Klage vor dem Landgericht Frankfurt

"Das kann mir – macht es sicherlich auch – als Politikerin schaden, weil Menschen denken, dass ich sowas tatsächlich gesagt hätte" , sagte Künast. Die Verbreitung solcher Inhalte sei häufig eine orchestrierte Aktion von Rechtsextremisten, die damit Aufregung und hasserfüllte Reaktionen auslösen wollen.

Die Klage sei am vergangenen Freitag beim Landgericht Frankfurt am Main eingereicht worden, sagte Rechtsanwalt Matthias Pilz, der Künast vor Gericht vertreten soll. Tatbestand sei üble Nachrede. Ziel sei es zu klären, ob es eine Löschpflicht für Plattformbetreiber gebe – und zwar nicht nur für gemeldete und damit beanstandete Beiträge, sondern auch für wort- oder sinngleiche Posts.


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