Ein Fuß in der Tür
Der Mitarbeiter eines bei mir im Ort ansässigen Energieversorgers gestikulierte vor meiner Wohnungstür mit seinem Vertriebstablet in der Hand und erzählte mir vom Irankrieg, Trump und der schlimmen Welt. Das nennt man Foot-in-the-Door-Strategie. Es wird mit etwas Allgemeinem angefangen, um ins Gespräch zu kommen.
Aufgrund der instabilen Energielage solle jetzt unser "Strom umgestellt werden". Auf erneuerbare Energien, weil man schließlich was für die Umwelt tut. Und für mich würde es günstiger, das ist ja klar. Aber nur, wenn ich jetzt gleich unterschreibe. Aha, die Masche mit der künstlichen Verknappung.
Schlimmer als Glasfaservertreter
Ich fühlte mich sofort an das magentafarbene Telekommunikationsunternehmen erinnert, dessen Mitarbeiter mich in den vergangenen ein, zwei Jahren mehrmals besucht hatten, um mir einen überteuerten Glasfaservertrag aufzuschwatzen. Ich widerstand damals erfolgreich. Auch sonst habe ich bisher nie einen Vertrag an der Haustür abgeschlossen.
"Warum habe ich bloß die Tür geöffnet?", fragte ich mich, als der Mitarbeiter des Energieunternehmens wasserfallartig vor sich hin quasselte. Wobei – Mitarbeiter ist im Prinzip zu hoch gegriffen. Denn häufig arbeiten diese Menschen nicht festangestellt für das Unternehmen, sondern nur in dessen Auftrag.
Sie sind als spezialisierte Dialogerinnen und Dialoger auf Provision bei Drittfirmen angestellt. Sie reisen durch ganz Deutschland, heute im Gewand des Unternehmens X, morgen für Firma Y tätig und übermorgen für eine Hilfsorganisation.
Psychologisch bestens geschult in Verkaufsstrategien, gefaked charismatisch unterwegs, immer lächelnd und um keine Ausrede verlegen. Social Engineering für die Haustür.
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