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Snowdens Flucht: "Nur Wikileaks wollte mir helfen"

Die Flucht Edward Snowdens war ein Katz- und Mausspiel zwischen den USA und Wikileaks. Eine ARD-Doku zeigt, wie Julian Assange im Hintergrund die Fäden zog, und die USA auf eine Finte hereinfielen.

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Edward Snowden schildert der ARD seine Eindrücke von der Flucht.
Edward Snowden schildert der ARD seine Eindrücke von der Flucht. (Bild: ard.de/Screenshot: Golem.de)

Schon immer erschien es verwunderlich, dass US-Whistleblower Edward Snowden nicht längst in den USA hinter Schloss und Riegel sitzt. Wie knapp er auf seiner Flucht tatsächlich den US-Behörden entkommen und dem Schicksal Chelsea Mannings entgangen ist, zeigte nun eine 45-minütige Dokumentation der ARD. "Nur Wikileaks wollte mir helfen", räumte Snowden darin vor der Kamera ein. Alle Medienorganisationen seien hingegen nur an einem kleinen Teil der Geschichte interessiert gewesen. Wikileaks-Gründer Julian Assange schilderte ausführlich, wie er die Flucht Snowdens von Hongkong nach Moskau organisierte, und wie es möglich war, dass der Ex-Geheimdienstmitarbeiter dort Asyl und Aufenthalt erhielt.

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Zunächst erstaunt, wie unvorbereitet Snowden und die von ihm kontaktierten Medien auf die Situation in Hongkong waren. Nachdem der damals 29-Jährige sich am 9. Juni 2013 als Urheber der NSA-Enthüllungen öffentlich zu erkennen gegeben hatte, schien es nur eine Frage der Zeit, wann die US-Behörden seiner habhaft werden würden. "Wenn es etwas gäbe, was ich ändern könnte, dann hätte ich gerne mehr für Snowden getan", sagte der Guardian-Redakteur Ewen MacAskill der ARD im Rückblick. Er habe lediglich mit seinen Chefs diskutiert, ob Snowdens Hotelrechnungen bezahlt oder ihm ein Rechtsbeistand gegeben werden sollte. Doch über konkrete Fluchtpläne hatte sich bis dahin offenbar niemand Gedanken gemacht.

Ein Dutzend Flugtickets von Hongkong aus

Das änderte sich, als Snowden Wikileaks um Hilfe bat. Vorübergehend war der Whistleblower in einer Privatwohnung in Hongkong untergetaucht. Aber es war klar, dass die USA seine Auslieferung fordern würden. Die Wikileaks-Mitarbeiterin Sarah Harrison flog zur Unterstützung in die chinesische Millionenstadt. Bald gab es Berichte, wonach ein Privatjet bereitstünde. Um die US-Behörden zu verwirren, buchte Wikileaks mehr als ein Dutzend Tickets für Snowden. Harrison befürchtete schon, den Flug zu verpassen. "Wir waren spät dran, was daran lag, dass es ein Problem mit dem Drucker gab", sagte sie. Wegen der vielen Tickets.

Nach Angaben Assanges konnte sich Snowden zunächst nicht zu der Ausreise entscheiden. "Er sträubte sich, Hongkong zu verlassen, obwohl es keinen anderen Ausweg mehr gab", sagte der Wikileaks-Gründer, der von seinem Asyl in der ecuadorianischen Botschaft in London aus die Fäden zog. "Er wollte noch andere Optionen ausloten, das machte uns wahnsinnig." Laut Assange handelte es sich bei der Suche nach Snowden um die "größte nachrichtendienstliche Fahndung, die die Welt je gesehen hatte".

Warum Snowden letztlich am 23. Juni 2013 die Ausreise nach Moskau gelang, bleibt weiterhin unklar. Die USA hatten bereits ein Festnahmeersuchen an die chinesischen Behörden geschickt, das jedoch einen falschen zweiten Vornamen enthielt: James statt Joseph. US-Justizminister Eric Holder drängte die dortigen Behörden bereits zu einer Verhaftung. Nach Ansicht des früheren NSA-Chefs Michael Hayden war der falsche Vorname nur ein Vorwand, Snowden die Ausreise zu erlauben. Allerdings hatten die USA Snowdens Reisepass noch nicht annulliert. Im Besitz gültiger Dokumente und ohne einen vorliegenden Haftbefehl konnte Snowden schließlich zusammen mit Harrison nach Moskau fliegen.

FBI wollte Snowdens Vater als Lockvogel

Dort endete bekanntlich seine Flucht für Wochen im Transitbereich des Flughafens Scheremetjewo. Einen Monat lang hielt er sich zusammen mit Harrison in einer Art Abstellraum ohne Fenster und Dusche auf. Trotz der Intervention der ecuadorianischen Botschaft ließen ihn die russischen Behörden ohne gültigen Reisepass nicht mehr außer Landes. Das wollte die US-Bundespolizei FBI nutzen, um ihn mit einem Geheimflugzeug in die USA zu schaffen. Dazu wurde Snowdens Vater gefragt, ob er für ein Treffen nach Moskau fliegen wolle. Allerdings hätten die Beamten darauf bestanden, den Sohn vorher "durchzuchecken", um sicherzustellen, dass es ihm gesundheitlich gut gehe. Snowden selbst zeigte sich "beunruhigt" darüber, dass das FBI ihn mit Hilfe seines Vaters wieder in die USA habe locken wollen.

Auch der russische Geheimdienst FSB machte Snowden ein Angebot. Er hätte den Flughafen sofort verlassen können, wenn er zur Kooperation bereit gewesen wäre. Dies lehnte Snowden jedoch ab. Sarah Harrison zeigte sich überzeugt, dass er dem Geheimdienst auch keine Unterlagen weitergegeben habe. "Ich würde mein Leben darauf verwetten, dass er niemandem irgendwas gab."

Falsche Fährten gelegt

Dass Snowden letzten Endes dennoch in Russland bleiben konnte, scheint er einer Finte Assanges zu verdanken. Dieser nutzte einen Aufenthalt des bolivianischen Präsidenten Evo Morales in Moskau, um Gerüchte zu streuen, dass Snowden mit diesem in dessen Heimatland zurückfliegen würde. Dies schien plausibel, denn Morales hatte im Gegensatz zu allen europäischen Staaten dem Whistleblower öffentlich Asyl angeboten. Offenbar gingen die USA tatsächlich davon aus, dass Snowden in der bolivianischen Präsidentenmaschine saß. "Wir legten falsche Fährten in Bezug auf den Morales-Flug. Manchmal gab es unverschlüsselte Anrufe bei Botschaftern", sagte Assange. Die USA sollten dazu gebracht werden, den Morales-Flug in Betracht zu ziehen. Was offensichtlich gelang.

Hayden räumte in der Dokumentation ein, dass die US-Regierung sich an die Europäer gewandt habe, um das Flugzeug zur Landung zu zwingen. Ein kompletter Misserfolg. Nicht nur, dass Snowden nicht in der Maschine saß. Die öffentlichen und diplomatischen Reaktionen waren verheerend und führten letztlich wohl dazu, dass Russland Snowden am Ende doch noch Asyl gewährte. Sollte dies tatsächlich geplant gewesen sein, wäre dies "unheimlich clever" gewesen, sagte Hayden. Auf jeden Fall eine große Blamage für die USA. Assange will nach eigenen Angaben aber nicht gewusst haben, dass dieses "Ablenkungsmanöver einen so spektakulären Ausgang nehmen würde".

Hayden lehnte Deal strikt ab

Seit dem 1. August 2013 hält sich Snowden nun mehr oder weniger frei in Russland auf. Er dürfte inzwischen sogar vorübergehend das Land verlassen, doch das ist bislang offenbar nicht passiert. Seine rechtliche Situation ist allerdings immer noch ungeklärt. Zwar hat die Bundesregierung inzwischen von den USA Details zu dem Festnahmeersuchen erhalten, doch hält sie dieses Schreiben geheim und prüft seit Monaten die Auslieferungsgründe. Selbst der NSA-Untersuchungsausschuss des Bundestages erhält keinen Einblick. Möglicherweise könnte Snowden nach Deutschland einreisen, ohne dass er ausgeliefert werden müsste. Einer Vereinbarung mit den US-Behörden für eine Rückkehr in sein Heimatland erteilte Hayden eine Absage. Damit stieße man den hunderttausend loyalen US-Geheimdienstmitarbeitern vor den Kopf.

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ThadMiller 19. Jan 2015

Geht's noch "heisser"?

crazypsycho 14. Jan 2015

Da die Parteien aber alle Themengebiete abdecken müssen, gibt es keine Partei bei der...

Dwalinn 14. Jan 2015

Deswegen soll man sich auch immer im Voraus bezahlen lassen. Ferengi Regel 166...

Nadja Neumann 14. Jan 2015

Das ist schlichtweg falsch; die Demokratie ist nicht von der USA abhängig und wegen...

cry88 13. Jan 2015

Es wird vertraulich behandelt weil eben noch nicht feststeht, dass es rechtens ist...


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