Snowden-Unterlagen: NSA und GCHQ sollen Zugang zum Netz der Telekom haben

Laut NSA-Programm Treasure Map sollen NSA und GCHQ Zugangspunkte für die technische Überwachung im Netz der Telekom und von Netcologne betreiben. Diese dienen der "Planung von Computerattacken" und der "Netzwerk-Spionage".

Artikel veröffentlicht am ,
Outdoor DSLAM der Telekom in Multifunktionsgehäuse
Outdoor DSLAM der Telekom in Multifunktionsgehäuse (Bild: Deutsche Telekom)

Die NSA und der britische GCHQ sollen verdeckte Zugänge zum Netz der Deutschen Telekom und des Kölner Stadtnetzbetreibers Netcologne haben. Das berichten das Nachrichtenmagazin Der Spiegel und das US-Portal The Intercept. Die Medien berufen sich auf grafische Ansichten aus dem NSA-Programm Treasure Map. In dem undatierten Dokument seien die Telekom und Netcologne namentlich genannt und mit einem roten Punkt markiert. Die rote Markierung bedeutet laut Bildlegende, dass es "innerhalb" dieser Netze "Zugangspunkte" für die technische Überwachung gebe.

Das Ziel sei, "jedes Gerät, überall, jederzeit" sichtbar zu machen, heißt es in einer Präsentation, die der Spiegel veröffentlicht hat. Das Programm diene unter anderem der "Planung von Computerattacken" und der "Netzwerk-Spionage".

Telekom und Netcologne haben laut dem Bericht nach eigenen Angaben keine verdächtigen Vorrichtungen oder Datenverkehre festgestellt. "Der Zugriff ausländischer Geheimdienste auf unser Netz wäre völlig inakzeptabel", sagte Telekom-Sicherheitschef Thomas Tschersich. "Wir gehen jedem Hinweis auf eine mögliche Manipulation nach. Zudem haben wir die deutschen Sicherheitsbehörden eingeschaltet." Laut Tschersich könnte es sein, dass die Geheimdienste Zugriff auf das Transatlantikkabel TAT14 hätten, das über Großbritannien an die amerikanische Ostküste führe.

Im Juni 2014 wurde bereits bekannt, dass der britische Geheimdienst GCHQ sich über Tempora Zugang zu Daten aus dem Seekabel TAT-14 verschafft, das die Telekom mitbetreibt. Über das Seekabel, das Nordamerika mit Europa verbindet, läuft ein großer Teil der deutschen Überseekommunikation. Deutschland ist in der Stadt Norden in Ostfriesland an TAT-14 angebunden. Vermutlich holt sich der GCHQ die Kommunikationsdaten in der britischen Küstenstadt Bude. Laut dem Bericht waren Vodafone und British Telecommunications (BT) an der Spionage und Überwachung beteiligt. Vodafone betonte laut Süddeutsche Zeitung, der Konzern halte sich an die Gesetze der Länder, in denen das Unternehmen tätig sei.

Bereits im Spiegel-Buch "Der NSA-Komplex" wurde berichtet, dass der GCHQ auch die drei deutschen Satelliten-Internetanbieter Stellar, Cetel und IABG überwacht. Es gehe darum, "umfangreiches Wissen über zentrale Satelliten-IP-Diensteanbieter in Deutschland aufzubauen", heißt es in einem undatierten GCHQ-Dokument. Ziel sei es, "in Deutschland vorbeifließende Internetverkehre auszukundschaften".

Nun schreibt der Spiegel, dass Stellar, Cetel und IABG in dem NSA- Programm Treasure Map mit roten Kernen markiert seien. Stellar IT-Chef Ali Fares erklärte, die Unterlagen "enthielten Geschäftsgeheimnisse und sensible Informationen", so der Bericht. So liste ein GCHQ-Dokument nicht nur eine Reihe von Mitarbeitern namentlich als Zielpersonen auf, es enthalte auch Kennworte für die Server von Stellar-Kunden. Geschäftsführer Christian Steffen sagte: "Ein solcher Cyberangriff ist nach deutschem Recht eindeutig strafbar."

Nachtrag vom 15. September 2014, 9:30 Uhr

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) teilte inzwischen mit, von den Meldungen über die Zugangspunkten zu den deutschen Telekommunikationsnetzen unterrichtet zu sein. "Das BSI ist zusammen mit weiteren Behörden im Rahmen der Analyse des Sachverhalts aktiv", hieß es. Weitere Auskünfte könnten nicht erteilt werden.

Der Grünen-Netzpolitiker Konstantin von Notz sprach von einer neuen Dimension des Überwachungsskandals, wenn sich die Berichte als wahr erweisen sollten. Das zeige auch, dass die Grundüberzeugung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), wonach sich ausländische Geheimdienste auf deutschem Boden an deutsches Recht halten müssten, nicht funktioniere. "Wir wären naiv, zu glauben, dass die deutsche Spionageüberwachung nichts von diesen Vorgängen wusste", sagte Notz dem Wirtschaftsdienst Bloomberg. Dem Bericht zufolge will sich auch der NSA-Untersuchungsausschuss des Bundestags mit den Berichten befassen. Manager der Telekommunikationsfirmen sollten dazu befragt werden, da es sich bei den Vorfällen um Gesetzesverstöße handele, sagte SPD-Ausschussobmann Christian Flisek.

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FreiGeistler 23. Sep 2014

Blödsinn, was illegal ist, ist auch strafbar. Du meintest wohl unrecht aber nicht...

SigismundRuestig 15. Sep 2014

Ist ja ganz nett, dass die Medien jetzt über eine weitere mittlerweile erwartbare...

evergreen 15. Sep 2014

@Nepthys... Wikipedia --> Mittelstand - Zitat: "Der Mittelstand wird oft auch mit der...

knete 15. Sep 2014

ok dann erkläre mir bitte wie das laufen soll. jeder zweite und eigentlich sind es noch...



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