Snowden-Unterlagen: Digitale Selbstschussanlage der NSA gegen DDoS-Attacken

In der NDR-Dokumentation "Schlachtfeld Internet" hat Edward Snowden ein bisher unbekanntes Programm der NSA beschrieben. Damit sollen DDoS-Angriffe auf die USA automatisch beantwortet werden. Treten dabei Fehler auf, könnte das Snowden zufolge Menschenleben kosten.

Artikel veröffentlicht am ,
Grafik des NDR zur DDoS-Gegenwehr der NSA
Grafik des NDR zur DDoS-Gegenwehr der NSA (Bild: Das Erste/Screenshot: Golem.de)

Mindestens seit dem Jahr 2013 arbeitet der US-Geheimdienst NSA an einem System, das verteilte Denial-of-Service-Attacken (DDoS) automatisch beantworten kann. Dies geht aus dem Film Schlachtfeld Internet hervor, den Das Erste am 12. Januar 2015 nach einer Dokumentation über die Flucht des Whistleblowers Edward Snowden ausgestrahlt hat. Der zweite Film ist eine Koproduktion des NDR, des US-Senders WGBH und Servus TV. Er basiert unter anderem auf einem aktuellen Interview mit Snowden sowie auf Unterlagen aus seinem Fundus, die dem NDR vorliegen.

In dem Gespräch beschreibt der ehemalige Mitarbeiter der NSA, dass der Dienst seit mehreren Jahren nicht mehr nur für die Überwachung von Telekommunikation zuständig ist, sondern auch für die digitale Kriegsführung. "Alles, was die machen, ist angreifen", beschreibt Snowden die Aufgabe des "United States Cyber Command", das vom Direktor der NSA geführt wird. Die Militärbehörde ist dem Whistleblower zufolge damit auch zum "nationalen Hacking-Dienst" der USA geworden.

Cybercop überwacht, dann folgt der Gegenschlag

Nicht nur die Infiltration von Systemen in aller Welt ist Teil der Strategie, sondern auch das Erkennen von DDoS-Attacken und die Antwort darauf. Für Ersteres ist dem Film zufolge das bisher nicht bekannte Programm "Cybercop" zuständig. Es soll in Echtzeit verteilte Angriffe erkennen können. Ein weiteres nicht namentlich genanntes System sorgt dann für die Gegenwehr: "Computer entscheiden eigenständig, gegen wen Vergeltungsschläge geführt werden", so die Sprecherin in dem Stück der ARD.

Snowden meint dazu: "Das ist die Grenze, die wir als Gesellschaft, und nicht nur als Vereinigte Staaten von Amerika, sondern überall auf der Welt, niemals überschreiten sollten." Wenn die Algorithmen Fehler machten, so der inzwischen 31-Jährige, könnte das Menschenleben kosten. Würde beispielsweise die Infrastruktur eines Telekommunikationsnetzes angegriffen, können Notrufe nicht mehr abgesetzt werden.

Einen Fall, bei dem ein Angriff auf die USA zunächst falsch zugeordnet wurde, soll es bereits gegeben haben. Am 10. April 2012 soll das Finanzwesen der Vereinigten Staaten durch den Iran attackiert worden sein - für die NSA sah es dem Film zufolge aber zunächst so aus, als käme die Attacke aus Deutschland, weil sie über hiesige Server durchgeführt wurde. In dem Beitrag kommt auch Timo Steffens zu Wort, der beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) für Gefahrenabwehr zuständig ist: "Gegen die wirklich motivierten Nachrichtendienste, da kann man soviel Geld ausgeben wie man will, da wird man sich nie verteidigen können".

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Nadja Neumann 15. Jan 2015

Moralisch ja Juristisch nein. Aber was mir wichtig ist zu sagen, ist dass es nicht seien...

HyDr0x 14. Jan 2015

Genau das scheint doch schon passiert zu sein. Im Artikel steht ja beschrieben, dass...

Zzimtstern 14. Jan 2015

Es ist eine sehr praktische Vorgehensweise für Regierungen, wenn solche Prozesse...

BangerzZ 14. Jan 2015

Wenn ich mir vorstelle das ein verteiltes System einen Endpunkt angreift, wenn soll man...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Künstliche Intelligenz
So funktioniert ChatGPT

Das mächtige Sprachmodell ChatGPT erzeugt Texte, die sich kaum von denen menschlicher Autoren unterscheiden lassen. Wir erklären die Technologie hinter dem Hype.
Ein Deep Dive von Helmut Linde

Künstliche Intelligenz: So funktioniert ChatGPT
Artikel
  1. Streamer: Rocket Beans muss in Kurzarbeit
    Streamer
    Rocket Beans muss in Kurzarbeit

    Der Gaming-Kanal Rocket Beans hat wirtschaftliche Schwierigkeiten. Mitarbeiter müssen in Kurzarbeit, einige Sendungen entfallen.

  2. i4: BMW lässt sich am Berg nicht updaten
    i4
    BMW lässt sich am Berg nicht updaten

    Die Besitzerin eines BMW i4 hat die Fehlermeldung entdeckt, ihr Parkplatz sei zu steil für ein Update der Bordsoftware.

  3. Volker Wissing: Schienengüterverbände sind gegen Autobahnausbau
    Volker Wissing
    Schienengüterverbände sind gegen Autobahnausbau

    Für den Güterverkehr sollte vermehrt auf die Bahn gesetzt werden und nicht auf mehr LKW. Für die gebe es eh nicht genug Fahrer, meinen Verbände.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • RAM im Preisrutsch - neue Tiefstpreise! • Powercolor RX 7900 XTX 1.195€ • AMD Ryzen 7 5800X3D 329€ • Nur noch heute TV-Sale mit bis 77% Rabatt bei Otto • Lenovo Tab P11 Plus 249€ • MindStar: Intel Core i7 13700K 429€ • Logitech G915 Lightspeed 219,89€ • PCGH Cyber Week [Werbung]
    •  /