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Snowden-Helferin Harrison: "Die Öffentlichkeit soll alles wissen"

Wikileaks-Mitarbeiterin und Snowden-Helferin Sarah Harrison kritisiert die Praxis von Medien, geheime Dokumente nur auszugsweise zu veröffentlichen. Die Zusammenarbeit mit Regierungen sei zudem immer korrumpierend, sagte sie in Berlin.

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Sarah Harrison fordert die komplette Veröffentlichung geheimer Dokumente.
Sarah Harrison fordert die komplette Veröffentlichung geheimer Dokumente. (Bild: Friedhelm Greis/Golem.de)

Die Enthüllungsplattform Wikileaks verteidigt die möglichst komplette Veröffentlichung geheimer Dokumente ohne vorherige Auswahl und Schwärzung. "Es ist sehr problematisch, wenn nur wenige Menschen darüber entscheiden, was veröffentlicht werden soll", sagte die Wikileaks-Mitarbeiterin Sarah Harrison am Dienstag auf der Internetkonferenz Re:publica in Berlin. Man brauche das ganze Archiv, den Kontext, um einzelne Dokumente richtig einschätzen zu können. So habe die Enthüllung der US-Botschaftsdepeschen gezeigt, dass Medien vor allem aus politischen Gründen die Originaldokumente bearbeitet hätten, um beispielsweise Namen großer Firmen oder Politiker nicht zu veröffentlichen. "Der ganze Prozess der Bearbeitung ist korrumpiert", sagte Harrison.

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Harrison gilt als enge Vertraute von Wikileaks-Gründer Julian Assange und unterstützte US-Whistleblower Edward Snowden im vergangenen Jahr mehrere Monate lang auf seiner Flucht von Hawaii über Hongkong nach Moskau. Seit November 2013 hält sich die britische Staatsbürgerin in Berlin auf. Als Grund gab sie damals an, in ihrem Heimatland eine Strafverfolgung zu befürchten.

Indirekte Kritik an Snowden

In einem einstündigen Interview mit der Journalistin Alexa O'Brien kritisierte Harrison indirekt Snowdens Entscheidung, sein Material nicht an Wikileaks zur vollständigen Veröffentlichung gegeben, sondern Journalisten wie Glenn Greenwald die Auswertung der NSA-Unterlagen überlassen zu haben. Wikileaks sei inzwischen der Überzeugung, dass die Öffentlichkeit einen Anspruch auf ein vollständiges historisches Archiv habe und alles wissen solle. Bei der Veröffentlichung der Dokumente aus dem Irak-Krieg habe Wikileaks zu viel redigiert, räumte Harrison ein. Sollten überhaupt Passagen redigiert werden, müsse eine unmittelbare tödliche Bedrohung von Personen vorliegen.

Zwar habe auch Wikileaks mit Regierungen vor einzelnen Veröffentlichungen zusammengearbeitet, damit jedoch keine guten Erfahrungen gemacht. So sei das Portal vor möglichen Nachteilen durch Veröffentlichungen gewarnt worden, ohne dass dies habe konkretisiert werden können. "Es war alles nur Propaganda", sagte Harrison. Generell müsse das gegenwärtige Verhältnis zwischen Privatsphäre und Transparenz umgekehrt werden. Die privaten Daten der normalen Bürger sollten geschützt werden, während die Regierungen sowie einflussreiche Personen transparent sein müssten. Durch die Massenüberwachung sei es derzeit genau umgekehrt.

Snowden als Gegenbeispiel zu Manning

Trotz Snowdens Vorgehen, das den Prinzipien von Wikileaks widerspreche, sei von Anfang klar gewesen, dass nur ihre Organisation ihm bei seiner Flucht habe helfen können, sagte Harrison. "Es war überhaupt keine Frage, dass wir ihm helfen würden", sagte sie weiter. Dabei sei es auch darum gegangen, ein Gegenbeispiel zur Verhaftung und Verurteilung von Chelsea Manning zu liefern. "Man kann weiter eine Stimme haben, man kann weiter an der Debatte teilnehmen", sagte Harrison. Daher habe Wikileaks Snowden juristischen Beistand auf seiner Flucht gegeben und auch in den ersten drei Monaten seines Asyls in Russland garantieren wollen, dass er so sicher wie möglich leben kann.

Auf die Frage, was Wikileaks von normalen Verlagen unterscheide, sagte Harrison: Jemand müsse an der Front stehen und den Mumm haben, die Schläge für die Pressefreiheit einzustecken. Da Wikileaks immer die vollständigen Dokumente veröffentliche, stehe das Portal für einen wissenschaftlichen Journalismus. Denn die Wissenschaft veröffentliche vollständige Forschungsdaten.

Andere Länder sollen Deutschland unterstützen

Auch Harrison konnte am Dienstag keine Antwort darauf geben, wie es mit Snowden nach dem Ablauf seines einjährigen Asyls in Moskau weitergeht. Generell stehe ihm die Möglichkeit offen, dieses Asyl um ein weiteres Jahr zu verlängern, sagte die Wikileaks-Mitarbeiterin. Es werde sich vermutlich kein anderes Land finden, das den Mut habe, gegen den Druck der USA Snowden dauerhaftes Asyl zu gewähren. In Deutschland solle Druck auf die Regierung ausgeübt werden, damit Snowden vor dem NSA-Untersuchungsausschuss als Zeuge aussagen könne. Andere Staaten sollten Deutschland dabei unterstützen, damit dem Druck aus den USA nicht nachgegeben werde und Snowden Asyl angeboten werden könne.



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Malocchio 07. Mai 2014

Das willst du doch sowieso nicht wirklich wissen.

plutoniumsulfat 07. Mai 2014

Irgendwie muss die Waffenlobby ja überleben. Wenn keiner mehr Krieg macht, dann werden...

Yes!Yes!Yes! 07. Mai 2014

Wenn ich als Bürger "nichts zu verbergen" haben soll, darf für einen Staat nichts anderes...


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