SNet: Kubas privates Internet

Ein Internetzugang ist in Kuba teuer, für die meisten Bewohner unbezahlbar. Eine Stunde Internetnutzung über eine langsame Verbindung in einem staatlich kontrollierten Hotel oder Internetcafé kostet fünf bis sieben US-Dollar – bei einem durchschnittlichen monatlichen Verdienst von 20 US-Dollar ist das sehr viel. Die Zensur in Kuba gehört außerdem zu einer der restriktivsten der Welt, Internetinhalte sind stark beschnitten.
9.000 Nutzer in einem privaten Netz
Auf der Suche nach einer Alternative für eine Vernetzung und den Austausch von Daten und Informationen hat eine Gruppe von ungefähr 9.000 Kubanern mittlerweile ein privates Netz geschaffen, wie AP berichtet(öffnet im neuen Fenster) . Das sogenannte SNet (Streetnet) ist in Havanna erreichbar und basiert auf dem Prinzip, dass sich Rechner mit leistungsstarken Antennen und über Dächer verlegten Ethernet-Kabeln über verschiedene privat betriebene Knotenpunkte mit anderen Rechnern verbinden. Gleichzeitig werden weitere Computer mit schwächeren WLAN-Antennen mit einem Zugang versorgt.
Über das SNet wird gechattet, es werden Informationen geteilt oder Online-Spiele wie Call of Duty gespielt. Dabei achten verschiedene Administratoren darauf, dass keine verbotenen oder von der Regierung nicht gerne gesehenen Inhalte verbreitet werden – etwa Pornographie oder politische Diskussionen. Wer gegen die Regeln verstößt, wird entweder kurzfristig blockiert oder sogar ganz aus dem privaten Netz ausgeschlossen.
So lange die Regeln eingehalten werden, scheint die kubanische Regierung das SNet zu dulden. Dabei benötigen Privatpersonen in Kuba eigentlich eine Genehmigung, um WLAN-Antennen zu betreiben. Denkbar ist, dass die kubanische Regierung erkannt hat, dass das SNet trotz verhältnismäßig geringer Nutzerzahl ein Grundbedürfnis vieler junger Kubaner befriedigt – sich untereinander auszutauschen, Spaß zu haben oder sich Informationen beschaffen zu wollen. Laut AP ist im SNet auch eine Kopie der Wikipedia abgelegt.
Andere Alternative: das Offline-Internet
Sich wegen der horrenden Preise für einen Internetzugang Alternativen für den Datenaustausch zu überlegen, hat in Kuba eine gewisse Tradition. Wie der Guardian kürzlich berichtete(öffnet im neuen Fenster) , gehört dazu auch der Tausch von Datenträgern wie externen Festplatten oder USB-Sticks. Diese "wöchentliche Pakete" genannten Festplatten werden von Kurieren zu unterschiedlichen Informationsgebern gebracht, die anschließend neue Filme, Serien und Bücher darauf kopieren.
Anschließend werden die Festplatten zu einem Laden gebracht, der die Inhalte weiterkopiert und verkauft. Auf diese Weise können aktuelle Informationen "offline" auch ohne Internet verteilt werden – einen wirklichen Ersatz für das globale Netzwerk bietet diese Möglichkeit aber nicht, ebenso wenig wie das SNet. Inwieweit sich die aktuelle Entspannungspolitik zwischen den USA und Kuba auf den Zugang zum Internet auswirkt, bleibt abzuwarten.
Keine Anzeichen für Steuerung aus dem Ausland
Die USA hatten mit dem SMS-Netzwerk Zunzuneo bis zum Sommer 2012 einen Social-Media-Dienst betrieben, der auch für die Erregung von Aufruhr sorgen sollte – allerdings vergebens. Anzeichen für eine Verwicklung ausländischer Dienste in das SNet gibt es laut AP nicht.