Snapdragon X2 Plus: Qualcomm ergänzt X2-Serie um Sechs- und Zehnkerner

Nach der X2-Elite-Reihe hat Qualcomm bei der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas die kleinere und kostengünstigere X2-Plus-Serie vorgestellt. Diese umfasst bislang zwei Modelle mit zehn und sechs Kernen. Qualcomm erklärt es im vorab bereitgestellten Pressematerial nicht eindeutig, aber beide Modelle dürften nur Performance-Core-Cluster nutzen.
Darauf deutet der angegebene Boost-Takt von 4 GHz hin, bereits der Basistakt der Prime Cores der X2 Elite liegt deutlich höher. Die Performance-Kerne sind weniger leistungsfähig, sie decodieren pro Takt weniger Befehle, verfügen über weniger Out-of-Order-Ressourcen zum Umsortieren von Befehlen und nutzen kleinere Caches. Dafür brauchen sie nur etwa halb so viel Chipfläche (g+) wie die Prime Cores und sind sparsamer.
Auch die Grafikeinheit ist bei den X2 Plus kleiner, die Bezeichnung X2-45 lässt auf eine Halbierung schließen. Statt vier Slices bei X2-90 und X2-85 der Elitemodelle gäbe es dann zwei. Unverändert lässt Qualcomm allerdings die NPU, neben der Effizienz das zweite Hauptargument des Herstellers für die Snapdragon X2. Sie rechnet mit bis zu 80 TOPS.
Leistungsfähiger und sparsamer als AMD und Intel
Die Snapdragon X2 Plus positioniert Qualcomm gegen Intels und AMDs Mittelklasse, Ryzen AI 7 und Core Ultra 7. Hier sieht der Hersteller den Zehnkerner trotz geringerer Leistungsaufnahme deutlich vorn – gezeigt wurden allerdings nur Werte für Geekbench und KI-Benchmarks.





Qualcomm nennt eine Speicherbandbreite von bis zu 152 GByte/s, was bedeuten würde, dass selbst die kleinen Modelle LPDDR5X mit bis zu 9.523 MT/s unterstützen. Das wäre deutlich mehr als Intel und AMD erlauben. Ob so schneller Speicher aber tatsächlich in Geräten verbaut wird, ist eine andere Frage – die maximal unterstützten 128 GByte werden wohl auch bestenfalls ein Randphänomen sein.
Im Vergleich zu ihren Vorgängern sind die X2 Plus insbesondere deutlich sparsamer – Qualcomm verspricht bis zu 43 Prozent niedrigeren Energiebedarf. Die leistungsfähigeren Kerne machen sich mit einem Plus von 35 Prozent in erster Linie bei Single-Thread-Anwendungen bemerkbar. Rechnen alle Kerne, liegt das Leistungsplus nur noch bei 10 und 17 Prozent (Sechs- und Zehnkerner).
Autos, Kameras, Roboter – Qualcomm will überall sein
Neben den Snapdragon X2 Plus stellte Qualcomm zwei neue Modelle der Embedded-Reihe Dragonwing vor. Den Q-8750 sieht das Unternehmen mit 77-TOPS-NPU, Unterstützung für bis zu zwölf Kameras und drei 48-MPixel-Bildsignalprozessoren (ISPs) in Drohnen, Kamera- oder komplexen Multimediasystemen.
Der kleinere Q-7790 kommt mit 24-TOPS-NPU und unterstützt zwei 60-Hz-4K-Displays. 4K-Videodaten encodiert und decodiert er mit 60 und 120 Hz. Qualcomm sieht ihn in smarten Kameras, Videokonferenzsystemen oder KI-Fernsehern. Die NPUs unterstützen die Datentypen FP16 sowie Int4/8/16, die Prozessorkerne hält Qualcomm daneben offenbar für so unwichtig, dass sie im Pressematerial nicht einmal erwähnt werden.
Die bereits vorgestellte, auf dem Snapdragon X basierende IQ-X-Serie hingegen sieht Qualcomm in Robotern und stellt dafür Referenzdesigns vor. Snapdragon sind nach Angaben des Unternehmens bereits in rund 400 Millionen Fahrzeugen unterwegs.