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Die Konkurrenz schläft nicht

Gerade im Notebook-Bereich dürfte Qualcomm zusammen mit Microsoft eine kleine Revolution einläuten. So hohe Effizienz, ohne dabei auf einen Großteil der Performance verzichten zu müssen, gab es in Windows-Laptops bisher nicht. Lediglich Apple schafft das bisher, und zwar ebenfalls mit ARM-basierten Prozessoren.

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Im Vakuum passiert das aber keinesfalls. AMD und Nvidia sollen ihrerseits bereits an ARM-Designs arbeiten. Auch bei Intel ist das Thema Effizienz bei gleichzeitig hoher Spitzenleistung spätestens mit Meteor Lake ebenfalls in den Fokus gerückt. Der Hersteller wird in den nächsten Jahren genau beobachten müssen, ob x86 im Mobilbereich weiterhin die beste Wahl sein kann.

Nvidia setzt ARM-Kerne bereits in KI-Beschleunigern ein, wo hohe Leistung neben der Flexibilität durch anpassbare Designs eines der Hauptkriterien ist. Der Sprung zum SoC für den Einsatz in Notebooks, mutmaßlich mit integrierter Nvidia-GPU samt KI-Beschleuniger, ist da nicht mehr weit.

Qualcomm braucht Partner

Es wird deshalb für Qualcomm auch darauf ankommen, die Zusammenarbeit mit den Notebook-Herstellern und Microsoft zu stärken, um gemeinsam ein passendes Gesamtpaket liefern zu können. In diesem Punkt könnten etablierte CPU- und GPU-Hersteller die Nase vorn haben, denn sie arbeiten teilweise seit Jahrzehnten mit Notebook-Herstellern eng zusammen – ein Risiko für Qualcomm.

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Auf dem Snapdragon Summit 2023 haben allerdings zahlreiche Hardware-Hersteller ihre Zusammenarbeit mit Qualcomm angekündigt, unter anderem Lenovo und Dell. Die Notwendigkeit von Partnern – sowohl bei der Software als auch bei der Hardware – dürfte für Qualcomm aber das größte Risiko für den Erfolg der neuen Notebook-Chip-Offensive sein.

Eine große Rolle bei der Vorstellung des Snapdragon X Elite (wie auch bei der des Snapdragon 8 Gen 3) spielte bei Qualcomm das Thema KI. Sowohl der Elite als auch der 8 Gen 3 verfügen über eine Hexagon-NPU, die verschiedene Modelle komplett auf dem Chip laufen lassen kann – mit diesem Punkt scheint man sich von der Konkurrenz abgrenzen zu wollen. Die NPUs der beiden SoCs sind dabei gleich aufgebaut, die des Snapdragon X Elite ist allerdings leistungsfähiger, unter anderem dank zusätzlicher Kerne.

Wird KI den Unterschied bringen?

Da die KI-Modelle direkt auf dem Snapdragon X Elite laufen, sollen sich unter anderem Sprachassistenten auf die persönlichen Bedürfnisse der Nutzer trainieren lassen. Als Anwender hat man eine KI auf den Rechner, die beispielsweise über das Alter oder die Hobbys Bescheid weiß – und all das ohne die Nutzung einer Cloud. In Gesprächen mit Qualcomm-Managern zeigte sich allerdings, dass sich das Unternehmen noch keine Gedanken gemacht zu haben scheint, was bei einem Umzug auf ein neues Gerät passieren soll.

Denkbar sei, dass das Modell gespeichert und auf das neue Notebook übertragen wird, erklärte ein Manager in einer Fragerunde. Grundsätzlich ist fraglich, wie stark persönliche Assistenten überhaupt von den Nutzern im Alltag verwendet werden. Die von Qualcomm gezeigten Demos arbeiteten stellenweise eher unzuverlässig, was sich durch verbesserte Modelle allerdings natürlich ändern lässt.

Qualcomms scheint es mit dem Snapdragon X Elite ernster zu nehmen als bei seinen vorigen Notebook-Chips. Dabei soll der Einsatz nicht nur auf PCs beschränkt bleiben – auf dem Snapdragon Summit betonte das Unternehmen mehrfach, dass der Chip auch in andere Geräteklassen kommen soll. Wenn mit den Partnern alles gut läuft und auch Microsoft Windows endlich für ARM-Chips optimiert, könnte Qualcomms Offensive erfolgreich sein. Allerdings wird die Konkurrenz dabei ein Wörtchen mitzureden haben.

Offenlegung: Golem.de hat auf Einladung von Qualcomm hin am Snapdragon Summit auf Maui teilgenommen, die Reise- und Hotelkosten wurden anteilig von Qualcomm übernommen. Unsere Berichterstattung ist davon nicht beeinflusst und bleibt gewohnt neutral und kritisch. Der Artikel ist, wie alle anderen auf unserem Portal, unabhängig verfasst und unterliegt keinerlei Vorgaben seitens Dritter.

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