Snapchat, Google, Facebook: Wie Firmen Apples Tracking-Transparenz umgehen

Eigentlich wollte Apple das Tracking von iPhone-Nutzern über mehrere Apps hinweg erschweren. Doch Werbefirmen erhalten trotzdem gewünschte Daten.

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Werbefirmen kommen nicht mehr so leicht an die Daten von iPhone-Nutzern.
Werbefirmen kommen nicht mehr so leicht an die Daten von iPhone-Nutzern. (Bild: Pixabay)

Die Werbeindustrie erhält angeblich trotz der neuen Datenschutzfunktion von Apple verknüpfte Daten von iPhone-Nutzern. Medienberichten zufolge versuchen Internetdienste wie Snapchat, Google oder Facebook, das Tracking über verschiedene Apps hinweg fortzusetzen, obwohl Nutzer dem seit Inkrafttreten der App Tracking Transparency (ATT) widersprechen können.

Apple hat diese Funktion mit der Veröffentlichung von iOS 14.5 im April dieses Jahres eingeführt. Damit beschränkt Apple den Zugriff auf die gerätespezifische Werbe-ID (IDFA, Identifier for Advertising) in iOS. Möchte ein Werbenetzwerk - beispielsweise Facebook oder Google - auf die Werbe-ID zugreifen, muss es nun per Pop-up um Erlaubnis fragen, und zwar in jeder App, von der aus das Werbenetzwerk auf die ID zugreifen möchte.

Einem Bericht der Financial Times (Paywall) zufolge toleriert Apple jedoch das Vorgehen der Internetdienste, nutzerbasierte Daten wie IP-Adressen, Standorte, Sprache oder Bildschirmgröße zu sammeln und aggregiert auszuwerten. Demnach weisen die Unternehmen darauf hin, dass Apple den Entwicklern mitgeteilt habe, "keine Daten von einem Gerät ableiten zu dürfen, um es eindeutig zu identifizieren". Das bedeute, dass sie "Signale" von einem iPhone auf der Ebene von Gruppen beobachten könnten und damit Anzeigen ermöglichten, die immer noch auf bestimmte "Kohorten" zugeschnitten werden könnten. Diese seien mit einem bestimmten Verhalten verbunden, aber nicht mit eindeutigen IDs verknüpft.

Diese Art des Trackings werde zur Norm. Der Chef der Werbeplattform Appsflyer, Oren Kaniel, sagte der FT, dass ein solches Werkzeug auf Basis aggregierter Daten noch im Juli 2020 auf großen Widerstand gestoßen ist. Inzwischen sei es aber bei 95 Prozent seiner Kunden Standard.

Mathematische Modelle für Nutzerverhalten

Einem Bericht des Magazins The Information zufolge nutzen die Firmen dabei einen gewissen Spielraum, den die Bedingungen des Appstores den Entwicklern lassen. Demnach ist es zwar untersagt, Nutzer- oder Gerätedaten über verschiedene Apps zu verknüpfen. Doch Apple habe nicht definiert, was unter Verknüpfung zu verstehen sei.

So habe Snapchat die Ausweichlösung Advanced Conversions entwickelt, die es erlaube, "detaillierte Informationen von Ad-Tech-Firmen über die Aktivitäten einzelner iPhone-Nutzer zu erhalten". Damit könnte Snap die Wirksamkeit von Anzeigen einschätzen, obwohl ein Nutzer angegeben habe, keine Tracking-Daten an Snap zu senden. Zwar könnten die Daten nicht auf einen einzelnen iPhone-Nutzer zurückverfolgt werden. Dennoch könne Snap sie analysieren und den Werbekunden die Ergebnisse übermitteln.

Hinter der Lösung sollen komplexe mathematische Modelle stecken, die die Wahrscheinlichkeit berechnen, nach der ein nicht getrackter Nutzer eine Aktion vornimmt, nachdem er eine Werbeanzeige in der App gesehen hat. Facebook und Google hätten ähnliche Systeme entwickelt, um die Effektivität ihrer Werbeanzeigen einschätzen zu können. Allerdings sollen alle Firmen eingeräumt haben, durch das neue Apple-System finanzielle Einbußen erlitten zu haben.

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