SMC: Bekanntes astronomisches Objekt ist anders als angenommen
Die Kleine Magellansche Wolke besteht wohl in Wirklichkeit aus zwei Galaxien. Zu diesem Schluss kommt ein astronomisches Forschungsteam.
In der südlichen Hemisphäre ist ein dunstiger Fleck am Nachthimmel zu erkennen. Es handelt sich um die Kleine Magellansche Wolke (Small Magellanic Cloud, SMC). Bisher ging man davon aus, dass es sich um eine einsame Zwerggalaxie in der Nähe der Milchstraße handele – doch diese Annahme scheint einer Studie zufolge falsch zu sein.
Neue Beobachtungen legen nahe, dass es sich nicht um ein einzelnes Objekt handelt, sondern um zwei. Von der Erde aus gesehen liegen sie hintereinander.
Die Arbeitsgruppe untersuchte die Bewegungen von Gaswolken innerhalb der SMC und der dort entstandenen jungen Sterne. Dabei fand das Team Hinweise auf zwei stellare Kinderstuben, die Tausende von Lichtjahren voneinander entfernt sind. Das deutet darauf hin, dass es sich bei der SMC tatsächlich um zwei verschiedene Objekte handelt.
Die beiden Magellanschen Wolken
Noch ist diese Entdeckung nicht bestätigt. Dafür müssen weitere Beobachtungen erfolgen. Falls sich die Ergebnisse der Studie bewahrheiten, wird die astronomische Fachwelt das Objekt – beziehungsweise die Objekte – vermutlich umbenennen. Ohnehin fordern einige Astronomen, die Kleine und auch die Große Magellansche Wolke (SMC und LMC) umzubenennen.
Sie ist nach dem Portugiesen Ferdinand Magellan aus dem 16. Jahrhundert benannt. Doch er war kein Astronom, hat die Galaxien nicht entdeckt und soll während seiner Weltumsegelung Angehörige indigener Völker ermordet und versklavt haben.
Die beiden Magellanschen Wolken befinden sich im Gravitationsbereich der viel größeren Milchstraße und werden diese in ferner Zukunft durchqueren. Die LMC ist eine Scheibengalaxie, wie die Milchstraße in Miniaturformat. Die SMC ist dagegen unregelmäßig geformt, hat zwei Drittel der Masse der LMC und wird oft zugunsten ihres schwereren Nachbarn übersehen.
Die Neuuntersuchung des SMC
Die SMC ist den den gravitativen Kräften der Milchstraße und der LMC ausgesetzt. Sie ist voll von zerrissenenen Gaswolken. Das Forschungsteam untersuchte deswegen die Sterne und das Gas von SMC neu. Dafür verwendete das Team den Australian Square Kilometre Array Pathfinder, ein Radioteleskop aus 36 Schüsseln mit einem Durchmesser von jeweils zwölf Metern.
Anschließend zeichneten die Forscher mithilfe des europäischen Weltraumteleskops Gaia die Position und die Geschwindigkeit von Tausenden jungen Sternen in der SMC auf. Dabei konzentrierten sie sich auf Sterne, die weniger als zehn Millionen Jahre alt sind.
Dann kombinierte das Team die Datensätze – unter der Annahme, dass sich so junge Sterne immer noch im Einklang mit den Gaswolken bewegen, aus denen sie entstanden sind. Dabei identifizierte die Arbeitsgruppe zwei verschiedene Sternentstehungswolken mit unterschiedlichem Gehalt an schweren Elementen.
Die Forscher maßen, wie viel Licht durch den Staub zwischen den Gaswolken und der Erde absorbiert wurde. Dadurch fanden sie heraus, dass beiden Wolken 16.000 Lichtjahre voneinander entfernt sind – mehr als die Hälfte der Entfernung zwischen der Erde und dem Zentrum der Milchstraße.
Es bleibt die Frage, ob es sich um zwei getrennte Objekte handelt, die durch ihre jeweilige Schwerkraft zusammengedriftet sind, oder ob es sich ursprünglich um eine Galaxie handelte, aus der durch eine enge Begegnung mit einer anderen Galaxie wie der LMC Trümmer herausgerissen wurden.
Zu den Quellen
Die Studie wurde am 12. Dezember 2023 im Fachmagazin Astrophysical Journal veröffentlicht: A Galactic Eclipse: The Small Magellanic Cloud is Forming Stars in Two, Superimposed Systems (Eine galaktische Finsternis: Die Kleine Magellansche Wolke bildet Sterne in zwei sich überlagernden Systemen).
Die Forderung zur Umbenennung der Magellanschen Wolken vom 12. September 2023: Astronomers Need to Rename the Magellanic Clouds (Astronomen müssen die Magellanschen Wolken umbenennen).
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
- ohne Werbung
- mit ausgeschaltetem Javascript
- mit RSS-Volltext-Feed










Kommentieren