Smartphones: Huawei verdreifacht Anteil heimischer Technik seit 2020

Huawei hat den Anteil chinesischer Komponenten in seinen neuesten Smartphones deutlich erhöht. Ein aktueller Teardown(öffnet im neuen Fenster) der Modelle Mate 70 Pro und Pura 80 Pro durch Nikkei und den japanischen Spezialisten Fomalhaut Techno Solutions(öffnet im neuen Fenster) zeigt, dass der Wertanteil heimischer Bauteile inzwischen bei fast 60 Prozent liegt. Dies markiert einen drastischen Anstieg im Vergleich zu früheren Jahren: Noch 2020 lag die Quote bei ähnlichen Modellen bei lediglich 19 Prozent, während sie 2023 auf 32 Prozent stieg. Im Gegenzug sank der Anteil von Komponenten aus Japan, den USA und Südkorea zwischen 2023 und 2024 um insgesamt mehr als 20 Prozentpunkte.
Kirin 9020 und heimischer Speicher
Im Pura 80 Pro, dessen Gesamtkosten für Komponenten auf etwa 380 US-Dollar geschätzt werden, kommt das System-on-a-Chip (SoC) Kirin 9020 zum Einsatz. Dieser von der Huawei-Tochter Hisilicon entworfene Chip wird im 7-Nanometer-Verfahren gefertigt. Damit erreicht Huawei in etwa das Leistungsniveau des iPhone 11 aus dem Jahr 2019. Akira Minamikawa vom Marktforschungsunternehmen Omdia stellt fest, dass weiterhin ein technologischer Abstand von mehr als fünf Jahren zur Weltspitze besteht. Dennoch zeigen die Teardowns signifikante Fortschritte bei teuren Kernkomponenten.
Anstatt auf Importe zu setzen, nutzt Huawei für den Arbeitsspeicher (DRAM) nun Chips von ChangXin Memory Technologies. Der Flash-Speicher (NAND) stammt von Yangtze Memory Technologies. Auch beim Display greift der Hersteller auf heimische Technik zurück: Das OLED-Panel wird von der BOE Technology Group geliefert und kostet schätzungsweise über 64 US-Dollar pro Einheit. Laut Fomalhaut-CEO Minatake Kashio sind damit fast alle Schlüsselkomponenten Made in China , was das Unternehmen einer vollständig autarken Produktion sehr nahe bringt.
US-Sanktionen als Katalysator
Die Entwicklung ist eine direkte Reaktion auf die US-Exportbeschränkungen , die 2019 unter der Trump-Administration begannen. Diese untersagen es US-Unternehmen sowie Firmen, die US-Technik nutzen, mit Huawei zusammenzuarbeiten. In der Folge baute der Konzern eine fast autarke Lieferkette auf. Dieser Trend spiegelt sich in der gesamten chinesischen Industrie wider: Alibaba entwirft eigene KI-Chips, während Start-ups wie Moore Threads oder MetaX im Grafikbereich aktiv sind.
Auch bei der Halbleiterfertigungsausrüstung holen chinesische Firmen wie Sicarrier und die Naura Technology Group auf. Laut Techinsights stieg Chinas Selbstversorgungsrate bei Halbleitern bis 2023 auf 23,3 Prozent – ein Plus von über acht Prozentpunkten innerhalb von zehn Jahren. Branchenexperten wie Satoru Oyama von Grossberg geben jedoch zu bedenken, dass chinesische Firmen zwar über hohe Designkapazitäten verfügten, die Massenproduktion aber weiterhin eine Herausforderung bleibe.



