Smartphones: Huawei bleibt vorsichtig optimistisch

Auf einem Presse-Event in Berlin bekräftigt Huawei sein Zukunftsversprechen: Wer sich ein Huawei-Smartphone kauft, soll es auch künftig wie gewohnt nutzen können. Auf Detailfragen bekommen wir allerdings keine genauen Antworten - die Diplomatie steht im Vordergrund, stärker als das neue 5G-Smartphone.

Eine Analyse von veröffentlicht am
Huawei-Manager Walter Ji, links, und William Tiang, rechts
Huawei-Manager Walter Ji, links, und William Tiang, rechts (Bild: Tobias Költzsch/Golem.de)

Huawei hat auf einer Presseveranstaltung in Berlin sein Zukunftsversprechen bekräftigt. "Wer sich ein Huawei-Smartphone kauft, kann es auch in Zukunft genauso nutzen wie bisher", erklärt der Deutschland-Chef der Huawei Consumer Business Group, William Tian. Auch die zweijährige Garantie gelte weiterhin.

Im Laufe des Julis 2019 will der chinesische Hersteller seine aktuellen und künftigen Nutzer in Deutschland davon überzeugen, dass sie beim Kauf eines Huawei-Smartphones nichts riskieren. Eine entsprechende Marketing-Kampagne soll, auch in Zusammenarbeit mit den Netzanbietern, das Zukunftsversprechen bekannter machen.

Hintergrund ist der US-Boykott, der es US-amerikanischen Unternehmen verbietet, mit Huawei zu handeln. Zwar hat US-Präsident Donald Trump andere Bereiche bereits vom Boykott ausgenommen, nicht jedoch Huawei. Dadurch ist es auch Google verboten, mit dem chinesischen Hersteller Handel zu betreiben - was gravierende Folgen für die Nutzer haben kann. In Europa dürften die meisten Kunden erwarten, dass ein Smartphone Googles Play Services und damit auch den Play Store mit allen bekannten Apps unterstützt, was aufgrund des Boykotts nicht sicher ist.

Keine detaillierten Antworten

Konkrete Fragen zum Handelsstreit bleiben auch nach dem Pressegespräch unbeantwortet - teilweise, weil Huawei nicht in die Zukunft schauen kann, stellenweise aber auch aus taktischen Gründen. So antwortet der zweite anwesende Manager Walter Ji, der Europachef der Huawei Consumer Business Group, beispielsweise auf die Frage, wie es künftig mit den Play Services auf Huawei-Smartphones aussieht, dass alles so bleiben werde wie bisher und dass Huawei sich Android verpflichtet fühle.

  • Das Mate 20 X 5G hat einen 7,2 Zoll großen Bildschirm. (Bild: Tobias Költzsch/Golem.de)
  • Dank des Balong-5000-Chips unterstützt das Smartphone 5G. (Bild: Tobias Költzsch/Golem.de)
Das Mate 20 X 5G hat einen 7,2 Zoll großen Bildschirm. (Bild: Tobias Költzsch/Golem.de)

Das schließt eine Zusammenarbeit mit Google weder aus noch ein: Die Betonung, dass Huawei weiter Android verwenden werde, schließt natürlich die Möglichkeit nicht aus, dass das Unternehmen auch für die Märkte außerhalb Chinas einen auf AOSP basierenden Fork entwickeln wird. Unter diesem Gesichtspunkt ist auch das Versprechen zu sehen, dass 17 Huawei-Smartphones Android Q erhalten sollen - auch hier ist es völlig unklar, ob diese Version die Play Services unterstützen wird oder nicht.

Sollte Huawei es schaffen, viele Entwickler dazu zu bringen, Apps für seinen eigenen App-Store zur Verfügung zu stellen oder Anwendungen einfach als APK installieren zu können, könnte sich für manchen Nutzer auch bei einem AOSP-Fork tatsächlich nicht viel ändern. Allerdings sind auch Google-Apps wie Maps sehr beliebt und für manch einen sicherlich unverzichtbar.

Huawei ist "offen" für Zusammenarbeit mit anderen Herstellern

Auch auf unsere Frage, ob Huawei mit anderen chinesischen Anbietern an einem möglichen Betriebssystem arbeite, gibt es eher eine diplomatische Antwort: Huawei unterstütze generell eine "offene Zusammenarbeit" mit anderen Unternehmen. Das kann man durchaus als ein Ja deuten. Den Bootloader entsperren, um es Nutzern zu ermöglichen, im Ernstfall auch alternative Android-ROMs zu installieren, will Huawei aktuell übrigens nicht.

Ausweichend reagieren die Manager auf die Frage, warum Kunden davon überzeugt sein sollen, dass von Huawei selbst nicht beeinflussbare Faktoren in Zukunft nicht doch dafür sorgen könnten, dass Huawei seine Produkte nicht mehr ohne Weiteres anbieten kann. Man sei der zweitgrößte Smartphone-Hersteller der Welt und biete weiterhin zwei Jahre Garantie, für Nutzer solle sich nichts ändern - genauer können und wollen Ji und Tian nicht werden.

Hinter den Antworten stehen neben unternehmenstaktischen Gründen möglicherweise auch diplomatische: Eine zu forsche Herangehensweise bezüglich eigener Software könnte Google als Partner verschrecken, der nur aus politischen Gründen nicht mit Huawei handeln darf - und nicht aus geschäftlichen.

Nebenbei präsentiert Huawei noch ein 5G-Smartphone

Neben all den wirtschaftspolitischen Diskussionen kommt ein Umstand bei dem Pressegespräch etwas kurz: Huawei hat mit dem Mate 20 X 5G sein erstes 5G-fähiges Smartphone für Deutschland angekündigt. Das Smartphone mit dem riesigen 7,2 Zoll großen Display und einer Dreifachkamera soll bald über die Netzbetreiber erhältlich sein und 1.000 Euro kosten.

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