Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Smartphones: Das Jahr der Experimente

Ereignisreich wie lange kein Jahr war 2014 im Bereich Smartphones . Neben neuartigen Gerätekonzepten hat vor allem der Sinneswandel bei Apple für eine angenehme Belebung gesorgt. Auch das kommende Jahr verspricht, spannend zu werden.
/ Ingo Pakalski
139 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Rund um Smartphones ist viel passiert und es bleibt spannend. (Bild: Nicolas Tucat/AFP/Getty Images)
Rund um Smartphones ist viel passiert und es bleibt spannend. Bild: Nicolas Tucat/AFP/Getty Images

Viele Experimente kennzeichnen das Smartphone-Jahr 2014. Hersteller haben neue Konzepte erprobt und noch lässt sich nicht absehen, ob sie zu einem Massenphänomen oder Nischenprodukten werden. An vorderster Stelle sind Smartphones mit gebogenem Display zu nennen. Aber auch mit Geräten mit zwei Displays versuchen die Hersteller, Käufer zu gewinnen. Und es gab erste Versuche mit modularen Smartphones.

Apples neue Linie

Apple hat Mut bewiesen und das erste Mal zwei vollwertige iPhone-Neuvorstellungen zugleich auf den Markt gebracht. Über lange Zeit hatte sich Apple vehement gegen den Trend zu Smartphones mit großen Displays gestemmt, nun hat es gleich zwei Modelle vorgestellt, deren Displays deutlich oberhalb der bisherigen 4-Zoll-Displaydiagonale liegen.

iPhone 6 und 6 Plus – Test
iPhone 6 und 6 Plus – Test (05:00)

Als Apple im Herbst 2013 das iPhone 5S vorstellte, wirkte es bezüglich der Displaygröße aus der Zeit gefallen. Alle großen Hersteller von Smartphones waren mit ihren Topgeräten längst bei Displays jenseits von 4,7 Zoll angelangt. Das galt nicht nur für den marktbeherrschenden Android-Bereich, auch im Windows-Phone-Segment wurden die Forderungen der Kunden nach großen Displays erhört.

Trend zu großen Displays hat sich intensiviert

Vorreiter im Android-Bereich war Samsung mit dem Galaxy Note, aber erst Sony überschritt bei den jeweiligen Topgeräten der großen Hersteller die 5-Zoll-Grenze. Bald schon zogen Samsung und LG nach und bestückten ihre jeweiligen Oberklasse-Smartphones mit entsprechend großen Displays. Etwas zögerlicher war HTC, das mit dem One (M7) und seinem 4,7-Zoll-Display in vergleichbare Größenordnungen vorgestoßen ist.

Nur Apple blieb auch mit dem iPhone 5S bei 4 Zoll großen Displays. Erst mit dem aktuellen iPhone 6 kam die Wende: Apple hat wieder Smartphones im Sortiment, die bezüglich der Displaygröße nicht mehr Jahre hinter der Konkurrenz und den technischen Möglichkeiten hinterher hinken.

Ganz im Gegenteil: Das Display in beiden iPhone-6-Modellen setzt bezüglich der Darstellungsqualität neue Maßstäbe. Außerdem bietet Apple dem iPhone-Kunden etwas ganz Ungewohntes: Auswahl. Wer sich für das iPhone 6 entscheidet, bekommt mit einer Displaygröße von 4,7 Zoll ein Smartphone mit einem angenehm großen Display. Der Guckkasten-Modus der iPhones nimmt damit sein Ende. Wer Wert auf ein noch größeres Display legt, kann sich für das iPhone 6 Plus entscheiden und bekommt dann ein Smartphone mit einem 5,5 Zoll großen Touchscreen.

Vorher hatte es immer nur ein aktuelles iPhone-Modell gegeben. Das blieb auch so, als Apple neben dem iPhone 5S das günstigere 5C auf den Markt brachte. Denn das iPhone 5C ist technisch erheblich schlechter ausgestattet; wer aktuelle Apple-Technik haben wollte, musste zum iPhone 5S greifen.

Aller Voraussicht nach wird Apple Kunden nun auch künftig die Wahl lassen. Es wird derzeit sogar vermutet, dass Apple bei der nächsten neuen iPhone-Generation im Herbst 2015 auch wieder ein Modell mit einem kleineren Display als beim iPhone 6 anbieten wird.

Das Oneplus One ist die Überraschung des Jahres

In der Android-Welt produziert weiter kaum ein Hersteller Topgeräte mit kleinem Display . Die meisten Mini-Ausführungen der Topmodelle der großen Hersteller wurden auch dieses Jahr technisch so stark abgespeckt, dass sie nur aus Marketing-Gründen die Bezeichnungen der jeweiligen Topmodelle tragen. Wer also eine sehr gute Ausstattung in einem kompakten Gehäuse sucht, hat nicht viel Auswahl.

Sony Xperia Z3 und Z3 Compact – Test
Sony Xperia Z3 und Z3 Compact – Test (02:32)

Genau genommen kann er derzeit eigentlich nur zu Sonys Xperia Z3 Compact greifen. Es bietet moderne Smartphone-Technik in einem kompakten Gehäuse. Trotz hervorragender Ausstattung ist es also nicht ganz so groß und sperrig wie die Topmodelle der Hersteller.

Oneplus One bietet eine gute Ausstattung zu einem niedrigen Preis

Das herausragende Smartphone des Jahres steckt wie die anderen Topmodelle in einem großen Gehäuse. Das One von Oneplus hat einen 5,5 Zoll großen Touchscreen. Es bot zur Vorstellung im Frühjahr 2014 eine überragende Ausstattung zu einem sehr niedrigen Preis. Noch immer kann sich die Ausstattung des One-Smartphones sehen lassen. Die Topsmartphones anderer großer Hersteller kosten bei vergleichbarer technischer Ausstattung nach wie vor mehr – auch wenn sich der Abstand verringert hat.

Oneplus One – Fazit
Oneplus One – Fazit (01:43)

So interessant das One-Smartphone bezüglich des Preis-Leistungs-Verhältnisses ist, so enttäuschend läuft der Vertrieb: Eigentlich können nur Interessenten mit Einladung das Smartphone kaufen. Erst zum Ende des Jahres gab es immer mal wieder tageweise die Möglichkeit, das Smartphone ohne Einladung zu kaufen. Von einer allgemeinen Verfügbarkeit kann also über ein halbes Jahr nach der Markteinführung noch immer keine Rede sein.

Experimente im Android-Lager

Neue Entwicklungsrichtungen bei Smartphones kamen 2014 allesamt aus dem Android-Lager; aus dem Bereich iOS und Windows Phone kamen keine neuen Impulse. Vor allem rund um das Display gab es eine Reihe neuer Entwicklungen.

LG G Flex – Test
LG G Flex – Test (02:40)

Bereits 2013 hatte Samsung mit dem Galaxy Round ein erstes Smartphone mit gebogenem Display vorgestellt. Aber anders als das G Flex von LG wurde das Samsung-Modell nicht offiziell in Deutschland verkauft. Die geschwungene Bananenform des G Flex konnte uns im Test überzeugen, in allen Alltagssituationen spielte das gekrümmte Display seine Vorzüge aus. Allerdings bot das G Flex dadurch noch keinen echten Mehrwert.

Das Galaxy Note Edge geht einen Schritt weiter

Dieser Schritt kam erst mit Samsungs Galaxy Note Edge , das seit Ende des Jahres auch in Deutschland verkauft wird. Das Display im Smartphone ist über den Rand gebogen, stellt dabei aber nicht nur eine einfache Fortführung des Bildschirms dar, sondern verfügt über ein eigenes Bedienungskonzept. Die Anzeige ist unabhängig vom Hauptbildschirm und zeigt verschiedene Status-Informationen an.

Galaxy Note 4 und Note Edge – Hands on (Ifa 2014)
Galaxy Note 4 und Note Edge – Hands on (Ifa 2014) (02:33)

Das alles verändert zwar die Bedienung, krempelt aber den Umgang mit dem Gerät nicht komplett um. Dennoch zeigen die Ansätze von LG und Samsung, in welche Richtung sich Smartphones entwickeln können. Mit Hilfe gebogener Displays sind neue Gerätekonzepte möglich – die Hersteller müssen aber noch die Chance ergreifen und diese auch umsetzen.

Im kommenden Jahr wird sich zeigen, ob in der Richtung eine weitere Entwicklung stattfinden wird. Noch sind Smartphones mit flexiblem Display kein Massenmarkt; das liegt auch an den hohen Gerätepreisen. Sowohl das LG- als auch das Samsung-Gerät gehören zu den teuersten auf dem Smartphone-Markt. Für viele Käufer sind die Vorzüge eines flexiblen Displays so marginal, dass sie nicht bereit sind, den dafür notwendigen Aufpreis zu zahlen.

Es kann auch mehr als nur ein Display geben

Den krassen Unterschied zwischen guter Idee und guter Umsetzung hat Yota unter Beweis gestellt. Anfang des Jahres kam das erste Yotaphone , das zwar mit seinem Grundkonzept überzeugen konnte, aber in der Praxis viel zu sperrig in der Bedienung war. Die Grundidee wurde weiter entwickelt und zum Jahresende erschien das viel bessere Yotaphone 2 . Beide Geräte zeichnen sich durch ein zweites E-Paper-Display auf der Gehäuserückseite aus.

Yotaphone 2 – Fazit
Yotaphone 2 – Fazit (01:29)

Das erste Modell hatte noch keinen rückwärtigen Touchscreen, wodurch die Bedienung sehr mühsam war. Außerdem mussten Apps speziell für das Rückdisplay angepasst werden, so dass sich das E-Paper-Display nicht so konsequent nutzen ließ, wie es erforderlich gewesen wäre. Das alles änderte sich mit dem Yotaphone 2, das einen rückwärtigen E-Paper-Touchscreen erhielt. Darauf läuft jede beliebige Android-App und die E-Paper-Seite kann komplett in die normale Bedienung eingebunden werden. Damit wurde aus dem schon guten Konzept ein gutes Produkt.

Nexus ist tot

Grundlegend verändert hat sich die Zielrichtung von Googles Nexus-Geräten. Zeichneten sich die ersten Smartphones und Tablets mit dem Nexus-Schriftzug vor allem durch eine üppige Ausstattung zu einem vergleichsweise günstigen Preis aus, ist davon nichts mehr übrig. Die bisherige Bedeutung der Nexus-Marke existiert also nicht mehr .

Das hatte sich bereits mit dem Nexus 5 abgezeichnet, aber erst mit dem Nexus 6 und dem Nexus 9 wurde es zur Gewissheit: Nicht mehr nur die Ausstattung, sondern auch der Preis der Nexus-Geräte ist gehoben. Die letzte verbleibende Besonderheit der Nexus-Geräte ist die Tatsache, dass sie frühzeitiger als Smartphones und Tablets anderer Hersteller mit Android-Updates versorgt werden . Das garantiert aber keineswegs, dass die Geräte auch besonders lange aktualisiert werden.

Ausblick ins nächste Jahr

Im Frühjahr 2015 werden die neuen Oberklasse-Smartphones von HTC und Samsung erwartet. Es wird derzeit damit gerechnet, dass das nächste HTC One rund um den Mobile World Congress 2015 vorgestellt wird. Dieser findet Anfang März 2015 in Barcelona statt. Aller Voraussicht nach wird dort auch das Galaxy S6 enthüllt.

Die Topgeräte werden die aktuelle Prozessortechnik erhalten und möglicherweise Displays mit höherer Auflösung, aber das ist noch nicht sicher. Vermutlich wird es bei den Topmodellen auch wieder vor allem auf Software-Beigaben ankommen. Immer wichtiger wird eine hochwertige Kamera im Smartphone, und es bleibt abzuwarten, ob die großen Hersteller hier neue Wege einschlagen.

Modulare Smartphones sind das Thema des nächsten Jahres

Das kommende Xperia Z4 von Sony soll Gerüchten zufolge einen verbesserten HDR-Modus erhalten. In diesem sollen Details in Fotos noch scharf und gut erkennbar sein, auch wenn sehr tief in das Foto hinein gezoomt wird. Sonys Veröffentlichungspolitik ist derzeit weniger klar, und es ist ungewiss, ob das Xperia Z4 noch in der ersten Jahreshälfte gezeigt wird oder doch erst im Spätsommer, also ein Jahr nach dem Xperia Z3.

Vergangenes Jahr hatte Sony mit dem Xperia Z2 und dem Xperia Z3 innerhalb eines halben Jahres zwei Oberklasse-Smartphones auf den Markt gebracht. Das kam im Markt nicht sonderlich gut an. Die Änderungen zwischen den beiden Geräten waren entsprechend minimal.

Nicht vor Sommer 2015 wird das G4 erwartet, LGs nächstes Topsmartphone. Auch hier dürfte ein aktueller Top-Prozessor drin stecken. Möglicherweise nutzt LG wieder den zeitlichen Vorteil, einige Monate nach der Konkurrenz von Samsung und HTC nochmals bessere Technik einzubauen. LGs G3 war das erste Smartphone eines der großen Hersteller mit einem Quad-HD-Display, also einer Auflösung von 2.560 x 1.440 Pixeln auf einer Fläche von 5,5 Zoll. Die Topmodelle von Samsung, HTC und Sony begnügen sich mit Full-HD, also mit 1.920 x 1.080 Pixeln.

Kommt ein neues One-Smartphone von Oneplus?

Immer neue Gerüchte gibt es um ein mögliches neues One-Smartphone von Oneplus. Allerdings ist fraglich, ob es noch einmal so viel wohlwollende Aufmerksamkeit erhalten wird wie das erste Modell. Das Einladungssystem nervt Interessenten zunehmend und schmälert die Sympathien für das Unternehmen.

Modulare Smartphones kommen

Spannend dürfte es nächstes Jahr rund um das Thema modulares Smartphone werden. Den Anstoß dazu hatte Google mit dem Project Ara gegeben, aber mit Vsenn und dem Puzzle Phone wollen zwei weitere Projekte bereits im kommenden Jahr mit fertigen Produkten auf den Markt kommen.

Für das Project Ara ist für kommendes Jahr hingegen nur ein Pilotversuch geplant – und auch nur in einem Land. Die Chancen sind nicht sehr groß, dass das Deutschland sein wird.

Projekt Ara – Entwicklung des ersten Prototyps
Projekt Ara – Entwicklung des ersten Prototyps (03:23)

Das Grundkonzept aller modularen Smartphones ähnelt sich: Bei den Geräten können einzelne Module je nach Anwendungssituation ausgetauscht werden. Es ist auch möglich, das Android-Smartphone aufzurüsten, also etwa eine bessere Kamera einzubauen, wenn die ursprüngliche nicht mehr gut genug erscheint. Das Konzept führt die Idee von Modu fort, einem modularen Handy, das sich am Markt allerdings nicht durchsetzen konnte.

Puzzle Phone – Trailer
Puzzle Phone – Trailer (00:43)

Jenseits dieser erwartbaren Entwicklungen bleibt es vor allem spannend, ob die Experimente bei den Smartphone-Herstellern im kommenden Jahr weitergehen. Es wäre wünschenswert, wenn noch stärker mit gebogenen Displays experimentiert wird. In diesem Bereich könnte es ganz neue Gerätekonzepte geben, die Hersteller müssen dazu aber den Mut haben, auch mal den einen oder anderen unkonventionellen Schritt zu gehen.


Relevante Themen