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Smartphones: Amazon-Marketplace-Händler verschenken ungefragt Produkte

Smartphones und andere Waren werden von Marketplace-Händlern unverlangt an Kunden in Deutschland geschickt. Die Amazon-Kunden können die Artikel behalten, doch über die Hintergründe herrscht Unklarheit.
/ Achim Sawall
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Amazon-Verpackung in Deutschland (Bild: Achim Sawall/Golem.de)
Amazon-Verpackung in Deutschland Bild: Achim Sawall/Golem.de

Nicht bestellte Warensendungen von Amazon-Marketplace-Händlern verunsichern Kunden in Deutschland. Das berichtete die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen(öffnet im neuen Fenster) am 11. Februar 2019. In den Paketen ohne Absender befinden sich Smartphones, Handy-Hüllen, iPhone-Kabel, Mausefallen, Sexspielzeug, Ferngläser oder Überwachungskameras. Doch die Empfänger dürfen die Produkte behalten.

In den Kundenkonten der Betroffenen zeigt sich nichts über die Bestellungen. Amazon erklärt dies den Verbraucherschützer mit "betrügerischen Methoden" und Richtlinienverstößen. "Weder Namen noch Adressen" hätten die Amazon-Marketplace-Händler von Amazon erhalten. Der weltgrößte Onlinehändler droht den Absendern mit Sperre, Zurückhaltung von Zahlungen und Einleitung rechtlicher Schritte.

Rechtlich haben die Amazon-Nutzer laut Verbraucherzentrale nichts zu befürchten. Juristisch gelte: Wer unverlangt Pakete von Händlern erhalte, müsse sie nicht aufbewahren. Die erlaubten Möglichkeiten seien Nutzen, Verschenken oder Entsorgen. Es gebe nicht einmal die Pflicht, den Absender zu kontaktieren, falls ein Herkunftsnachweis im Paket stecken sollte.

Über die Gründe für die unverlangten Warensendungen gibt es nur Spekulationen. Händler aus Fernost wollen bessere Verkaufsrankings von Amazon und positive Bewertungen des Artikels sind möglich. Andere vermuten, es handelt sich um zurückgeschickte Waren, deren Vernichtung sonst Kosten verursachen würde.

Laut einem früheren Bericht soll Amazon massenhaft zurückgeschickte und neuwertige Produkte vernichten, erklären Beschäftigte des Onlinehändlers, dazu lagen auch interne Produktlisten und Fotos vor. Darunter sind Kühlschränke, Wasch- und Spülmaschinen, Handys, Tablets, Matratzen und Möbel.

Mehrere Mitarbeiter sagen laut dem Bericht, Amazon entsorge nicht nur unbrauchbare Produkte, sondern auch funktionstüchtige, teilweise sogar neue Produkte.

Amazon bietet externen Anbietern, die den Dienst "Versand durch Amazon" nutzen, die Möglichkeit, unverkaufte Lagerbestände zu entsorgen. "Sie können Ihren Lagerbestand auf Wunsch von uns entsorgen lassen", heißt es in einer Angebotsübersicht von Amazon. Interne Dokumente zeigten, dass der Service offenbar intensiv genutzt wird.

Laut einem Bericht des WDR(öffnet im neuen Fenster) wehrt sich ein Solinger vor Gericht dagegen, immer wieder Pakete zu bekommen, obwohl er sie gar nicht bestellt hat. Das Amtsgericht Solingen sah am 16. Januar 2019 keinen Grund für eine einstweilige Verfügung gegen Amazon. Amazon spricht von Ausnahmefällen, wenn Kunden nicht bestellte Pakete bekommen.

Ein Amazon-Sprecher sagte Golem.de auf Anfrage: "Wir gehen jedem Hinweis von Kunden nach, die unaufgefordert ein Paket erhalten haben, da dies gegen unsere Richtlinien verstößt. Verkäufer haben in diesem Zusammenhang weder Namen noch Adressen von Amazon erhalten. Verkäufer, die gegen unsere Richtlinien verstoßen, werden gesperrt, die Zahlungen werden zurückgehalten und wir leiten entsprechende rechtliche Schritte ein."


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