Smartphone: Nordkorea plant eigenes mobiles Zahlsystem

Nur rund ein Viertel der Bevölkerung Nordkoreas nutzt überhaupt Smartphones, sie setzten bisher alternative Bezahlmethoden ein.

Artikel veröffentlicht am , / dpa
Künftig dient das Smartphone in Nordkorea nicht nur zum Fotografieren, sondern auch zum Bezahlen.
Künftig dient das Smartphone in Nordkorea nicht nur zum Fotografieren, sondern auch zum Bezahlen. (Bild: ED JONES/AFP via Getty Images)

Nordkorea hat nach Angaben von Staatsmedien ein eigenes mobiles Zahlsystem entwickelt. Dieses erlaube es Nutzern, gebührenfreie Zahlungen per Smartphone zu tätigen, wie die nordkoreanische Nachrichtenwebseite Arirang Meari schreibt. Aus dem Bericht geht nicht hervor, auf welcher technologischen Grundlage das System beruht. Offenbar ersetzt das neue offizielle System damit aber eine Art Schattenwirtschaft, die sich die Bevölkerung selbst geschaffen hatte.

Im verarmten Nordkorea ist Bargeld trotzdem nach wie vor die Hauptzahlmethode, wobei vornehmlich in der Hauptstadt Pjöngjang auch Kredit- und Bankkarten verwendet werden können. Eine Studie der südkoreanischen Entwicklungsbank vom August geht davon aus, dass rund sechs Millionen Nordkoreaner über Mobiltelefone verfügen - rund ein Viertel der Bevölkerung. Diese Smartphones sollten auch für den Heim-Unterricht während der Covid-19-Pandemie genutzt werden, was allerdings zu einigen Schwierigkeiten führte.

In den vergangen Jahren haben einige nordkoreanische Firmen eigene Smartphones auf den heimischen Markt gebracht. Die Hardware-Grundbausteine der Telefone stammen Angaben der Nachrichtenagentur Reuters zufolge dabei meist aus chinesischer beziehungsweise taiwanesischer Fertigung. Erst im Frühjahr des Jahres ist eine neue Version dieser nationalen Smartphone-Reihe vorgestellt worden.

Als Betriebssystem wird eine Variante von Googles Open-Source-System Android genutzt. In der Vergangenheit gab es immer wieder Untersuchungen zu der in Nordkorea eingesetzten Informationstechnik, etwa zu den Android-Tablets oder der eigenen Linux-Distribution Red Star OS.

Schattenwirtschaft über Guthaben-Karten

Sowohl das Telekommunikationsnetz als auch das Internet ist in Nordkorea weitestgehend von der Außenwelt abgeschnitten. Anrufe können nur im eigenen Land getätigt werden und sind vergleichsweise teuer. Das Netz soll Huawei aufgebaut haben. Wie das auf Nordkorea spezialisierte Nachrichtenportal DailyNK berichtet, haben Bewohner des Landes bisher Prepaid-Guthaben als eine Art alternative Währung benutzt.

Das Guthaben sei dabei im Tausch gegen Waren oder Dienstleistungen an andere Personen verschickt worden. Dieses System ist dem Bericht zufolge nun aber größtenteils verboten oder zumindest deutlich erschwert worden, auch weil sich Einzelne mit Hilfe der Guthabenkarten bereichert haben sollen. Das neue offizielle mobile Zahlsystem könnte damit ein Ersatz für die bisherige Schattenwirtschaft sein. Damit könnten zwar ähnlich einfache und bequeme Zahlungen und Transfers angeboten werden, das System liegt aber eben auch vollständig unter staatlicher Kontrolle.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Disney+, Netflix und Prime Video
Das goldene Streamingzeitalter wird zum silbernen

Das aktuelle Jahr hat viele Umbrüche im Streamingmarkt erlebt - und nächstes Jahr geht es weiter. Das wird negative Auswirkungen für Anbieter und Kunden haben.
Eine Analyse von Ingo Pakalski

Disney+, Netflix und Prime Video: Das goldene Streamingzeitalter wird zum silbernen
Artikel
  1. Kernfusion: US-Fusionslabor erreicht konsistent Zündungen
    Kernfusion
    US-Fusionslabor erreicht konsistent Zündungen

    Vor einem Jahr gelang der US-Forschungseinrichtung NIF ein wichtiger Fortschritt bei der Kernfusion. Der wurde inzwischen mehrfach wiederholt.

  2. Aufkauf der Restaktien: Silver Lake will die Software AG vollends übernehmen
    Aufkauf der Restaktien
    Silver Lake will die Software AG vollends übernehmen

    Das Angebot des Investors für die restlichen Anteile liegt vor. Die Software AG trennt sich derweil von zwei Produkten.

  3. 49-Euro-Ticket: Stendal könnte doch zum Deutschlandticket zurückkehren
    49-Euro-Ticket
    Stendal könnte doch zum Deutschlandticket zurückkehren

    Während weitere Landkreise ebenfalls über ein Aus für das Deutschlandticket nachdenken, gibt es für Stendal einen möglichen Ausweg.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    • Daily Deals • Last-Minute-Angebote bei Amazon • Avatar & The Crew Motorfest bis -50% • Xbox Series X 399€ • Cherry MX Board 3.0 S 49,95€ • Crucial MX500 2 TB 110,90€ • AVM FRITZ!Box 7590 AX + FRITZ!DECT 500 219€ [Werbung]
    •  /