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Warum Vertrauen wichtiger sein kann als Kontrolle

Golem: Das sind alles wissenschaftliche Erkenntnisse. Wie sieht es mit der Umsetzung aus? Ich denke an die Unsummen, die gerade in KI-Lösungen und in automatisierte Verfahren fließen. Das passt doch gar nicht.

Mathias Mitteregger: Die Digitalisierung läuft ganz gut. Da wird gerade extrem viel Geld investiert.

Golem: Aber?

Mathias Mitteregger: Am Ende stehen wir hier vor Fragestellungen, die demokratisch diskutiert werden müssen. Es braucht nicht nur das technische "Was geht?", sondern auch die gesellschaftliche Frage "Wie wollen wir leben?". Die Antwort auf die Frage sollte von möglichst vielen Stimmen kommen und nicht allein aus den an sich legitimen Interessen einzelner Marktakteure. Die aktuelle Goldgräberstimmung überdeckt das.

Golem: Dabei gab es diesen Hype um automatisiertes Fahren und selbst KI in der Vergangenheit ja schon mal. Was ist dieses Mal anders?

Mathias Mitteregger: Viele haben gemerkt: Das ist komplexer als gedacht. Vor allem das maschinelle Lernen hat sich rasant weiterentwickelt. Dinge, die vor kurzem als unmöglich galten, sind jetzt Realität. Doch auch dieses Mal werden Versprechungen gemacht, die aus meiner Sicht nicht haltbar sind. Die eigentliche Frage ist doch, welchen gesellschaftlichen Nutzen diese Technologie uns bringen kann. Dieses Ziel sollte man nicht aus den Augen verlieren.

Golem: Was wäre Ihr Ziel?

Mathias Mitteregger: Die Stadt ist für uns das Sinnbild eines Ortes, an dem aus unterschiedlichen Perspektiven Kreativität entsteht. Darin ist sie immer auch vulnerabel. Die Stadt, die Polis, wird gerne an den Anfang des Politischen gestellt.

Mehr noch: Der öffentliche Raum ist ein Ort des sozialen Austauschs und Ausgleichs. Grundlegendes Ziel ist es, gute Städte zu schaffen. Möglichst viele Menschen sollten die Frage beantworten dürfen, was in diesem Kontext "gut" für sie meint. Was gut oder richtig ist, sollte ihnen nicht der Algorithmus sagen.

Tim Reinboth(öffnet im neuen Fenster) ist freiberuflicher Wissenschaftsjournalist und Kognitionswissenschaftler. Er schreibt über Herausforderungen, Möglichkeiten und kuriose Momente an den Schnittstellen von Technologie und Gesellschaft.


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