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Smart Writing Set im Hands on: Mit Moleskine stilvoll und digital schreiben

Der Notizbuchhersteller Moleskine hat ein Schreibset präsentiert, das auf Papier geschriebene Inhalte auf ein Smartphone oder Tablet überträgt - und setzt dabei auf bewährte Technik. Golem.de hat sich Stift und Notizbuch angeschaut und drauflosgeschrieben.
/ Tobias Költzsch
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Das Moleskine Smart Writing Set mit Stift, Notizbuch und digitalisierten Inhalten (Bild: Tobias Költzsch/Golem.de)
Das Moleskine Smart Writing Set mit Stift, Notizbuch und digitalisierten Inhalten Bild: Tobias Költzsch/Golem.de

Das Schreibgefühl auf Papier ist trotz Fortschritten bei der Digitizer-Technik immer noch unerreicht - das weiß Moleskine(öffnet im neuen Fenster) als Hersteller von Notizbüchern wohl mit am besten. Das Unternehmen bringt jetzt ein eigenes digitales Schreibset auf den Markt, mit dem sich auf Papier geschriebene Inhalte in Echtzeit auf ein Smartphone oder Tablet übertragen und dort weiterbearbeiten oder teilen lassen.

Moleskine Smart Writing Set - Hands on
Moleskine Smart Writing Set - Hands on (00:59)

Das Set besteht aus einem speziellen Notizbuch und einem Kugelschreiber mit Infrarotkamera und eigenem Prozessor. Der Stift zeichnet alles auf, was Nutzer mit ihm im Notizbuch schreiben und überträgt diese Inhalte an ein Smartphone oder Tablet. Golem.de hat sich das Moleskine-Set angeschaut und drauflosgeschrieben.

Die hinter dem Stift und dem klassisch anmutenden Notizbuch steckende Technik stammt nicht von Moleskine selbst. Sie basiert auf dem Neo Smartpen N2(öffnet im neuen Fenster) von Neolab und den Ncode-Notizbüchern. Wie bei diesen haben auch die Seiten des im Smart Writing Set enthaltenen Moleskine-Notizbuchs unterschiedliche Muster - Ncode genannt -, die mit dem bloßen Auge zwar erkennbar sind, aber als Papiermaserung durchgehen.

Infrarotkamera erkennt Schrift und Papiermuster

Schreiben wir mit dem in Pen+ umbenannten Stift etwas auf das Papier, erkennt die eingebaute Infrarotkamera anhand des Papiermusters genau, auf welcher Seite und an welcher Stelle wir uns befinden. Schreiben wir etwas auf Seite fünf des Notizbuchs, wird Seite fünf digitalisiert; schreiben wir auf Seite zwölf weiter, erscheint diese in der App - die leeren Seiten dazwischen werden übersprungen und dann ergänzt, wenn sie beschrieben werden.

Das 128-seitige Notizbuch soll vom Design her an ein Tablet erinnern: Die Seiten gehen über die Klappdeckel des Buches hinaus und bilden eine Art Wulst. Dadurch entsteht eine abgerundete Kante, was Moleskine zufolge die Ähnlichkeit zu einem Tablet hervorheben soll. Ansonsten hat das Notizbuch alles, was ein Moleskine hat: Mit einem Gummiband werden die Deckel zusammengehalten, der Rückdeckel hat eine Papiertasche für Visitenkarten oder sonstige Zettel.

Schreibstift ist ein alter Bekannter

Der Pen+ ist komplett baugleich mit dem Neo Smartpen N2. Er sieht aus wie ein etwa größer geratener Kugelschreiber, Bedienelemente hat er bis auf einen Einschalter nicht. Der Stift ist nicht rund, sondern dreieckig mit abgerundeten Kanten. Er liegt gut in der Hand und hat trotz der Größe kein Übergewicht.

Die Mine ist eine Standard-D1-Kugelschreibermine, die einfach vorne in den Stift eingesteckt wird - Nutzer können sie also selbst wechseln und auch andere Farben als Schwarz verwenden. Unterhalb der Mine ist eine Öffnung, hinter der die Kamera liegt. Sie muss beim Schreiben unterhalb der Stiftspitze liegen, um Schrift und Zeichnungen richtig aufzeichnen zu können.

Stift kommt auch ohne Verbindung aus

Der Pen+ wird per Bluetooth 4.0 mit einem Smartphone oder Tablet verbunden - die entsprechenden kostenlosen Digitalisierungsapps gibt es für Android und iOS. Sind die jeweiligen Apps geöffnet, werden handschriftliche Eingaben im Notizbuch direkt auf dem verbundenen Gerät wiedergegeben - in Echtzeit, mit einer minimalen Latenz.

Ist der Stift mit keinem Gerät verbunden, kann er bis zu 1.000 geschriebene Seiten im Zwischenspeicher ablegen. Mit einer Akkuladung können Nutzer fünf Stunden lang durchschreiben, geladen wird der Stift über einen Micro-USB-Anschluss.

Umwandlung von Geschriebenem erfolgt zuverlässig

Die digitale Visualisierung von geschriebenen oder gezeichneten Inhalten erfolgt in unseren Tests zuverlässig - dank Neolabs Ncode-Papier befinden sich digitalisierte Inhalte auf dem Tablet an der gleichen Stelle wie auf dem Papier. Nutzer müssen kaum auf die Haltung des Stiftes achten, in unseren Versuchen werden Schrift und Zeichnungen stets zuverlässig erkannt - die Kamera muss sich nur immer unterhalb der Mine befinden.

In der App können wir verschiedene Notizbücher verwalten und digitalisierte Seiten löschen oder verschieben. Interessant sind natürlich die Möglichkeiten, übertragene Inhalte zu bearbeiten und zu teilen. Nutzer können unter anderem Schrift und Zeichnungen kolorieren, die Strichdicke verändern oder farblich hinterlegen. Dafür werden die zu bearbeitenden Teile mit dem Finger markiert, was manchmal jedoch etwas umständlich ist.

Teilen in verschiedenen Formaten möglich

Die digitalen Inhalte können in verschiedenen Dateiformaten geteilt werden - beispielsweise als Bild oder als PDF. Einzelne Seiten können direkt per E-Mail verschickt werden; dies lässt sich sogar direkt über das Papier erledigen. In der rechten oberen Ecke befindet sich ein kleiner Briefumschlag; tippt der Nutzer diesen mit dem Stift an, wird die jeweilige Seite in eine neue E-Mail-Nachricht eingebettet und kann versendet werden.

Auch eine Schrifterkennung gibt es, die - sofern die Handschrift nicht zu unleserlich ist - mit der Hand geschriebenes in bearbeitbaren Text umwandeln kann. Zudem verfügt der Pen+ über eine Aufzeichnungsfunktion, mit der sich Sprachnotizen aufnehmen lassen.

Fazit

Das Smart Writing Set von Moleskine ist im Grunde nicht neu - der Stift und das Papier sind von Neolab, der Stift Neo Smartpen N2 ist im Handel für um die 190 Euro erhältlich. Moleskine hat das Produkt auf seine Marke zugeschnitten und das Notizbuch an das klassische Moleskine-Aussehen angepasst - durch den gebogenen Rand aber von den üblichen Notizbüchern abgehoben.

Mit einem Preis von 230 Euro für den Stift, eine Ersatzmine und das 128-seitige Notizbuch ist das Smart Writing Set im Grunde nicht teurer als der originale Stift von Neolab und ein passendes Notizbuch. Dafür können Notizbuch-Fans ihre Arbeit in einem stilsicheren Moleskine-Buch festhalten.

Die Texterkennung und -übertragung funktioniert in unseren Tests sehr gut. Die Nachbearbeitungsmöglichkeiten sind umfassend, stellenweise aber etwas umständlich zu bedienen. Eines der Kernstücke des Konzeptes - das Teilen der digitalisierten Seiten - funktioniert gut.

Letztlich ist das Moleskine Smart Writing Set eine nicht viel teurere Variante des Neolab-Systems, das - aufgrund des Designs des Notizbuchs - nicht nur Moleskine-Fans, die ihre handschriftlichen Notizen digitalisieren wollen, gefallen dürfte.


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