Smart-TV: LG und Samsung dokumentieren TV-Sehgewohnheiten
Dass etliche Smart-TV-Apps von Drittanbietern großes Interesse an den Daten der TV-Nutzer haben, ist hinlänglich bekannt. Neu ist hingegen, dass auch die Hersteller selbst fleißig darüber Daten sammeln, was gerade auf ihren Smart-TVs geschaut wird. Dazu nutzen sie eine Technik, die Automatic Content Recognition (ACR) genannt wird. Sechs Studenten der Universitäten Kalifornien, London und Madrid haben in einer Untersuchung(öffnet im neuen Fenster) dargelegt, wie LG und Samsung ACR einsetzen.
Bei ACR handelt es sich um eine Technik, die ähnlich wie Shazam zum Erkennen von Musik funktioniert. ACR erfasst in regelmäßigen Abständen den Bildschirminhalt – sowohl Video als auch Audio – und gibt diesen als digitalen Code, den sogenannten Fingerprint, an einen Server weiter.
Der Fingerprint wird anschließend mit einer Content-Datenbank verglichen, die Informationen über Filme, Serien, Sport, Musik, TV-Programme, Games und so weiter umfasst. Passt der Fingerabdruck zu einem Content aus der Datenbank, kann der ACR-Server exakt bestimmen, wann welches Programm wie lange auf welchem Smart-TV gelaufen ist.
Jeder große Smart-TV-Hersteller nutzt ACR
Laut der Analyse der sechs Studenten setzt jeder große Smart-TV-Hersteller die ACR-Technik ein. So verklagte etwa die US-Wettbewerbsbehörde FTC 2017 den Hersteller Vizio und dessen Datenspezialisten Inscape, weil sie ohne Zustimmung der Smart-TV-Nutzer ACR verwendeten.
In ihrer Untersuchung beschränken sich die Studenten auf LG und Samsung als größte Smart-TV-Hersteller. Laut Statista liegt der weltweite Marktanteil der Samsung-Smart-TV-Plattform Tizen bei 12,7 und der von LGs Plattform WebOS bei 7,3 Prozent. Der Einsatz von ACR wurde für Großbritannien und die USA untersucht.
Für ihre Analyse gingen die Studenten davon aus, dass Nutzer am Smart-TV eingeloggt sind und den Nutzungsbedingungen zugestimmt haben. Das dürfte am häufigsten vorkommen, da beispielsweise LG-Smart-TV-Besitzer ein Nutzerkonto anlegen müssen, um Apps herunterladen zu können.
Darüber hinaus ist eine Zustimmung zu den Nutzungsbedingungen standardmäßig bei der Einrichtung eines Smart-TVs vorgegeben, damit Nutzer überhaupt auf die meisten Funktionen zugreifen können.
LG nimmt alle zehn Millisekunden ein Bild auf
In der Untersuchung wurde nun der Traffic zwischen Smart-TV und ACR-Server analysiert. Während LG eine Domain des eigenen Technologiedienstleisters Alphonso ansteuert, der für LG Werbelösungen entwickelt, steuern Samsungs Smart-TVs diverse ACR-Server-Domains an, die aber laut der Analyse alle Samsung gehören.
Den höchsten Traffic zwischen den Smart-TVs und den ACR-Servern stellten die Studenten fest, wenn entweder ein lineares Programm geschaut wurde, das der Nutzer über den Tuner seines Fernsehers empfängt, oder an den HDMI-Anschluss des Smart-TVs ein Laptop oder eine Spielekonsole angeschlossen war.
In anderen Szenarien, etwa beim Konsum von OTT-Angeboten (Over the top) war in Großbritannien der Traffic um den Faktor 12 geringer als in den beiden genannten Szenarien. In den USA registrierten die Forscher zudem einen hohen Traffic zwischen TV-Gerät und ACR-Server, wenn FAST Channels (Free Ad-Supported Streaming TV) konsumiert werden.
ACR nimmt bei LG-Smart-TVs alle zehn Millisekunden einen Frame auf. Die so gewonnenen Daten werden alle 15 Sekunden als Fingerprint an den ACR-Server gesendet. Samsungs Smart-TVs erfassen den Fernsehbildschirm alle 500 Millisekunden.
Pro Minute wird ein Fingerprint an die ACR-Server übertragen. Bei Drittanbietern wie etwa Netflix oder Youtube ist die ACR-Technologie deaktiviert. Die Studenten vermuten dahinter Vereinbarungen der Anbieter mit den Geräteherstellern.
Samsung erklärt sich, LG schweigt
Auf Anfrage erklärte Samsung, dass ACR zur Verbesserung des Fernseherlebnisses eingesetzt werde und um Inhalte und Werbung auf die Vorlieben der Nutzer zuzuschneiden. Voraussetzung ist laut Samsung jedoch die Zustimmung der Nutzer. "ACR-Technologie findet nur Verwendung, wenn Nutzer*innen per Opt-in ausdrücklich der Erhebung und Verarbeitung von Daten eingewilligt haben" , erklärt Samsung Deutschland und weist darauf hin, dass Daten anonymisiert erfasst werden. Es werden auch keine Bilder gespeichert.
Über die Datenschutzoptionen im Einstellungsmenü des Smart-TVs können die Nutzer der ACR-Verwendung widersprechen, wodurch alle Daten laut Samsung vollständig gelöscht werden. Alternativ können sie auch die Samsung-App "Privacy Choices" nutzen, die für Smart-TVs der Südkoreaner ab 2016 verfügbar ist. Bei Modellen ab dem Baujahr 2020 ist sie direkt im Einstellungsmenü unter "Datenschutzoptionen" integriert. LG hat auf Nachfrage kein Statement abgegeben.
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