Smart-TV-Betriebssysteme im Test: Wenn sich Streaming wie Fernsehen anfühlt

Klassisches Programmfernsehen verliert an Bedeutung, zunehmend wollen sich Zuschauer ihr Programm selbst zusammenstellen. Sie wollen selbst bestimmen, was sie wann sehen wollen - und ein Gerät, das alles kann: Statt auf dem TV fernzusehen, auf dem Laptop zu streamen und den Twitter-Feed nebenher auf dem Smartphone zu verfolgen, wollen sie alles an einem Gerät tun: dem Smart-TV. Die Ansprüche daran sind groß.

Vom klassischen Fernsehen sind die Nutzer es gewohnt, auf Knopfdruck Unterhaltung geboten zu bekommen; dementsprechend sollten auch bei einem Smart-TV die Wege zum gewünschten Programm kurz und die Bedienung insgesamt intuitiv sein. Installierte Streaming-Apps, Mediatheken und andere Videodienste müssen in wenigen Schritten erreichbar sein, ohne dass sich der Nutzer durch zahllose Menüs hangeln muss. Und bestenfalls soll der Nutzer gar nicht merken, wann er fernsieht oder streamt, wann er Apps benutzt oder im Netz surft. Dafür ist die Benutzeroberfläche entscheidend - und ihre Grundlage: das Betriebssystem.
Samsung, LG, Sony und Panasonic: Vier große Hersteller haben auf der diesjährigen Unterhaltungselektronikmesse CES in Las Vegas bereits Smart-TVs mit neuen Betriebssystemen vorgestellt - auch auf der Ifa dürfte das Thema wieder wichtig werden. Mit Tizen, WebOS, Android TV und Firefox OS konkurrieren vier verschiedene Systeme um die beste Verfügbarkeit von Apps und Funktionen, die beste Einbindung in die Benutzeroberfläche und Verfügbarkeit während des Schauens von Fernsehprogrammen oder Streaminginhalten.
Dabei setzen sie unterschiedliche Schwerpunkte: Samsung setzt auf ein reichhaltiges App-Angebot, gepaart mit einer Oberfläche, die viele Optionen beim Fernsehen bietet. Die Oberfläche der neuen LG-Fernseher ist bezüglich der App-Anwahl übersichtlich und komfortabel, hier finden wir zudem das konsistenteste Design. Android TV hat mit Googles Play Store zumindest theoretisch eine Vielzahl an Apps im Angebot. Panasonic versucht hingegen, seine neue Oberfläche besonders einfach zu gestalten.
Golem.de hat sich in einem ausführlichen Test diese Oberflächen genau angeschaut und überprüft, welches System sich am besten für Zuschauer eignet. Angeschaut haben wir uns den Samsung JU7590(öffnet im neuen Fenster) in 48 Zoll, den LG 65UF8509(öffnet im neuen Fenster) in 65 Zoll, den Panasonic 40CXW704(öffnet im neuen Fenster) in 40 Zoll und den Sony KDL-43W755C(öffnet im neuen Fenster) in 43 Zoll. Die betreffenden Erfahrungen gelten auch für andere Smart-TV-Modelle der gleichen Baureihe, weshalb es für unseren Test unerheblich ist, dass die Geräte unterschiedliche Displaydiagonalen haben.
Samsung hat auf Tizen umgestellt
Samsung setzt bei seinen neuen Smart-TVs auf Tizen als Betriebssystem. Dank des unter anderem von Samsung und Intel entwickelten Systems soll die Benutzeroberfläche schneller und vor allem übersichtlicher sein als bei früheren Smart-TVs des Herstellers. Dass dies durchaus gelungen ist, ist auf den ersten Blick ersichtlich: Wir empfinden die Oberfläche dank einer App-Leiste und On-Screen-Menüs als gut aufgebaut und intuitiv zu bedienen.










Das lag bei unseren ersten Versuchen auch an der guten Pointer-Bedienung: Wie ein PC kann der Fernseher über eine Art Mauszeiger bedient werden, der auf dem Display erscheint, wenn der Daumen auf eine spezielle Taste der Fernbedienung gelegt wird. Die Bewegung des Zeigers wird durch Hin- und Herschwenken der Fernbedienung gesteuert - wie beim Controller von Nintendos Wii-Konsole. Ein Druck auf die Pointer-Taste wählt die mit dem Zeiger angesteuerte Schaltfläche an.
Samsung braucht zwei Fernbedienungen
Ein erster Nachteil an Samsungs Gesamtkonzept wird allerdings schon beim Auspacken des Fernsehers deutlich: Der südkoreanische Hersteller legt seinen neuen Smart-TVs nicht nur eine, sondern gleich zwei Fernbedienungen bei - zum einen besagte Bluetooth-basierte Fernbedienung namens Smart Remote mit Pointer-Taste, zum anderen eine Standard-Infrarot-Fernbedienung, die aussieht wie von einem Fernseher aus den 1990er Jahren. Der Vorteil an Bluetooth-Fernbedienungen ist, dass der Nutzer sie anders als Infrarotfernbedienungen nicht mehr auf den Fernseher richten muss.
Nötig wird die zweite Fernbedienung, da die Smart Remote neben dem Pointer nur die grundsätzlichsten Bedienungsmöglichkeiten wie den Programmwechsel, Lautstärke oder die Auswahl der Empfangsquellen ermöglicht. Nummerntasten zur direkten Kanalwahl oder eine Mute-Taste hat die Smart Remote nicht. Wer diese Tasten verwenden und die Funktionen nicht über Bildschirmmenüs steuern will, muss zur zweiten Fernbedienung greifen. Dieses Umherwechseln nervt.
Gute Steuerung per Pointer
Daher haben wir versucht, alle Eingaben über das Bildschirmmenü zu erledigen. Das ist möglich, manchmal aber nicht so schnell wie mit einer vollständigen Fernbedienung. Das Bildschirmmenü erscheint automatisch, wenn der Finger auf die Pointer-Taste gelegt wird. Auf der linken Seite finden sich die Lautstärkekontrollen, rechts die Programmwahl, die Senderübersicht und eine Schaltfläche für die Programmübersicht. Hier findet sich auch der Titel der aktuellen Sendung, der allerdings nicht für weitere Informationen anklickbar ist.
Am oberen Rand ist ein weitreichendes Menü aufrufbar, über das der Nutzer verschiedene Bildeinstellungen vornehmen, aber auch die Sprachsteuerung oder die Programmübersicht erreichen kann. Das Menü ist auch über die Menütaste der Smart Remote erreichbar. Ein Druck auf die Pointer-Taste im Fernsehbild bringt den Titel der aktuellen Sendung zum Vorschein, hier kann dann auch eine inhaltliche Zusammenfassung abgerufen werden. Auch eine USB-Festplattenaufnahme und die Time-Shift-Funktion können hier gestartet werden.
Smart Hub bietet Apps am Bildschirmrand
Am unteren Rand des Bildschirmmenüs wird der Smart Hub eingeblendet, der auch über eine separate Taste auf der Smart Remote aufgerufen werden kann. Er zeigt dem Nutzer seine Apps, Fernsehsender und externe Quellen an und dient als eine Art Hauptmenü. Die Übersicht kann der Nutzer allerdings nicht nach seinen Vorlieben anordnen, sie wird vom System selbst verwaltet: Am Anfang der Liste erscheint immer die zuletzt genutzte App, die häufig verwendeten Anwendungen sind also schnell erreichbar.
Verwendet der Nutzer nicht allzu viele Apps, ist das okay - insgesamt werden maximal acht Schaltflächen angezeigt. Werden allerdings viele Anwendungen dazuinstalliert und verwendet, fallen Apps recht schnell wieder aus der Liste heraus. Samsung löst das Problem mit der Möglichkeit, Apps festzupinnen. Diese Anwendungen bleiben dann permanent in der Smart-Hub-Leiste.
Pinnen wir alle acht Apps fest, wird die Smart-Hub-Leiste um einen neunten Eintrag erweitert. Dieser zeigt dann die zuletzt genutzte Anwendung an. Fixieren wir diese Schaltfläche auch noch, kommt die App-Übersicht an ihre Grenzen: Es werden keine weiteren zuletzt verwendeten Anwendungen angezeigt. Der Nutzer muss die gewünschten Apps in der Gesamtübersicht suchen und aufrufen. Diese findet sich im zweiten Teil der Smart-Hub-Leiste namens "Empfehlungen". Hier gibt es neben den verschiedenen Rubriken auch den Bereich "Meine Apps", in dem alle installierten Anwendungen zu finden sind. Dieses Vorgehen ist äußerst umständlich, da dadurch das System bei vielen Apps unbequem zu bedienen ist - und etwa beim LG-Smart-TV besser gelöst. Beim Samsung-Fernseher ist es besonders schade, dass der Nutzer nicht entscheiden kann, wohin er welche App stellen will, weil die App-Auswahl die in unserem Test größte ist.
Gute Auswahl in Samsungs Appstore
Im Appstore finden sich neben Spielen viele Nachrichten-, Video- und Musik-Apps sowie zahlreiche Mediatheken - unter anderem von ARD, ZDF und der Pro7Sat.1-Gruppe. Auch Streaming-Abo-Dienste sind mit eigenen Apps vertreten: Als einziger Fernseher in unserem Test finden Nutzer mit Netflix, Amazon Instant Video, Maxdome, Watchever, Videoload, Sky und Spotify alle wichtigen in Deutschland verfügbaren Dienste. Auch eine Facebook-App gibt es, die wir allerdings nutzlos finden: Sie ermöglicht uns nicht, Kommentare zu schreiben. Der eingebaute Videoplayer spielte in unserem Test verschiedene Formate problemlos ab.










Stellenweise lange Ladezeiten
Aus dem Appstore nachinstallierte Apps benötigen stellenweise deutlich länger zum Laden als vorinstallierte Anwendungen. Außerdem nervt es uns, dass Apps bereits nach wenigen Sekunden geschlossen werden, wenn wir sie verlassen. Wechseln wir etwa kurz von der Facebook-App zu einem Fernsehsender, muss die App bei der Rückkehr wieder neu geladen werden - was unter Umständen lange dauert. Der Wechsel zu einem Fernsehsender sollte unserer Meinung nach nicht dazu führen, dass eine App aus dem Speicher gekickt wird.
Witzig hingegen ist die Möglichkeit, während des Fernsehens nach Twitter-Hashtags zu suchen. Drücken wir auf einer der Fernbedienungen auf "Extra", wird das Fernsehbild etwas verkleinert und am rechten Rand ein Suchfenster eingeblendet. Hier kann nach Twitter-Hashtags gesucht werden, um beispielsweise Kommentare zur laufenden Sendung zu finden. Sportereignisse, der Tatort oder Veranstaltungen wie etwa der Eurovision Song Contest haben mittlerweile feste Hashtags, unter denen sich zahlreiche Kommentare zu den Sendungen finden.
Ebenfalls hilfreich finden wir den geteilten Bildschirm, der es dem Zuschauer ermöglicht, Inhalte gleichzeitig anzuschauen. Ein praktisches Szenario ist etwa die Suche im Browser, während wir Fernsehen oder Netflix schauen. Auf dem Bildschirm können immer nur zwei Apps beziehungsweise Quellen gleichzeitig angezeigt werden, mehr halten wir allerdings auch für unsinnig.
Die Sprachsteuerung ist umfangreich, aber inkonsistent
Samsungs neue Smart-TV-Oberfläche unterstützt auch die Steuerung mit der Stimme. Nach einem längeren Druck auf die Menü-Taste der Smart Remote können Befehle in die Fernbedienung diktiert werden. Diese reichen von einfachen Aktionen wie dem Kanalwechsel oder der Stummschaltung des Tons hin zu komplexeren Suchanfragen.
Die Spracherkennung läuft dabei zuverlässig und schnell, die Steuerung mit der Stimme ist insgesamt aber äußerst inkonsistent und unlogisch. So werden uns etwa nach der vom System vorgeschlagenen Suchanfrage "Kevin Kostner auf Youtube" Clips mit dem Schauspieler gezeigt, die Anfrage "Taylor Swift auf Youtube" oder "Lady Gaga auf Youtube" ergibt hingegen - trotz korrekter Erkennung unseres Befehls - kein Ergebnis. Sagen wir "Suche Taylor Swift auf Youtube", bekommen wir hingegen Ergebnisse angezeigt; diese stehen allerdings nicht im Zusammenhang mit der US-Sängerin.
Zu den störenden Lücken der Sprachsteuerung gehört auch, dass wir keine Sender mit Namen ansteuern können. Der Befehl "Umschalten auf ZDF" sowie ähnlich gestrickte Suchanfragen erkennt der Samsung-Fernseher nicht. Auch können wir keine Apps mit einem Sprachbefehl starten, weder vorinstallierte noch neu aufgespielte. Innerhalb von zusätzlich installierten Apps steht die Sprachsteuerung ebenfalls nicht zur Verfügung. Gerade ein System wie Samsungs mit einem großen App-Angebot würde von einer derartigen Möglichkeit profitieren. Auch Textfelder können wir nicht per Spracheingabe ausfüllen, was zum Beispiel die Suche in Apps betrifft.
Die Oberfläche reagiert schnell
Insgesamt ist Samsungs neue Benutzeroberfläche übersichtlich, wer an die Bedienung einer Wii-Konsole gewöhnt ist, wird mit dem System keine Probleme haben. Andere Nutzer benötigen möglicherweise eine Eingewöhnungsphase. Wer sich mit der Pointer-Steuerung partout nicht anfreunden kann, kann den Fernseher auch mit den Pfeiltasten der zweiten Fernbedienung steuern. Die On-Screen-Menüs während des Fernsehens finden wir hilfreich und gut erreichbar. Die Benutzeroberfläche reagiert schnell auf Eingaben.
Apps können dank der Smart-Hub-Leiste schnell erreicht werden, als Einschränkung empfinden wir allerdings, dass wir bei häufigen App-Wechseln nicht einfach und schnell auf eine Gesamtübersicht zugreifen können. Dass uns immer nur die zuletzt angezeigten Apps in der Leiste angezeigt werden, finden wir nicht gut; besser wäre eine frei wählbare Konfiguration.
Die Smart-Hub-Leiste kann nur begrenzt konfiguriert werden
Das Pinnen von Apps lindert dieses Problem zwar etwas, da die Anzahl der fixierten Anwendungen aber beschränkt ist, ist auch das keine dauerhafte Lösung. Auch der Umstand, dass Apps schnell nach dem Verlassen geschlossen werden, nervt uns öfter. Dadurch entstehen lästige Wartezeiten, auch wenn wir nur kurz zwischen zwei Apps hin- und herschalten.
Zwischenfazit zu Samsungs Betriebssystem für Smart-TVs
Was den allgemeinen Aufbau der Benutzeroberfläche betrifft, gehört der Samsung-Fernseher zu den Spitzenreitern in unserem Test. Die Menüs sind übersichtlich gestaltet und bieten beim Fernsehen einen Mehrwert.
Die Sprachsteuerung empfinden wir als nicht zu Ende gedacht: Zwar erkennt sie unsere eingesprochenen Befehle gut, es hapert aber zu oft an der Umsetzung. Bestimmte sinnvolle Befehle versteht das Smart-TV einfach nicht, bei anderen gibt es Inkonsistenzen. Positiv ist, dass die Sprachsteuerung schnell über die Fernbedienung erreichbar ist - anders als bei Sonys und Panasonics Fernsehern. Von der Qualität her kann sie allerdings nicht mit der von LGs neuen Modellen mithalten.
Was die Verwendung von Apps betrifft, scheint uns Samsungs neues Smart-TV-System eher für Nutzer geeignet, die nur wenige Apps verwenden. Hier ist der Zugriff über den Smart Hub schnell und bequem. Bei nicht so oft genutzten Anwendungen müssen wir hingegen in die Systemeinstellungen gehen. Wer das Potenzial des Smart-TVs ausschöpfen will und daher viele Apps installiert, dürfte mit dem Konzept nicht glücklich werden. Das ist besonders vor dem Hintergrund schade, dass Samsung das beste App-Angebot der Testgeräte in unserem Vergleich bietet. Wie eine Vielzahl von Apps besser verwaltet wird, zeigt LG mit seinen neuen Smart-TVs.
LG kommt mit WebOS-Unterbau
Die Benutzeroberfläche von LGs neuen Smart-TVs basiert auf WebOS. LG hat das Betriebssystem Anfang 2013 explizit für die Verwendung in seinen künftigen Smart-TVs gekauft, auf der CES 2014 knapp ein Jahr später wurde dann der erste Fernseher mit dem neuen System vorgestellt. LG hat das System kontinuierlich weiterentwickelt, die aktuellen Smart-TVs des südkoreanischen Herstellers laufen mit der Version 2.0. Diese soll schneller als die Vorgängerversion sein und dem Nutzer einen einfachen Zugriff auf Apps und Funktionen bieten.










Ähnlichkeit mit Samsungs Tizen-Oberfläche
Die aktuelle Smart-TV-Generation von LG ähnelt in der Bedienung in einigen Punkten Samsungs Tizen-Fernsehern. So gibt es auch hier eine Bluetooth-Fernbedienung mit Pointer-Steuerung, die wie beim Samsung-Fernseher nicht auf das TV-Gerät gerichtet werden muss. Die App-Anwahl erfolgt über eine Leiste am unteren Rand des Displays, der Nutzer kann auch hier Sprachbefehle verwenden. In den Details finden sich aber deutliche Unterschiede zwischen den beiden Systemen - und in puncto Bedienungskomfort auch eine merkliche Abstufung zu den Smart-TVs von Panasonic und Sony.
Nach einem kurzen Tutorial fällt uns als Erstes auf, dass LGs Oberfläche etwas schneller und flüssiger reagiert als die von Samsung und deutlich schneller als die von Panasonic und Sony. Der zweite auffällige Unterschied ist die Pointer-Steuerung: Anders als bei Samsungs neuen Fernsehern erscheint der Steuerungspunkt bei LG nicht erst, nachdem wir einen bestimmten Knopf gedrückt beziehungsweise den Finger darauf gelegt haben. Stattdessen wird er eingeblendet, sobald die Fernbedienung in die Hand genommen wird.
Das ist einerseits praktisch, da der Pointer unmittelbar verfügbar ist. Andererseits fanden wir es stellenweise nervig, darauf zu warten, dass der Anzeiger wieder verschwindet: Das dauert in etwa zehn Sekunden, einstellen kann der Nutzer diese Zeit nicht. Das könnte die Eingewöhnung für ungeübte Nutzer etwas erschweren: Wir haben den Zeiger häufig absichtlich an den Bildrand manövriert, damit er nicht mitten im Bild ist und stört. Bei Samsungs Gerät ist der Zeiger sofort weg. Ein großes Plus des LG-Fernsehers gegenüber der Konkurrenz von Samsung: Eine zweite Fernbedienung benötigt der Nutzer für den LG-Fernseher nicht, alles läuft über die gut in der Hand liegende eine Fernbedienung.
Eine komplette Fernbedienung, weniger On-Screen-Menüs
Daher ist auch das On-Screen-Menü weniger detailreich als bei Samsungs Tizen-Fernsehern, da dem Nutzer viele Optionen auf der Fernbedienung direkt per Knopfdruck zur Verfügung stehen. Dadurch sind manche Optionen deutlich schneller zu erreichen; der Nutzer muss nicht erst auf dem Bildschirm danach suchen.
Mit dem Pointer können während des Fernsehens am oberen Rand Informationen zum Sender und der aktuellen Sendung eingesehen werden. Bewegt der Nutzer den Pointer zum rechten Rand, findet er dort eine Senderübersicht, Programmempfehlungen und die Möglichkeit, eine Aufnahme zu starten. Dafür muss wie bei den meisten aktuellen Fernsehern ein externes Speichermedium angeschlossen sein, da die TV-Geräte nicht über eingebaute Speichermöglichkeiten verfügen.
Über die Senderübersicht ist auch der übersichtliche Programmführer erreichbar. Dieser verfügt über eine Reihe von Filteroptionen, seine Schaltfläche ist aber recht klein und mit dem Pointer mitunter mühsam zu treffen - ein Problem, das uns während des Tests häufiger bei LGs Oberfläche auffällt. Auch nach einiger Übung treffen wir manche Schaltflächen nicht auf Anhieb. Das nervt auf Dauer etwas.
Die App-Leiste bei LG ist clever aufgebaut
Die App-Leiste befindet sich bei LGs Betriebssystem am unteren Bildschirmrand und erscheint, wenn der Nutzer die Home-Taste auf der Fernbedienung drückt. Anders als etwa bei Samsungs Tizen-System ist sie voll konfigurierbar - die neun Anwendungen im Hauptteil der Leiste können Nutzer komplett selbst bestimmen. Das finden wir deutlich praktischer. Bewegt sich der Nutzer auf der Leiste nach links, findet er die Übersicht der aktuell genutzten Apps. Angenehmerweise bleiben die Apps unter WebOS deutlich länger im Speicher, wenn der Nutzer zu einer anderen App wechselt. Wer also etwa zwischen Netflix und Amazon Instant Video hin- und herschaltet, landet immer sofort in den Diensten und muss die sonst übliche Ladezeit nicht abwarten. Nur falls zu viele Apps im Speicher sind, fliegt die älteste raus und beim erneuten Aufruf wird diese dann komplett neu gestartet. Dadurch wirkt das System weniger behäbig als das von Samsung.










Rechts vom Hauptteil der Leiste findet sich die Übersicht über alle installierten Apps. Die ersten neun Positionen entsprechen dabei denen des Startbildschirms der Leiste. Durch einen längeren Klick können die einzelnen Icons bearbeitet werden - dann lassen sie sich verschieben oder auch löschen. Dank des Verschiebens können Nutzer ihre favorisierten Anwendungen weiter vorne platzieren.
Schneller Wechsel zwischen zwei Apps
Im Hauptteil der App-Leiste wird auf einer Extraposition zusätzlich zu den Favoriten immer die zuletzt verwendete App beziehungsweise der zuletzt geschaute Sender angezeigt. So lässt sich schnell zwischen zwei Anwendungen wechseln. Ebenfalls im Hauptteil werden zuletzt verwendete externe Anschlüsse angezeigt, etwa HDMI-Anschlüsse. Diese können zudem auch als Favorit fest integriert werden.
So gut uns der Umgang mit den installierten Anwendungen gefällt, die magere Auswahl an verfügbaren Apps trübt dieses Bild wieder etwas. So stehen im LG Content Store etwa bis auf die von Arte keine Mediatheken als Apps zum Download bereit. Allerdings können Nutzer dank HbbTV etwa bei der ARD dennoch auf Mediatheken-Inhalte zugreifen; dafür muss der rote Knopf auf der Fernbedienung gedrückt werden. Dies funktioniert natürlich nur, wenn der Smart TV über Fernsehempfang verfügt. Bei den Streaming-Abo-Anbietern finden sich mit Amazon Instant Video, Netflix, Watchever und Maxdome fast alle wichtigen Anbieter; eine Sky-App gibt es allerdings nicht.
Die App-Auswahl ist klein
Auch sonst ist die App-Auswahl deutlich geringer als die bei Samsung. Hauptsächlich finden sich bei LG Anwendungen, die im weitesten Sinne etwas mit Videoinhalten zu tun haben - allerdings deutlich weniger als bei Samsung. Nutzer finden etwa eine Youtube-App, Vevo oder eine App mit einer Auswahl an Gopro-Filmen. Auch eine Facebook-App gibt es, die gar nicht mal schlecht ist - anders als die bei Samsungs Tizen-System. Was beim aktuellen LG-System vernachlässigt wird, ist der Spielebereich. Der eingebaute Videoplayer hatte mit den verschiedenen Formaten unserer Videos keine Probleme und reagiert recht flink.
Ebenfalls im Content Store verfügbar sind Filme, in Kooperation mit Maxdome. Bezogen werden diese allerdings direkt über das LG-Konto, das der Nutzer bei der Einrichtung des Fernsehers einrichten muss. Filme anderer Anbieter finden wir im hauseigenen Store nicht, hier müssen Nutzer dann über die jeweiligen Apps gehen. Ebenso wenig finden wir Serien im Angebot. Obwohl es nur relativ wenige Apps gibt, finden wir den Appstore der neuen LG-Smart-TVs unübersichtlich und unstrukturiert; LG sollte die Auswahl an verfügbaren Anwendungen verbessern.
Auch bei seinen Smart-TVs mit WebOS 2.0 hat LG wieder eine Sprachsteuerung eingebaut. Diese ist über eine separate Schaltfläche auf der Fernbedienung erreichbar und funktioniert in unseren Tests sehr gut. Die Spracherkennung ist auch bei englischen Begriffen zuverlässig, manchmal dauert die Erkennung aber etwas.
LG hat die beste Sprachsteuerung
Mit der Sprachsteuerung lassen sich Funktionen des Fernsehers steuern, etwa die Lautstärke oder der Kanalwechsel. Praktisch dabei: Sender können direkt per Namen angewählt werden - der Fernseher versteht also auch Kommandos wie "Schalte um auf Das Erste". Das kann kein anderer Fernseher in unserem Test. Auch die verfügbaren Anschlüsse lassen sich per Sprache anwählen, beispielsweise ein angeschlossener USB-Stick.










Die Sprachsteuerung beherrscht Programmstarts - manchmal
Programme lassen sich ebenfalls mit der Sprachsteuerung starten. Vorinstallierte Anwendungen wie Youtube oder der Programmführer laden auf Kommando problemlos, bei nachinstallierten Apps wie etwa Spotify funktionierte es bei uns nur teilweise. Suchen wir nach Inhalten auf Youtube, können wir auch das einfach per Spracheingabe erledigen. Die Ergebnisse sind deutlich zuverlässiger als bei Samsungs Tizen-System: So bekommen wir bei all unseren nachgefragten Künstlern Videoergebnisse geliefert - und nicht wie beim Samsung-Fernseher nur bei bestimmten Interpreten. Auch komplett unsinnige Suchergebnisse treten mit dem LG-System nicht auf.
Suchen wir allgemein nach einem Begriff, zeigt uns die Suche des LG-Fernsehers Ergebnisse aus verschiedenen Bereichen an. Suchen wir etwa nach Filmen mit einem bestimmten Schauspieler, werden uns sowohl entsprechende Übereinstimmungen im Fernsehprogramm als auch in der Filmbibliothek des Content Store angezeigt. Das Gleiche gilt für Filmgenres: Auf die Bitte, uns einen Actionfilm zu empfehlen, bekommen wir zahlreiche Ergebnisse sowohl im regulären Fernsehen als auch im Content Store geliefert. Sprachsuchen in nachinstallierten Apps funktionieren hingegen wie bei Samsung nicht.
Unterschiedlichste Suchparameter können eingegeben werden
Gesucht werden kann nach Schauspielern, Inhalten, Genres oder ganz spezifischen Sendungen. Dabei ist der LG-Fernseher mitunter aber etwas pingelig, was die Wortwahl angeht: Der Satz "Suche nach Fußball" bringt nicht die erwünschte Auswahl an Fernsehsendungen mit Fußballbezug, sondern resultiert in einer Internetsuche nach dem Begriff "Fußball". Stattdessen müssen wir "Suche nach Fußballsendungen" sagen.
Die Sprachsteuerung ist eine der großen Stärken von LGs Smart-TV-Oberfläche. Zwar wünschen wir uns ab und an eine etwas schnellere Umsetzung der Eingaben, die gute Spracherkennung und vor allem der Umfang der Kommandos machen das aber wieder wett. Verglichen mit den anderen Fernsehern im Test bietet LG hier merklich mehr. Praktisch ist auch die Möglichkeit, Textfelder jeglicher Art mit Hilfe der Sprachsteuerung auszufüllen. So sparen sich Nutzer das Laborieren mit der Pointer-Steuerung oder den Pfeiltasten der Fernbedienung, um Eingaben mit der Bildschirmtastatur vorzunehmen.
Zwischenfazit zu LGs Betriebssystem für Smart-TVs
Insgesamt macht LG mit seiner neuen WebOS-2.0-Oberfläche vieles richtig: Das System ist schnell, übersichtlich und schlüssig. Anwendungen kann der Nutzer nach eigenem Geschmack in der App-Leiste festpinnen, zudem erfolgt der App-Wechsel zügig. Die einzelne Fernbedienung mit Pointer-Steuerung gefällt uns gut, sie ist übersichtlich aufgebaut. Ein großes Plus ist die Sprachsteuerung, die sehr umfangreich ist und viele Anweisungen versteht.
Die On-Screen-Menüs sind übersichtlich und gut zu erreichen - für Fernsehgucker sind die neuen LG-Fernseher wie die von Samsung in dieser Hinsicht ideal. Die einfache App-Auswahl macht zudem den Wechsel zu einem Streaminganbieter einfach. Das Design der neuen Oberfläche findet sich auch in Untermenüs wieder sowie in vorinstallierten Apps wie dem Programmführer. Das ist in unserem Testfeld nicht immer so.
Ein Manko der neuen LG-Smart-TVs ist die App-Auswahl; hier sollte LG etwas nachbessern. Nutzer von Skys Streaming-Abo-Dienst haben aktuell auch noch keine Möglichkeit, Inhalte per App auf dem Fernseher abzurufen.
Sony setzt auf Android TV
Sony setzt bei seinen aktuellen Smart-TVs auf Android TV und kombiniert Googles Betriebssystem mit fernsehrelevanten Einstellungen und Funktionen aus eigenem Hause. Android für Smartphones und Tablets bietet eine große Auswahl an Apps an, weswegen möglicherweise auch Käufer eines Android-TV-Fernsehers damit rechnen, hier viele Anwendungen vorzufinden - darunter zahlreiche, die sie auch auf ihrem mobilen Gerät nutzen.










Im Test des Nexus Players, Googles aktuellem Android-TV-Gerät, fiel uns aber bereits auf, dass die App-Auswahl äußerst bescheiden ist. Dazu kamen noch andere Kritikpunkte wie wahllos herausgesuchte Empfehlungen und eine umständliche App-Übersicht. Einige dieser Punkte sind mittlerweile beseitigt worden, andere hingegen nicht.
Separater Home-Screen mit Android TV
Anders als bei Samsungs und LGs aktuellen Smart-TVs gibt es bei Sonys Modellen nicht nur eine Leiste am unteren Rand des Fernsehbildes (dazu später mehr), sondern einen separaten Home-Screen - den von Android TV. Nach einer kurzen Erstkonfiguration werden dem Nutzer hier seine installierten Apps, App-Empfehlungen, Inhaltsempfehlungen, eine Übersicht über die vorhandenen Eingangssignale und Eingänge sowie der Zugang zu den Einstellungen angezeigt.
Der Hauptunterschied zur Oberfläche des Nexus Players ist die Anzeige der verfügbaren TV-Signale und Eingänge. Der Nutzer kann über den Startbildschirm direkt auf die verschiedenen Quellen zugreifen. Die Inhaltsempfehlungen sind bei Sonys Smart-TV für uns wie beim Nexus Player komplett nutzlos: Auch wenn wir uns Videos auf Youtube anschauen, haben wir nicht den Eindruck, dass sich die Empfehlungen an unseren Geschmack anpassen. Stattdessen werden immer die gleichen Inhalte angezeigt, die uns gar nicht interessieren.
Die installierten Apps werden in einer Reihe angezeigt, ab der 16. Anwendung erscheint eine zweite Reihe. Zahlreiche Anwendungen sind bereits vorinstalliert, unter anderem die Streamingdienste Netflix und Amazon Instant Video sowie Googles Play Movies und Play Music. Die installierten Anwendungen lassen sich auf der Leiste zwar immer noch nicht nach eigenem Wunsch sortieren, immerhin werden die aktuell genutzten Apps mittlerweile aber am Anfang der Auflistung angezeigt - ähnlich wie Samsung es bei seiner App-Leiste macht.
Die Fernbedienung wirkt billig
Die beigelegte Fernbedienung wirkt verglichen mit der des LG-Fernsehers billig - sie ähnelt der zweiten Fernbedienung des Samsung-TVs und erinnert an einfache Fernbedienungen älterer Fernseher. Sie arbeitet mit einem Infrarotsignal und nicht per Bluetooth, weshalb der Nutzer sie auf den Fernseher richten muss. Einen Pointer wie die Fernseher von LG und Samsung hat die mitgelieferte Sony-Fernbedienung nicht - die komplette Bedienung erfolgt mit den Navigationstasten, was wir verglichen mit dem Pointer als merklich unkomfortabler empfinden.
Sony mischt altes und neues System
Die Fernbedienung hat einen separaten Netflix-Knopf, über den die Streaming-App direkt gestartet werden kann - auf einen anderen Dienst lässt sie sich nicht umprogrammieren. Um die vier für die Navigation wichtigen Richtungstasten und die Bestätigungstaste in der Mitte sind sechs weitere Tasten für die Bedienung des Smart-TVs angeordnet. Die Home-Taste bringt den Nutzer stets zum Android-TV-Hauptbildschirm, die Back-Taste immer einen einzelnen Schritt zurück.










Mit der Guide-Taste ruft der Nutzer den Programmführer auf. Dieser ist übersichtlich und ermöglicht einen guten Überblick über das Fernsehprogramm. Die Schaltfläche "Action Menu" ruft eine Einstellungs- und Informationsleiste am oberen Bildschirm auf, wenn der Nutzer fernsieht - im Hauptmenü von Android TV ist die Taste nicht verfügbar, da Sony wohl annimmt, dass hier kein Zugriff auf die Menüs erforderlich sei. Über das Action Menu kann der Nutzer das Fernsehbild und die Audioausgabe einstellen und erhält eine knappe Information zur Sendung. Auch vermeintlich passende Hashtags werden hier angezeigt - mit meist sehr bescheidenem Ergebnis.
Gemischte Menüs bei Sony
Das Action Menu gehört zur von Sony stammenden Systemebene. Dementsprechend ist das Design komplett anders als bei den Einstellungen von Android TV - wo der Nutzer unter anderem sein Konto verwaltet, WLAN- und Bluetooth-Einstellungen vornimmt, seine Apps einsehen kann und weitere auf Android bezogene Optionen vorfindet. Die Sony-Menüs betreffen die Bild- und Audioeinstellungen; wählt der Nutzer diese in den Android-Einstellungen an, wird er auf die Sony-Menüs umgeleitet, die er auch über das Action Menu erreicht. Wir finden es schade, dass Sony hier keine einheitliche Gestaltung gewählt hat; auf uns wirkt diese Zweiteilung zusammengewürfelt, sie könnte unerfahrene Nutzer verwirren.
Ebenfalls nichts mit Android TV hat die Discover-Funktion zu tun: Diese blendet am unteren Rand des Bildschirms eine Leiste ein, in der verschiedene Informationen angezeigt werden. In der Grundeinstellung ist die Leiste hoffnungslos überfrachtet: Unter anderem werden alle Sender der aktuellen Empfangsart angezeigt, zusätzlich die Sender der anderen verfügbaren Empfangsarten, dann noch einmal alle empfangbaren Kanäle zusammengefasst, alle Radiosender, bis zu fünf Favoritengruppen, Bilder des Fotodienstes 500px, eine vom Nutzer festlegbare Übersicht installierter Apps, vorgestellte Inhalte sowie ein Einstellungsmenü. Zwischen den Ebenen wechseln wir mit den Oben- und Unten-Schaltflächen, die einzelnen Kanäle beziehungsweise Apps oder Inhalte werden auf einer horizontalen Leiste durchgescrollt.
Das Einstellungsmenü der Discover-Funktion sollte der Nutzer als Erstes ansteuern, um die nicht benötigten Informationen auszublenden. Anschließend wirkt das Menü viel übersichtlicher - die Anordnung der einzelnen Rubriken können wir allerdings nicht ändern. Praktisch finden wir die Rubrik "Meine Apps", die einen schnellen Zugriff auf favorisierte Anwendungen ermöglicht. Die hier angezeigten Apps kann der Nutzer komplett selbst aussuchen, allerdings deren Reihenfolge nicht ändern.
Nützlich ist auch die Einblendung der Inhalte externer Speichermedien, sobald sie angeschlossen wurden. Videos lassen sich mit dem nachinstallierten Medienplayer Kodi schneller laden als mit dem proprietären Videoabspielprogramm, das einige Zeit länger zum Starten benötigt, die von uns getesteten Videoformate aber auch alle problemlos abspielt.
On-Screen-Menüs weniger überzeugend
Insgesamt finden wir die Möglichkeiten, die uns das Sony-Smart-TV während des Fernsehens gibt, weniger gut als bei den anderen getesteten Fernsehern. Wir müssen zu oft auf den Tasten herumdrücken, um etwa an unsere Lieblings-Apps zu kommen. Das Action Menu wirkt in der Gestaltung lieblos, die zur Sendung gezeigten Informationen sind arg knapp. Für mehr Infos muss der Nutzer die separate Infotaste drücken. Zusammen mit dem fehlenden Bedienungskomfort der Oldschool-Fernbedienung kommt uns der Sony-Fernseher beim Fernsehen selbst kaum vor wie ein Smart-TV der aktuellen Generation.
Viele Möglichkeiten dank Android TV
Durchaus anders sieht das aus, wenn wir den Android-TV-Hauptbildschirm anwählen; dazu trägt auch die verbesserte App-Auswahl bei. In Googles Play Store für Android TV gibt es mittlerweile eine recht große Anzahl an Spielen, Tools und News-Apps sowie eine Reihe von Mediatheken (Arte, ZDF, 7TV, allerdings nicht ARD). An Streaming-Abo-Anbietern sind Netflix und Amazon Instant Video vorinstalliert, Watchever und Sky sind nicht als Apps verfügbar. Die Spiele sind nach Kategorien, aber auch nach Eingabemöglichkeiten sortiert (Fernbedienung oder Gamepad). Verglichen mit dem normalen Play Store ist das Angebot immer noch deutlich geringer. Google scheint aber bemüht zu sein, die Kompatibilität der Spiele für Android TV zu erhöhen - mittlerweile gibt es schon deutlich mehr als beim Start des Nexus Players in Deutschland.










Interessanterweise findet sich auch noch der Sony-eigene Spiele-Store Sony Select in den Tiefen des Smart-TV-Systems. Zu finden ist er nicht in der App-Übersicht, sondern in den Android-TV-Einstellungen unter dem Menüpunkt "Apps". Kein Wunder, dass Sony ihn versteckt: Das Angebot beinhaltet insgesamt weniger als 30 Anwendungen - offenbar ist der Store ein Überbleibsel des vorigen Sony-Systems.
Apps sind auch über den Internetbrowser installierbar
Wem die Auswahl im vorinstallierten Play Store nicht ausreicht, der kann über den äußerst ruckeligen, vorinstallierten Opera-Browser auch auf die normale Internetseite des Play Stores zugreifen. Hier lassen sich dann problemlos viele weitere Apps installieren, die im Android-TV-Store nicht zu finden sind. Einige dieser Apps erscheinen jedoch nicht in der Auflistung der installierten Anwendungen auf der Startseite von Android TV; der Nutzer muss sie dann in den Systemeinstellungen suchen und von dort aus starten. Fehlende Streaming-Abo-Apps wie Watchever und Sky lassen sich leider auf diese Weise nicht nachinstallieren.
Generell bleiben Apps beim Sony-Fernseher eine Zeitlang im Speicher, starten also teilweise wieder recht schnell, wenn wir sie nach kurzer Zeit aufrufen. Das ändert aber nichts an dem Umstand, dass das gesamte System äußerst träge und zäh in der Benutzung wirkt.
Warum es viele Apps nicht im vorinstallierten Play Store gibt, wird ersichtlich, wenn wir eine Anwendung über die Internetseite von Googles Play Store installieren: Diese Apps werden meist nicht von der Fernbedienung unterstützt, auch nicht durch einen angeschlossenen Xbox- oder Playstation-Controller. Ein Dual-Shock-4-Controller lässt sich über das Android-Menü übrigens einfach mit dem Fernseher verbinden: Der Nutzer muss nur zwei Tasten am Gamepad drücken, und schon ist der Controller verbunden.
Sonys Sideview-App verbessert die Nutzung ungemein
Eine Möglichkeit, über die Webseite des Play Stores installierte Spiele doch zu verwenden, haben wir jedoch gefunden: die Bedienung mit Sonys kostenloser Sideview-App. Voraussetzung dafür ist aber ein Smartphone oder Tablet mit Android oder iOS, auf dem die App läuft. Ist diese mit dem Smart-TV verbunden, stehen verschiedene alternative Bedienungsmöglichkeiten zur mitgelieferten Fernbedienung bereit, um den Fernseher vom Smartphone oder Tablet aus zu bedienen.
Zum einen gibt es das Fernbedienungslayout noch einmal als scrollbares digitales Abbild, interessanter für den allgemeinen Benutzungskomfort ist aber der Touchscreen-Modus - hier erfolgt die Navigation durch Wischbewegungen, was deutlich komfortabler als das Herumgetippe auf der Fernbedienung ist. Für die Bedienung der über den Browser installierten Spiele ist der dritte Modus interessant: der Mauszeiger. Mit ihm können wir beispielsweise Fallout Shelter ohne Probleme wie am Touchscreen spielen - die meisten Spiele laufen übrigens äußerst flüssig auf dem Sony-Fernseher.
Generell finden wir die Bedienung des Sony-Fernsehers mit der Sideview-App deutlich komfortabler als mit der mitgelieferten Fernbedienung. Besonders praktisch ist der Schnellzugriff auf die installierten Apps - damit spart sich der Nutzer den Umweg über den Hauptbildschirm und kann Apps direkt etwa vom Smartphone aufrufen. Videos und Fotos, die sich auf dem mit dem Fernseher verbundenen Smartphone oder Tablet befinden, werden wie Inhalte eines per USB angeschlossenen externen Datenträgers in der Discovery-Leiste angezeigt.
Sprachsteuerung nur über Google
Weder in der Sideview-App noch auf der Fernbedienung gibt es eine Taste für die Sprachsteuerung des Sony-Smart-TVs. Der Grund ist recht simpel: Bis auf die Google-Suche im Android-TV-Hauptbildschirm gibt es keine. Der Nutzer kann weder die Lautstärke mit einem Sprachbefehl ändern noch den Kanal wechseln oder Apps starten. Internetsuchen sind über den Hauptbildschirm möglich - theoretisch, denn bei uns funktionierte die Google-Sprachsuche überhaupt nicht. Verglichen mit den anderen Fernsehern im Test ist das sehr enttäuschend.
Zwischenfazit zu Sonys Betriebssystem für Smart-TVs
Insgesamt sind wir von der neuen Android-TV-Serie von Sony enttäuscht. Wir fragen uns, weshalb wir ein solches Gerät kaufen sollten: Das installierte Android TV wäre auch über einen günstigen Nexus Player mit einem normalen Fernseher nutzbar - dann allerdings ohne Sideview-App, die es nur für Sony-Fernseher gibt. Dann gibt es natürlich keine expliziten Menüs im Fernsehmodus - schauen wir aber, was Sony uns hier bei seinem neuen Fernseher bietet, rechtfertigt das eigentlich nicht den Kauf. Hier bieten die anderen Hersteller doch weitaus interessantere Lösungen. Als große Enttäuschung bietet Android TV eine schlechtere App-Auswahl, obwohl es die betreffenden Apps eigentlich für die Android-Plattform gibt.
Die Verbindung von Fernsehfunktionen und Android TV ist Sony bei unserem für die neue Produktlinie exemplarischen Testmodell nicht gelungen. Im Grunde hatten wir stets das Gefühl, ein etwas aufgemotztes älteres Smart-TV-Modell zu verwenden, dem Sony noch Android TV untergeschoben hat. Das merken wir besonders beim Fernsehen anhand der verglichen mit den anderen Modellen im Test spärlichen On-Screen-Menüs.
Zudem hat es uns genervt, dass Updates stellenweise sehr lange dauern. Bevor wir den Fernseher nutzen konnten, wurde das Gerät erst einmal 20 Minuten lang aktualisiert - ohne dass uns angezeigt wurde, wie lange der Vorgang noch dauert. Nach dem Update wurden wie bei Android üblich Apps optimiert; insgesamt waren es 186 Anwendungen, obwohl wir selbst noch keine einzige installiert hatten. Sendungen aufnehmen konnten wir mit dem Sony-Fernseher übrigens nicht - wir wurden auf ein notwendiges Update verwiesen, das System war allerdings auf dem aktuellen Stand.
Zusätzlich lässt die Geschwindigkeit der Benutzeroberfläche deutlich zu wünschen übrig: Stellenweise dauert es mehrere Sekunden, bis sich ein Menü öffnet, das komplette System ist äußerst träge. Zu diesem Gefühl trägt auch die Fernbedienung bei, mit der wir uns durch die Menüs klicken müssen. Die Sideview-App verbessert den Nutzungskomfort stark - an dem insgesamt enttäuschenden Ergebnis des Sony-Fernsehers in unserem Test ändert das aber nichts. Bei Samsungs und LGs Fernsehern etwa hatten wir dank der Pointer-Fernbedienungen und der schnell erreichbaren App-Leisten gar keinen Bedarf an einer App, mit der wir den Fernseher steuern können. Anders sieht das bei Panasonics neuem Modell aus, das sich ähnlich unkomfortabel wie der Sony-TV bedienen lässt.
Panasonic setzt neue Oberfläche auf bekannte Funktionen
Panasonics neue Smart-TVs basieren auf Firefox OS, die Benutzeroberfläche nennt der japanische Hersteller Life-Plus-Screen. Sie ist deutlich simpler und übersichtlicher gehalten als die Oberflächen der anderen Hersteller. Panasonic liefert eine Infrarotfernbedienung mit Tasten mit, die ohne Bluetooth arbeitet und keine Pointer-Steuerung unterstützt. Wie bei Sonys neuem Smart-TV müssen wir uns also auch hier mit Hilfe von Pfeiltasten durch die Menüs hangeln. Ganz so altbacken wirkt die Panasonic-Fernbedienung allerdings nicht.










Neuer Home-Bildschirm mit großen Icons
Zentrales Element der neuen Panasonic-Smart-TVs ist der Home-Bildschirm, der favorisierte Apps, Medien und Kanäle als große Icons darstellt und über die Home-Taste der Fernbedienung erreichbar ist. Die Icons kann der Nutzer frei wählen und anordnen, ein Vorteil gegenüber den aktuellen Samsung-Fernsehern. Der Home-Screen öffnet sich stets vor dem aktuell angeschauten Inhalt, es ist nicht möglich, die favorisierten Inhalte als Leiste am unteren Bildrand darzustellen. Einen Kompromiss wie bei Sony, wo sich Apps über die Discover-Funktion mit einigen Klicks am unteren Bildschirmrand anzeigen lassen, gibt es nicht.
Um Inhalte auf dem Home-Screen zu platzieren, wird die Optionstaste der Fernbedienung verwendet: Schauen wir beispielsweise einen Fernsehsender, lässt sich über diese Taste ein On-Screen-Menü aufrufen, über das der Nutzer die Verknüpfung erstellen kann. Genauso funktioniert das mit Apps: In der App-Übersicht muss über dem Icon der betreffenden Anwendung die Optionstaste gedrückt werden, anschließend kann die App auf den Home-Screen gebracht werden.
Als Nachteil des Home-Screens empfinden wir - schon bei der CES - die Größe der Icons. Auf unserem Testmodell mit einer Displaydiagonalen von 40 Zoll werden uns fünf Icons gleichzeitig angezeigt, ab dann muss nach rechts gescrollt werden. Bei vielen Einträgen leidet hier die Übersicht, da aufgrund der großen Symbole nur wenige Informationen auf dem Startbildschirm angezeigt werden können. Bei LG und Samsung etwa haben wir mehr Apps und Sender auf einen Blick verfügbar.
On-Screen-Menüs an allen vier Rändern
Neben dem Homescreen haben die aktuellen Panasonic-Fernseher auch ein On-Screen-Menü, das beim Fernsehen oder beim Anschauen anderer Inhalte wie Streamingvideos aktiviert werden kann. Dazu wird der Home-Button länger gedrückt, anschließend taucht an jedem Bildschirmrand ein Menüpunkt auf. Die verfügbaren Optionen sind Empfehlungen, eine Senderliste, das Wetter und Mitteilungen.
Drücken wir auf der Fernbedienung die Pfeiltaste nach unten, öffnet sich das Empfehlungsmenü. Hier werden dem Nutzer für ihn möglicherweise interessante Inhalte angezeigt, die sich auf das Fernsehprogramm, Streamingdienste, Youtube und die selbst erstellten TV-Aufnahmen erstrecken. Zwischen den einzelnen Quellen schaltet der Nutzer durch weiteres Drücken der Pfeiltaste nach unten um. Die empfohlenen Sendungen, Clips oder Filme werden horizontal durchgescrollt. Am Ende der Quellenauflistung befindet sich das Einstellungsmenü, wo verschiedene Quellen ausgeblendet und die Reihenfolge verändert werden können.
Empfehlungen mit zweifelhaftem Nutzen
Bei den TV-Empfehlungen erscheinen zu Anfang keine Inhalte. Erst wenn der Nutzer einige Zeit lang Fernsehen geschaut hat, zeigen sich anhand der gesehenen Sendungen erste Empfehlungen. Stöpseln wir den Fernseher aus, sind die Empfehlungen wieder gelöscht. Auch bei den Youtube- und Videoinhalten von Viewster werden uns Clips sowie Filme vorgeschlagen, allerdings folgen diese wie bei Sonys Android-TV-Oberfläche nur bedingt einem für uns nachvollziehbarem Muster: Schauen wir über die Youtube-App selbst gesuchte Videos, beeinflusst das die Empfehlungen nicht. Klicken wir hingegen ein in den Empfehlungen angezeigtes Video an, werden uns anschließend weitere Videos des Künstlers angezeigt. Das macht die Empfehlungen für uns nahezu nutzlos.










Web-Clip-Funktion für gleichzeitiges Fernsehen und Surfen
Mit der Pfeiltaste nach links öffnet sich die Programmliste des On-Screen-Menüs. Hier werden die Senderlisten mit Informationen zum aktuellen Programm aller Empfangsmöglichkeiten angezeigt - also die DVB-Varianten und eventuell angeschlossene Kabel- oder Satellitensignale. Verwendet der Nutzer wie wir in unserem Test nur DVB-T, kann er die übrigen, nicht benötigten Auflistungen dieses On-Screen-Menüs über die Einstellungen ausblenden. Zusätzlich zu den Senderlisten gibt es außerdem die Web-Clip-Funktion, die den vorinstallierten Firefox-Browser im Split-Screen-Modus mit dem aktuellen Fernsehprogramm öffnet.
Die Pfeiltaste nach oben öffnet das Wetter-Widget, hier wird die aktuelle Wettersituation angezeigt. Inwieweit diese Funktion sinnvoll ist, ist Ansichtssache: Uns hat das Wetter beim Fernsehen weniger interessiert. Mit der rechten Pfeiltaste wird das Mitteilungsmenü geöffnet. Hier erscheinen Systemmitteilungen, während unseres Tests blieb das Menü jedoch leer.
Zusätzlich zu diesen neuen On-Screen-Menüs bietet Panasonic bei seinen aktuellen Smart-TVs wieder Menüs vergangener Modelle an, die noch ohne Firefox OS auf den Markt kamen. Der Programm-Guide etwa oder die Informationen zur laufenden Sendung - beide über spezielle Buttons auf der Fernbedienung erreichbar - sind dementsprechend im alten Design gehalten, das nicht zur neuen Life-Plus-Screen-Oberfläche passt.
Die Menüs wirken veraltet
Stattdessen fühlen wir uns einige Jahre zurückversetzt: Filter sowie die Suche werden über vier farbige Tasten auf der Fernbedienung erreicht, beim Programm-Guide wird wie bei den Vorjahresmodellen von Panasonic unten links die Tastaturbelegung zur Navigation angezeigt. Auch der Tag kann nicht direkt angewählt werden: Will sich der Nutzer am Montag das Fernsehprogramm am Freitag anschauen, muss er vier Mal auf die grüne Taste drücken.
Auch das Einstellungsmenü ist von den vorigen Modellen übernommen und dementsprechend noch im alten Design. Hier kann der Nutzer Bild- und Toneinstellungen sowie zahlreiche weitere Systemeinstellungen vornehmen - etwa das Betriebssystem aktualisieren. Im Gegensatz zum aufgeräumt wirkenden Home-Screen mit seinen großen Icons wirken die verschachtelten Menüs altbacken und unübersichtlich. Schöner wäre es gewesen, wenn Panasonic sein neues Design auf das komplette System angewandt hätte; das jetzige Ergebnis wirkt ähnlich unentschlossen wie die Oberfläche der neuen Sony-Smart-TVs. Wie bei Sonys aktuellen Modellen könnte das unerfahrene Benutzer verwirren.
Links neben der Home-Taste auf der Fernbedienung befindet sich eine explizite Netflix-Taste, deren Funktion der Nutzer wie beim Sony-Modell nicht ändern kann. Daneben erlaubt die Apps-Taste einen direkten Zugriff auf die installierten Anwendungen und den Apps Market.
Schlechte Auswahl im Panasonic-Store
Die Auswahl in Panasonics Appstore ist unterm Strich enttäuschend. Immerhin stehen mit Netflix, Amazon Instant Video, Maxdome und Watchever einige der wichtigen Streaming-Abo-Dienste bereit, eine Sky-App fehlt aber auch hier. Dann gibt es Video-Apps wie Youtube, Vimeo, Videoload oder Dailymotion. Den Rest der geringen Auswahl bilden Apps von uns komplett unbekannten Videoportalen. Bei den Musik-Apps dürfte Deezer die bekannteste sein, Spotify oder einen Ersatzclient wie Emma gibt es nicht. An Mediatheken stehen dem Nutzer nur die von Arte zur Verfügung, die App der ARD und des ZDF oder der privaten Fernsehsender gibt es nicht. Auch hier kann mitunter auf HbbTV zurückgegriffen werden - falls der Nutzer über Fernsehempfang verfügt.










Ein Traum für Solitär-Spieler
Auch die Auswahl bei den Spielen ist gering, die vorhandenen bewegen sich alle im Casual-Bereich - Solitär, Darts und andere kurzweilige Spiele. Immerhin gibt es einen Facebook- und einen Twitter-Client, wobei die Facebook-App während unseres Tests dauerhaft anzeigte, gerade aktualisiert zu werden und daher keine Verbindung zum Dienst aufnehmen könne. Enttäuschend für uns auch die fehlende Suchfunktion; bei aktuell nur um die 100 verfügbaren Anwendungen - die meisten davon keine besonders guten - ist man aber auch ohne Suche schnell durch.
Eine Übersicht über die aktuell genutzten Apps oder wenigstens die Möglichkeit, schnell zur vorher verwendeten Anwendung zu springen, gibt es nicht - auch bei Panasonic müssen Nutzer wie beim Sony-Fernseher stets die Anwendung wieder raussuchen und neu starten. Teilweise werden Apps auch direkt nach dem Verlassen geschlossen, Amazon Instant Video oder die ZDF-Nachrichten-App sind Beispiele dafür. Nur vorinstallierte Apps bleiben länger im Speicher. So springt Netflix in das Serienmenü zurück, wenn wir die Anwendung während des Abspielens verlassen und kurz darauf wieder aufrufen.
Videoaufzeichnungen können beim Panasonic-Fernseher auf einer externen Festplatte gespeichert werden. Eventuell muss der Nutzer diese über die Systemeinstellungen formatieren. Der eingebaute Mediaplayer spielt Videos in unterschiedlichen Formaten problemlos ab, ist vom Design her allerdings sehr altbacken.
Sprachsteuerung nur über Begleit-App
Eine Spracheingabefunktion suchen wir vergebens auf der Fernbedienung - es gibt sie aber, allerdings nur über Panasonics Begleit-App, die auf Smartphones oder Tablets mit Android oder iOS installiert werden kann. Diese lässt sich mit dem Fernseher koppeln und bietet Zugriff auf die Sprachsteuerung des Fernsehers. Sie ist ziemlich umfangreich und funktioniert in unseren Tests sehr gut. Zu den unterstützten Kommandos gehören Grundfunktionen des Fernsehers wie der Programmwechsel oder die Lautstärkeänderung, aber auch die Suche nach Inhalten. Dass es die App gibt, erfährt der Nutzer erst im Hilfe-Menü des Fernsehers.
Sucht der Nutzer nach einem Begriff, wird ihm ein umfangreicher Ergebnisbildschirm angezeigt. Hier finden sich die Ergebnisse nach Suchquellen aufgelistet wieder: Unter anderem werden Ergebnisse aus dem Internet, von Youtube, dem TV-Programm oder vom Videodienst Viewster angezeigt. Wir können auch direkt in einem speziellen Dienst suchen, etwa "Suche nach ... in Youtube". Dann wird zwar nur in Youtube gesucht, das Resultat aber auf dem gleichen Ergebnisbildschirm angezeigt - das ist etwas unsinnig.
Gesucht werden kann auch nach bestimmten Sendungen oder Programmen mit bestimmten Darstellern. Die Benutzeroberfläche lässt sich zudem komplett per Sprache steuern: Die einzelnen Elemente bekommen dann kleine Nummern, die der Nutzer mit "Wähle Nummer ..." aufrufen kann. An sich eine sehr gute Idee, alles lässt sich aber so nicht bedienen: Panasonic hat diese Funktion nur für den neueren Teil des Betriebssystems umgesetzt, also dem Live-View-Screen. Den Programm-Guide etwa können wir nicht mit Sprachkommandos bedienen - was inkonsequent ist.
Die Steuerung per Touchpad ist bequemer als mit Fernbedienung
Die Begleit-App bietet wie die von Sony weitere Vorteile: So können wir auch hier die Benutzeroberfläche mit Hilfe eines Touchpads steuern, was wir bequemer als per Fernbedienung finden. Texte lassen sich ebenfalls über das Smartphone eingeben - zumindest theoretisch, bei Login-Informationen funktionierte es bei uns häufig nicht. Auch einen Überblick der installierten Apps gibt es, was den Start von Anwendungen deutlich vereinfacht.
Auch bereits ältere Funktionen von Panasonic-Smart-TVs lassen sich mit der App und den neuen Modellen wieder nutzen. Dazu zählt die Möglichkeit, Musik, Bilder und Videos per Wischbewegung an den Fernseher zu senden und dort anzeigen zu lassen. Theoretisch sollte es auch möglich sein, das Fernsehprogramm auf dem angeschlossenen Smartphone oder Tablet anzeigen zu lassen, dies hat bei uns aber nicht funktioniert.
Zwischenfazit zu Panasonics Betriebssystem für Smart-TVs
Insgesamt betrachtet haben wir bei Panasonics neuem Smart-TV-Betriebssystem den Eindruck, dass der Hersteller die neue Oberfläche nicht konsequent umgesetzt hat. Wirklich neu sind nur der Home-Screen und Teile der On-Screen-Menüs, den Rest des Systems hat Panasonic vom Aussehen und der Bedienbarkeit her nicht nennenswert geändert. Dazu zählen die restlichen Einstellungsmenüs und der Programmführer.
Gut am neuen Home-Screen finden wir, dass die Favoriten einfach hinzugefügt und nach Belieben angeordnet werden können. Fernsehsender und Apps können dabei gemischt werden. Weniger gut ist, dass nur wenige der Icons auf den Bildschirm passen. Das Herumscrollen nervt so bereits ab einer geringen Anzahl an Favoriten.
Die Auswahl im hauseigenen Appstore ist aktuell noch dürftig: Neben wenigen bekannten Anwendungen finden sich zahlreiche Video-Apps von Anbietern, die für die meisten Nutzer keine Rolle spielen dürften. Erfreulich ist zwar die Menge an verfügbaren Streaming-Abo-Diensten, das wird aber durch die geringe Auswahl an Mediatheken-Apps getrübt. Bei der App-Auswahl muss Panasonic definitiv noch nachbessern - sie ist definitiv kein Kaufgrund für das Smart-TV.
Verfügbarkeit und Fazit
Der preislich günstigste Einstieg in die moderne Smart-TV-Welt ist mit WebOS 2.0 möglich. Bei LG gibt es solche Fernseher bereits ab einem Preis von 450 Euro. Danach folgen mit gehörigem Abstand Samsungs Tizen-Geräte: Im Sortiment des Herstellers tauchen Tizen-Fernseher ab etwa 600 Euro auf. Für Sony-Fernseher mit Android TV zahlt der Käufer mindestens um die 650 Euro und am teuersten ist der Smart-TV-Einstieg bei Panosonic. Für einen Fernseher mit Firefox OS werden mindestens rund 750 Euro fällig.

Fazit
Schnell ist uns während des Tests klargeworden: Samsungs und LGs Benutzeroberflächen sind deutlich besser als die von Sony und Panasonic, insbesondere was den für uns so wichtigen Punkt der komfortablen Bedienung während des Schauens von Fernsehprogrammen und Streaminginhalten angeht. Das liegt zum großen Teil an der Konsequenz des Menüdesigns und der Benutzerführung: Die Menüs empfinden wir als Teil des Systems und nicht als schlecht eingebundenen Aufsatz.
Die unausgegoren Menüs der Benutzeroberflächen von Sonys und Panasonics neuen Smart-TVs frustrieren uns dagegen bei der Bedienung. Hauptproblem ist die schlechte Mischung aus neuem und altem System - Sony schafft die Verbindung von Android TV und seinem eigenen Smart-TV-System nicht, Panasonic hat zu viele alte Elemente übernommen, die nicht zum neuen Home-Screen passen.
Pointer-Bedienung schlägt Tastengetippe
Auch bei der Bedienung setzen sich die beiden südkoreanischen Hersteller von der japanischen Konkurrenz ab: Die Pointer-Bedienung ist um einiges komfortabler als das Herumgetippe auf den teils archaisch wirkenden Fernbedienungen. Auch was die Spracheingabe betrifft, liegen Samsung und LG vor den anderen beiden Herstellern - Panasonic ermöglicht immerhin über die Begleit-App eine gute Sprachsteuerung.
Tatsächlich brauchen wir bei Sonys und Panasonics Fernseher die Begleit-App. Von den Apps erfährt der Nutzer eher beiläufig, explizit darauf hingewiesen wird er nicht. Bei den Smart-TVs von LG und Samsung hingegen haben wir nicht das Bedürfnis, eine Alternative zur Fernbedienung zu verwenden.
LG und Samsung liegen an der Spitze
Den Gesamtsieger zwischen Samsung und LG auszumachen, ist schwierig, da beide Systeme kleine Nachteile haben. Bei Samsung ist es die nur bis zu einem gewissen Grad beeinflussbare App-Anzeige der Smart-Hub-Leiste, bei LG die aktuell noch magere Auswahl an Anwendungen. LG hat von den von uns getesteten Systemen die beste Benutzeroberfläche: Die Sprachsteuerung, der Pointer, die gute Fernbedienung, die sinnvollen Menüs und die gut aufgebaute und äußert flink agierende Oberfläche gefallen uns gut. Die App-Auswahl hingegen finden wir zu mager - sie ist bei Samsung deutlich besser.
Samsung bietet als einziger Hersteller im Test alle wichtigen in Deutschland verfügbaren Streaming-Abo-Anbieter als Apps an. Die Sprachsteuerung kann allerdings mit der von LG nicht mithalten. Wer mit den bei LG angebotenen Streaminganbietern und der allgemein magereren App-Auswahl leben kann, sollte unserer Meinung nach zu einem dieser Smart-TVs greifen. Wer auf alle Streaminganbieter und Mediatheken als Apps Wert legt und dafür eine unübersichtliche App-Verwaltung in Kauf nimmt, ist bei Samsung besser aufgehoben.
Panasonic und Sony sind nicht zu empfehlen
Den letzten Platz in unserem Test zu vergeben, ist ebenfalls schwierig, da auch die Smart-TVs von Sony und Panasonic nah beieinander sind. Sony hat es sich mit Android TV denkbar einfach gemacht und auch nicht viel unternommen, Googles Fernsehsystem vernünftig um eigene Funktionen zu erweitern. Anzunehmen ist, dass die bereits verbesserte App-Auswahl für Android TV zukünftig ausgeweitet wird - und als Spieleplattform hat Android TV von allen getesteten Systemen wohl das größte Potenzial.
Panasonic bietet zwar eine gute Auswahl an Streaming-Apps an, was die restliche App-Auswahl betrifft, liegt das Gerät aber auf dem letzten Platz. Zudem hat Panasonic seiner neuen Oberfläche alte Menüs und Funktionen untergeschoben, die vom Design und dem Bedienungskomfort her nicht zum neuen Home-Screen passen.
Die Entscheidung zwischen Sony und Panasonic ist knapp, empfehlen können wir letztlich keines der beiden Modelle - auch im Hinblick auf die Preise verglichen mit den Smart-TVs von Samsung und LG.



