Smart-Teleskope: Wo lang geht die Reise zu den Sternen, Vaonis?

Bisher war das Produktsortiment des französischen Smart-Teleskop Herstellers Vaonis recht überschaubar - angefangen vom Stellina (g+) im Jahr 2020 über das kleinere und leichtere Vespera (2022) bis zu dem im Sommer 2023 angekündigten Vespera Pro(öffnet im neuen Fenster) .
Ein neues Modell im gleichen Design wie sein Vorgänger, aber mit angepasster Optik und besserem Kamerasensor, soll im Mai 2024 auf den Markt kommen. Dazu kam im Sommer letzten Jahres das mit über 4 Millionen US-Dollar auf Kickstarter finanzierte Hestia, ein kleines handliches Teleskop, das ein Smartphone als Kamera und Steuerung verwendet.
Damit hatte die Firma schon zwei neue Produkte in Arbeit, die innerhalb eines halben Jahres marktreif sein mussten. Daher war es für viele überraschend, dass im November 2023 ein weiteres Gerät angekündigt wurde, das auch noch sofort verfügbar war. Das Vespera Passenger war eine auf 222 Geräte limitierte Auflage des ersten Vespera-Modells, aber mit einem besseren Kamerasensor, neuem Controllerboard und einem besseren Stativ.
Damit verbesserte sich die Auflösung von 2 auf 6 Megapixel und von 8 auf 24 Megapixel im Covalens genannten Mosaik-Aufnahmemodus. Auch der interne Speicher wurde von 10 auf 25 GB erhöht. Marketingtechnisch war es ein Erfolg, wurden doch alle 222 Geräte zum Preis von 1.950 Euro verkauft - vornehmlich an Kunden, die vermutlich nicht auf das Vespera Pro warten wollten.




Auf der CES 2024 wurde plötzlich ein weiteres Modell vorgestellt, das Vespera II(öffnet im neuen Fenster) . Es soll sich zwischen dem ursprünglichen Vespera und dem angekündigten Pro-Modell einreihen. Ausgestattet ist es mit einem 8-Megapixel-IMX585-Sensor von Sony, der auch in verschiedenen Astrokameras zum Einsatz kommt, und der vermutlich gleichen Optik wie das Vespera Pro mit 250 mm Brennweite und 50 mm Öffnung.
Aufgeräumte Produktlinie oder zu viel des Guten?
Vaonis zeigt auf seiner Webseite alle drei Vespera-Modelle im Vergleich(öffnet im neuen Fenster) . Grundsätzlich ist eine aufgeräumte Produktlinie mit klar definierten Features auf Basis einer gemeinsamen Plattform und einer zentralen App für die Steuerung eine gute Idee.
Allerdings ist fraglich, ob das erste Vespera-Modell weiter produziert wird. Im Moment ist das erste Modell auf der Seite des Herstellers nicht mehr verfügbar, kann aber noch bei verschiedenen Händlern gekauft werden. Auch ist zu vermuten, dass Restbestände des Vespera Passenger als Sonderedition vermarktet und gegebenenfalls zum Testen neuer Sensoren und Controllerboards für das Vespera II genutzt wurden. Das ist allerdings nur eine Vermutung.
Somit bleiben mit dem Vespera II (verfügbar ab dem 15. Januar 2024) und dem Vespera Pro (verfügbar ab Mai 2024) zwei aktiv vermarktete Modelle mit deutlichen Preisunterschied von 900 Euro.
Für 2.499 Euro wartet das Vespera Pro mit einem quadratischen Sony-IMX676-Sensor und einer Auflösung von 12 Megapixeln auf. Das native Bildfeld sind 1.6° x 1.6°, es kann bis auf 3.4° x 2° beziehungsweise 2.5° x 2.5° über den Mosaikmodus erweitert werden.
Das dabei generierte Gesamtbild hat eine Auflösung von 32 Megapixeln. Die optische Auflösung (Sampling) beträgt 1,6 Bogensekunden pro Pixel. Für die Bilddaten stehen 220 GB interner Speicher zur Verfügung und die bisher optionalen Erweiterungen wie das Hygrometer, ein Hard Case und eine Linsenkappe sind inklusive. Des Weiteren gibt es eine bisher nicht näher beschriebene Diebstahlsicherung.




Das preiswertere Vespera II ist für 1.590 Euro zu haben, begnügt sich aber mit dem kleineren IMX585-Sensor mit 8,3 Megapixeln und bis zu 24 Megapixeln im Mosaikmodus. Das etwas größere Bildfeld von 2.5° x 1.4° (4.3° x 2.4° beziehungsweise 3.25° x 3.25° im Mosaikmodus) bedeutet aber auch eine geringere optische Auflösung von 2,39 Bogensekunden pro Pixel. Der interne Speicher beträgt nur 25 GB und alle Erweiterungen (Sensoren, Hard Case etc.) sind optional.
CES Award und Kundensorgen
Das speziell für Smartphones gedachte Hestia, das mit insgesamt über 28.000 Unterstützern auf Kickstarter und Indiegogo finanziert wurde, hat auf der CES in Las Vegas den Innovation Award verliehen bekommen. Die Idee, ein preiswertes Gerät zu bauen, das eine Kamera und einen Computer nutzt, die fast jeder schon besitzt - nämlich das Smartphone - ist gut und in der präsentierten Form auch innovativ.
Viele Unterstützer des Projektes, vor allem aus den USA, Mexiko und Kanada, wollen sich das Hestia für die Beobachtung der im April 2024 stattfindenden totalen Sonnenfinsternis zulegen.
Der Hersteller hat auch versprochen, dass alle sogenannten Eclipse Packs rechtzeitig verschickt werden. Allerdings wurde das auf Dezember 2023 gesetzte Ziel der ersten Lieferungen bereits verpasst. Das letzte Update der Kickstarter Kampagne ist vom 19. Dezember, hier ist von 1.500 Einheiten die Rede, die am 26. Dezember verschickt werden sollten.
Es gibt eine eigene, von Vaonis selbst betriebene Facebook-Gruppe speziell für das Hestia und die dazugehörige App. Letztere ist bereits als Betaversion auf Android und iOS verfügbar, allerdings ohne Gerät noch weitgehend nutzlos.
Einige sarkastische User in der Gruppe mutmaßen schon, dass man mit Absicht keine Jahreszahl an das Versanddatum vom 19. Dezember geschrieben habe. Auch nicht ganz von der Hand zu weisen sind Befürchtungen, Vaonis habe sich mit der Vielzahl an neuen Produkten eventuell übernommen. Vor allem, da das Hestia eine komplett eigene App und eigene Hardware benötigt und damit weniger Synergien bei der Entwicklung im Vergleich zum Vespera II, Passenger und Pro genutzt werden können.
Auf der anderen Seite liegt man aber erst einen Monat hinter dem Zeitplan und das ist bei Crowdfundingprojekten nicht ungewöhnlich.




Die nächste totale Sonnenfinsternis, die zumindest in Teilen Europas zu beobachten ist, findet im August 2026 statt(öffnet im neuen Fenster) . Vorher gibt es noch eine partielle Sonnenfinsternis am 26. März 2025. Das ist hoffentlich genug Zeit, um eine der beiden mit unserem bestellten Hestia beobachten zu können.



