Abo
  • IT-Karriere:

Smart Home: Philips Hue und Kameras über unsichere Protokolle gehackt

Sicherheitsforschern ist es gelungen, Steuerungsbefehle an Überwachungskameras und Philips-Hue-Lampen zu schicken. Die Geräte übertragen Daten und Befehle standardmäßig auf eine unsichere Weise.

Artikel veröffentlicht am ,
Einfach zu installieren - und einfach zu hacken: die Philips Hue
Einfach zu installieren - und einfach zu hacken: die Philips Hue (Bild: Philips)

Der Sicherheitsfirma Forescout ist es in einer Studie gelungen, mehrere Überwachungskameras abzuschalten oder deren Videostream auszutauschen. Auch das smarte Leuchtsystem Philips Hue konnten die Sicherheitsforscher von Forescout überlisten. Viele Geräte im Internet of Things (IoT) nutzen standardmäßig unsichere Protokolle ohne jegliche Verschlüsselung. Dies ermöglicht Angreifern das Auslesen und Verändern der übertragenen Daten, bis hin zu einer Fernsteuerung der Geräte.

Stellenmarkt
  1. ORBIT Gesellschaft für Applikations- und Informationssysteme mbH, Bonn
  2. Hays AG, Stuttgart

Die Sicherheitsforscher kauften sich drei Überwachungskameras sowie zwei Philips-Hue-Lampen und bauten die Geräte in ihrem Labor auf. Anschließend versuchten sie, die Kameras mit einem DoS-Angriff (Denial of Service) am Aufnehmen von Videobildern zu hindern. Da die Kameras zur Steuerung und Übertragung der Videodaten standardmäßig auf die unsicheren Protokolle RTP (Real-Time Transport Protocol), RTSP (Real-Time Streaming Protocol) und RTCP (Real-Time Control Protocol) setzen, konnten sie Steuerungsbefehle an die Netzwerkkamera senden und so die Verbindung zwischen der Kamera und dem Rekorder unterbinden. Alternativ konnte die Verbindung durch eine Flut von RTP-Paketen, die in den Videostream injiziert wurden, eingefroren oder unterbrochen werden. Die verschlüsselten Varianten der Protokolle (SRTP, SRTCP), die die Übertragung der Daten absichern, hätte der Nutzer entweder selbst aktivieren müssen oder sie wurden von den Kameras schlicht nicht unterstützt.

Neben den unsicheren Protokollen liegt den Angriffen von Forescout die Annahme zugrunde, dass bereits Zugang zum Netzwerk besteht, in dem sich die smarten Geräte befinden. Dieser Zugang könne beispielsweise über ein verwundbares Gerät, das über das Internet erreichbar ist, über die Schwachstelle Mensch, beispielsweise durch eine Phishing-Mail oder einen USB-Stick mit Schadsoftware, oder über ein in das Netzwerk eingebrachtes Gerät wie einen Raspberry Pi erreicht werden, heißt es in der Studie.

Überwachungsvideo austauschen

Da auch die Aufnahmen der Überwachungskameras unverschlüsselt übertragen werden, konnten die Sicherheitsforscher in einem ersten Schritt das Videomaterial einfach mitschneiden. Über einen Steuerungsbefehl initialisierten sie die Kamera neu und ließen sie auf einen anderen Port streamen. Auf den ursprünglich verwendeten Port streamten sie ihr zuvor mitgeschnittenes Videomaterial, das vom Netzwerkrekorder empfangen wurde. Was wirklich vor der Kamera passierte, wurde ins Nichts gestreamt. Die Angriffe funktionierten unabhängig vom Hersteller bei allen Geräten, die die unsicheren Protokolle verwendeten, erklären die Sicherheitsforscher.

Über die Suchmaschine Shodan konnten sie zudem 4,6 Millionen Kameras ausfindig machen, die über das unsichere RTSP-Protokoll erreichbar waren. Die meisten sollen sich in China, den USA und Brasilien befinden.

Philips Hue ausknipsen

Die smarten Leuchten von Philips werden über eine Bridge an das lokale Netzwerk angebunden. Mit dieser können die Leuchten über das Netzwerk über eine API gesteuert werden. Die Befehle werden zwar über einen Token authentifiziert, doch auch dieser wird im Klartext übertragen - und kann entsprechend von einem Angreifer im Netzwerk abgegriffen werden. Mit dem Token kann der Angreifer Befehle an die Hue-Lampe schicken und diese beispielsweise ein- und ausschalten oder sie in bestimmten Abständen blinken lassen. Zudem kann ein weiterer Nutzer hinzugefügt werden. Dafür müsste eigentlich ein physischer Knopf auf der Bridge gedrückt werden, doch die Forscher fanden heraus, dass sich dieser auch einfach virtuell drücken lässt. Auch ein Zugriff auf die Lampe von außen kann erlaubt werden. Hierüber könnte ein Angreifer sich einen Zugang über das Internet zu dem Netzwerk legen, in dem sich die Lampe befindet, heißt es in der Studie. Dieser könnte für weitere Angriffe genutzt werden.

Neben den unsicheren Protokollen finden sich nicht selten auch Sicherheitslücken in den smarten Geräten. Erst kürzlich zeigten Sicherheitsforscher, wie einfach sich ein smartes Türschloss knacken lässt. Zuvor hat die Google-Tochter Nest eine Sicherheitslücke geschlossen, durch welche die ursprünglichen Eigentümer nach dem Verkauf einer Nest-Überwachungskamera weiterhin auf die Bilder der Kamera zugreifen konnten. Auf dem Chaos Communication Congress zeigte ein Sicherheitsexperte, wie leicht eine smarte Lampe zu einem Trojaner werden kann.



Anzeige
Top-Angebote
  1. (u. a. Sandisk SSD Plus 1 TB für 88,00€, WD Elements 1,5-TB-HDD für 55,00€, Seagate Expansion...
  2. (u. a. Kingston A400 2-TB-SSD für 159,90€, AMD Upgrade-Bundle mit Radeon RX 590 + Ryzen 7...
  3. 43,99€ (Bestpreis!)
  4. (aktuell u. a. Asus Zenfone 5 Handy für 199,90€, Digitus DN-95330 Switch für 40,99€)

flasherle 01. Aug 2019

kwt

TrollNo1 01. Aug 2019

https://www.golem.de/news/smart-home-wenn-die-lampe-zum-trojaner-wird-1901-138712.html

Anonymer Nutzer 31. Jul 2019

Die meisten Chinalampen würde ich mir aber nicht in die Wohnung hängen. Ich finde die ESP...

Ext3h 31. Jul 2019

Zunächst einmal, sichere Protokolle bei IP-Kameras sind zwar einfach gefordert, aber...

Anonymer Nutzer 31. Jul 2019

Dein Handy ist potentiell kompromittiert, ab werk, deine konsole und dein pc vielleicht...


Folgen Sie uns
       


Remnant from the Ashes - Test

In Remnant: From the Ashes sterben wir sehr oft. Trotzdem ist das nicht frustrierend, denn wir tun dies gemeinsam mit Freunden. So macht der Kampf in der Postapokalypse gleich mehr Spaß.

Remnant from the Ashes - Test Video aufrufen
Cyberangriffe: Attribution ist wie ein Indizienprozess
Cyberangriffe
Attribution ist wie ein Indizienprozess

Russland hat den Bundestag gehackt! China wollte die Bayer AG ausspionieren! Bei großen Hackerangriffen ist oft der Fingerzeig auf den mutmaßlichen Täter nicht weit. Knallharte Beweise dafür gibt es selten, Hinweise sind aber kaum zu vermeiden.
Von Anna Biselli

  1. Double Dragon APT41 soll für Staat und eigenen Geldbeutel hacken
  2. Internet of Things Neue Angriffe der Hackergruppe Fancy Bear
  3. IT-Security Hoodie-Klischeebilder sollen durch Wettbewerb verschwinden

Gemini Man: Überflüssiges Klonexperiment
Gemini Man
Überflüssiges Klonexperiment

Am 3. Oktober kommt mit Gemini Man ein ambitioniertes Projekt in die deutschen Kinos: Mit HFR-Projektion in 60 Bildern pro Sekunde und Will Smith, der gegen sein digital verjüngtes Ebenbild kämpft, betreibt der Actionfilm technisch viel Aufwand. Das Seherlebnis ist jedoch bestenfalls komisch.
Von Daniel Pook

  1. Filmkritik Apollo 11 Echte Mondlandung als packende Kinozeitreise

Pixel 4 im Hands on: Neue Pixel mit Dualkamera und Radar-Gesten ab 750 Euro
Pixel 4 im Hands on
Neue Pixel mit Dualkamera und Radar-Gesten ab 750 Euro

Nach zahlreichen Leaks hat Google das Pixel 4 und das Pixel 4 XL offiziell vorgestellt: Die Smartphones haben erstmals eine Dualkamera - ein Radar-Chip soll zudem die Bedienung verändern. Im Kurztest hinterlassen beide einen guten ersten Eindruck.
Ein Hands on von Tobias Költzsch

  1. Google Pixel 4 entsperrt auch bei geschlossenen Augen
  2. Live Captions Pixel 4 blendet auf dem Gerät erzeugte Untertitel ein
  3. Google Fotos Pixel 4 kommt ohne unbegrenzten unkomprimierten Fotospeicher

    •  /