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Smart Home: Das vernetzte Zuhause hilft beim Energiesparen

Waschmaschine, Rollläden und Heizungen: Viele Geräte können mittlerweile aus der Ferne überwacht und zeitgesteuert werden. Das hilft zwar Strom zu sparen, lohnt sich aber nicht für jeden.
/ Günther Ohland
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Touchscreen-Steuerung zur Kontrolle von vernetzten Geräten in einem Haushalt (Bild: Sean Gallup/Getty Images)
Touchscreen-Steuerung zur Kontrolle von vernetzten Geräten in einem Haushalt Bild: Sean Gallup/Getty Images

Energiesparen ist eins der Kernthemen, mit denen Smart-Home-Systeme angepriesen werden. Das ist keine Werbelüge: Zwar lässt sich heute mit vernetzten Haushaltsgeräten noch kein Strom sparen, wohl aber lässt sich der Energieverbrauch beim Heizen senken - allerdings nur in Haushalten mit eigener Stromversorgung.

Es ist leichter, Heizkosten zu senken als elektrische Energie einzusparen, die nur einen kleinen Teil des Energieverbrauchs in deutschen Haushalten ausmacht. Denn mit 65 Prozent haben die Heizkosten den größten Anteil am Energieverbrauch in deutschen Haushalten. Durch die dezentrale Stromerzeugung durch Zehntausende von Photovoltaikdächern und Tausende Windräder, verteilt über das ganze Land, ist der Bedarf an Regulierung in den einzelnen Haushalten gestiegen.

Aus bisherigen Nur-Strom-Konsumenten sind gleichzeitige Produzenten geworden, die sogenannten Prosumer. Ihr Anteil liegt heute bei etwa 40 Prozent. Nun bestimmt nicht mehr der Verbrauch die Produktionsmenge, Sonne und Wind entscheiden. Doch wohin mit dem natürlich erzeugten Strom, wenn ihn gerade niemand braucht? Die Politik verlangt inzwischen, dass der private Erzeuger den Solarstrom doch bitte selbst verbrauchen möge. Am besten in seinem Haushalt. Wenn das so klappen könnte, müsste man das große Verteilungsnetz viel weniger regeln. Der Prosumer-Haushalt ist also die entscheidende Regelungszelle im großen Stromnetz. Und hier kann das Smart Home eine wichtige Rolle spielen.

Das smarte Heim steuert Stromquellen, Stromverbraucher und Speicher

Die Ziele für ein intelligentes Stromnetz sind leicht definiert: Erstens Geräte einschalten, wenn Strom da ist, um möglichst wenig Strom ins Netz einzuspeisen. Zweitens Geräte ausschalten, wenn selbst zu wenig erzeugt wird, um möglichst wenig Strom zukaufen zu müssen. Der Controller im smarten Heim sorgt mit seiner Software dafür, dass immer bei überschüssiger Stromproduktion elektrische Verbraucher dazugeschaltet werden, deren Betrieb sich zeitlich verschieben lässt - die sogenannte Lastverschiebung. Das kann beispielsweise der Warmwasserspeicher sein (12,7 Prozent Verbrauchsanteil!) oder auch ein Elektromobil wie ein Fahrrad, Mofa, Roller oder Auto. Auch die Heizung eines Swimming-Pools kann so geregelt werden.

Die Preisentwicklung von Speicherbatterien hat dazu geführt, dass es bei entsprechend großer Photovoltaik-Anlage sinnvoll ist, die eigene Stromüberproduktion für den Spitzenbedarf oder die Nachtstunden zu speichern. Der Smart-Home-Controller hilft dabei, die Stromquellen, die Stromverbraucher und den Speicher so zu steuern, dass ein hoher Autonomiegrad besteht. Strom wird also nur gekauft, wenn selbst nicht genug produziert wird, die Batterie leer ist und ein bestimmtes Gerät unbedingt jetzt laufen muss. Die Stromkonzerne sind somit nur noch Lückenfüller.

Im Smart-Home-System kommt die Nachtspeicherheizung wieder zum Einsatz, mit dem neuen Namen Elektrospeicherheizung. Sie lässt sich sogar in kurzen Intervallen schalten, um beispielsweise eine Erzeugungsspitze in der Mittagszeit aufzunehmen. Wann sie geladen wird, ist unerheblich: Sie soll bereit sein, wenn Wärme gefragt ist.

Mit Haushaltsgeräten lässt sich noch kein Strom sparen

Weit schwieriger als bei der Heizung ist das Energiesparen bei den Haushaltsgeräten. Zwar hat die Hausgeräteindustrie 2014 endlich Smart Home entdeckt, nachdem jahrelang nur Miele mit eigenen Smart-Home-Produkten auf dem Markt war. Der Verkaufserfolg war allerdings unbefriedigend, denn es gab keine sinnvollen Anwendungen für die innovative und leider auch teure Technik. Warum sollte man beispielsweise einen Trockner per App starten? Es fehlten die Anwendungen, die ermitteln, ob sich der Einsatz zu einem bestimmten Zeitpunkt aufgrund des Strompreises lohnt.

Und es fehlen immer noch variable Stromtarife. Ohne diese lässt sich überhaupt nicht sparen. Doch selbst wenn die Energieversorger den Strom zu Selbstkostenpreisen abgäben, ginge die Rechnung nicht auf. Der Betrag, der sich sparen ließe, wäre geringer als die Mehr-Investitionskosten in den smarten Trockner oder die vernetzte Waschmaschine - bei heutigen Gerätepreisen.

Ein Kostenvergleich:

Typischer Jahresverbrauch eines modernen A+++ Geräts: 150 kWh = 36 Euro
Typischer Jahresverbrauch eines Altgerätes: 250 kWh = 60 Euro
Ersparnis durch Zeitverschiebung auf Billigtarif (- 15%): 5,40 Euro bzw. 9,00 Euro.

Bei Mehrkosten für das vernetzbare Haushaltsgerät von rund 400 Euro, weiteren anteiligen Kosten für die spezielle Vernetzung von noch einmal 300 Euro und einer Ersparnis von 15 Prozent müsste die Maschine an folgende Generationen weitergegeben werden: Erst nach 130 Jahren wären die Mehrkosten der effizienten Maschine eingespart. Das klingt nicht so richtig kaufmotivierend, abgesehen davon, dass die Waschmaschine mit Wäsche beladen und angeschlossen in Bereitschaft stehen müsste.

Smarte Hausgeräte werden normal

Doch der Markt der smarten Hausgeräte wird sich verändern. In wenigen Jahren wird die Vernetzung keine Option mehr sein, sondern zum normalen Lieferumfang gehören. Der technologische Durchbruch ist da. Asiatische Anbieter wie Panasonic, Samsung, LG und Haier werden sehr schnell per LAN/WLAN vernetzbare Produkten ohne Mehrkosten auf den Markt bringen. Bosch, Miele, Liebherr und Electrolux/AEG werden reagieren und ihre derzeitige Hochpreispolitik überdenken.

Wenn die Investition in eine smarte Waschmaschine, Trockner oder Spülmaschine rechnerisch nicht mehr ins Gewicht fällt, wird die Verbreitung steigen. Und bei entsprechender Verbreitung fernsteuerbarer Haushaltsgeräte lohnt es sich auch für die Stadtwerke, solche variablen Tarife anzubieten. Dann können auch Mieter, die auf variable Stromtarife angewiesen sind, mit Hilfe des Smart Homes ereignisgesteuert Energie sparen. Bis dahin bleibt dies Hausbesitzern mit eigener Stromerzeugung vorbehalten.

In einer losen Artikelreihe beschäftigen wir uns mit Aspekten des Smart Home. Der Autor dieses Textes ist Journalist und Buchautor. Außerdem ist er Initiator des Musterhauses Smarthome Paderborn und Gründungsmitglied der Smarthome Initiative Deutschland.


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