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Smart Guns: Die personalisierte Waffe

Pin, Funkchip am Ring oder sogar ein RFID-Chip unter der Haut: Verschiedene Systeme sollen sicherstellen, dass Waffen nur von ihrem Besitzer abgefeuert werden können. Doch alle haben ihre Tücken.
/ Werner Pluta
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Schießt nur mit Uhr: Smart Gun Armatix iP1 (Bild: Reuters/Michael Dalder)
Schießt nur mit Uhr: Smart Gun Armatix iP1 Bild: Reuters/Michael Dalder

Als James Bond, Agent seiner Majestät, im bislang letzten James-Bond-Film Skyfall(öffnet im neuen Fenster) wieder aufersteht, erhält er von seinem Quartiermeister eine neue Waffe. Das Besondere daran ist eine elektronische Sicherung. Sie sei, sagt Q, auf den Handabdruck von 007 kodiert. "Nur Sie können sie abfeuern."

Smart Guns heißen solche Waffen, und sie sind keine Erfindung der Autoren der britischen Agentenfilmreihe. Die Idee der hierzulande auch Signaturwaffen genannten Pistolen: Nur der Besitzer oder von ihm ausgewählte Personen können diese Waffen auch abfeuern. Das soll Schaden durch unbefugte Nutzung der Feuerwaffen verhindern.

US-Gesetz zu Smart Guns

Manche Politiker in den waffenverrückten USA haben das verstanden: New Jersey hat Ende 2002 als erster US-Bundesstaat ein Gesetz, die Childproof Handgun Bill, erlassen, nach dem nur noch personalisierte Handfeuerwaffen verkauft werden sollen. Die Regelung soll drei Jahre, nachdem der Bundesstaat die erste derartige Waffe zertifiziert hat, in Kraft treten. Das ist bis dato allerdings nicht geschehen.

Die einfachste Methode, eine Waffe vor Unbefugten zu sichern, ist eine Kennnummer (Personal Identification Number, Pin): Wie bei der Bankkarte gibt der Schütze an der Waffe einen Code ein und entsichert sie auf diese Weise. Ein zwar bekanntes, aber bestimmt kein besonders elegantes Verfahren.

Waffe mit Funkchip

Einfacher wird es mit einem elektronischen System, wie es etwa die US-Büchsenmacher Mossberg(öffnet im neuen Fenster) entwickelt haben: Der Schütze trägt einen Ring mit einem Funkchip (Radio Frequency Identification, RFID). Kommt der Ring in die Nähe der Waffe, wird er drahtlos von der Waffe aktiviert und sendet einen Identifizierungscode an die Waffe. Stimmt der mit dem auf der Waffe hinterlegten überein, wird die Waffe aktiviert. Konsequenterweise nennt Mossberg die Waffe iGun(öffnet im neuen Fenster) .

Kein Ring sondern eine Funkarmbanduhr entsichert die Sportpistole iP1 des deutschen Waffenherstellers Armatix(öffnet im neuen Fenster) . Die Uhr entsperrt die Waffe, indem sie ihr ein Signal sendet. Sind Waffe und Uhr zu weit voneinander entfernt, lässt sich der Abzug nicht betätigen.

Uhr mit Pin

Doch auch mit der Uhr(öffnet im neuen Fenster) lässt sich mit der Waffe nicht soviel anfangen: Diese muss ihrerseits durch die Eingabe einer Pin entsperrt werden. Erst dann wird der Zugriff auf die Waffe freigegeben. Zudem lässt sich über die Uhr die Waffe zeitgesteuert deaktivieren.

Pistole mit Smartwatch – Armatix
Pistole mit Smartwatch – Armatix (01:51)

Die Armatix-Waffe verfügt noch über ein weiteres Sicherungssystem(öffnet im neuen Fenster) : Sie erkennt, worauf sie gerichtet wird. Zielt der Schütze auf eine Schießscheibe aus Papier, lässt sich die Waffe abfeuern, nicht aber, wenn er sie auf einen anderen Gegenstand oder einen Menschen richtet.

Nach Cyborg klingt die Idee des irischen Unternehmens Triggersmart(öffnet im neuen Fenster) : Auch dieses System nutzt einen RFID-Chip. Dieser könne in einem Schmuckstück, etwa einem Ring untergebracht sein. Der Waffenbesitzer könne ihn sich aber auch unter die Haut implantieren lassen.

Waffenlose Orte

Weiterer Vorteil: Über die Funktechnik soll es laut Triggersmart möglich sein, die Smart Guns an bestimmten Orten zu deaktivieren. Die Wide Area Control (WAC) soll Schießereien in öffentlichen Gebäuden wie Schulen oder Flughäfen oder auf der Straße verhindern.

Waffenfreie Bereiche dank RFID – Triggersmart
Waffenfreie Bereiche dank RFID – Triggersmart (06:30)

Ein solches System sorgt für mehr Sicherheit als eine herkömmliche Waffe, die jeder abfeuern kann. Es gibt jedoch auch Sicherheitslücken: Werden Waffe und Zusatzgerät zusammen entwendet, kann der Dieb ebenso wie der rechtmäßige Eigentümer damit schießen. In einem Handgemenge könnte auch jeder Angreifer die Waffe auf den Besitzer richten und abfeuern.

Systeme wie die Dynamic Grip Recognition kommen ohne Zusatzgeräte aus. Hier wird der Mensch zur Sicherung.

Biometrische Systeme

Die Dynamic Grip Recognition(öffnet im neuen Fenster) haben Forscher des New Jersey Institute of Technology um Michael Recce entwickelt: Der Griff der Waffe wird an beiden Seiten mit Druck-Sensoren und einem Computerchip ausgestattet. Die Sensoren erkennen Griffmuster. Befindet sich die Waffe nicht in der Hand ihres rechtmäßigen Besitzers, erkennt sie das und lässt sich nicht abfeuern.

Recce hatte die Dynamic Grip Recognition 2003 patentiert. Die inzwischen bankrotte australische Waffenschmiede Metal Storm hat 2010 mit der O'Dwyer VLe die erste Waffe mit diesem System vorgestellt. Anfänglich wollte Metal Storm die Pistole auch mit einem System mit einem Ring ausstatten, entschied sich dann jedoch für ein biometrisches Verfahren.

Pistole ohne Bolzen

Die O'Dwyer VLe ist auch in anderer Hinsicht innovativ: Sie hat kein Magazin und keinen Bolzen: Die Projektile liegen hintereinander im Lauf, die Treibladung wird durch ein elektrisches Signal gezündet. Durch den Druck der Explosion dehnt sich das folgende Projektil etwas aus, was verhindern soll, dass versehentlich mehrere Projektile abgeschossen werden.

Die Waffe hat mehrere Läufe, die jeweils mit unterschiedlicher Munition geladen werden können, beispielsweise herkömmlichen und nicht-tödlichen Geschossen. Der Schütze kann vor dem Schuss wählen, welchen Projektiltyp er verschießt.

Fingerabdruckleser zum Nachrüsten

Biometrie nutzt auch Intelligun(öffnet im neuen Fenster) . Das ist eine Erweiterung, die der US-Waffenhersteller Kodiak Industries(öffnet im neuen Fenster) entwickelt hat. Sie macht aus dem Colt M1911(öffnet im neuen Fenster) eine Smart Gun: In den Griff des Colts wird ein Fingerabdruckleser integriert.

Der befindet sich auf der Griffseite, die dem Handballen gegenüber liegt, dort also, wo die Fingerkuppe des Mittelfingers liegt. Solange ein bekannter Finger auf dem Sensor ist, kann die Waffe abgefeuert werden. Wird sie dem Träger entwunden oder fällt sie ihm aus der Hand, kann ein anderer nichts damit anfangen. Praktisch ist, dass der Besitzer der Waffe auch mehrere Fingerabdrücke hinterlegen kann, also auch mehrere Personen die Waffen benutzen können.

Allerdings: Jedes elektronische System hat seine Schwachstellen.

Elektronik oder Mechanik?

Die Akkus könnten im entscheidenden Moment, in dem ein Polizist sein Waffe zieht, um einen Straftäter zu stellen, leer sein. Oder der Computerchip versagt seinen Dienst – jeder, der ab und zu seinen Computer neu starten muss, weil das Gerät aus unerfindlichen Gründen den Dienst versagt, kennt diese Problematik. Oder ein Waffenbesitzer, der seine Familie gegen einen Angreifer verteidigen will, vergisst in der Stresssituation die Pin. Schließlich ist eine elektronisch gesicherte Waffe wie jedes elektronische Gerät anfällig für bestimmte elektromagnetische Strahlung.

Damit argumentieren US-Gegner gern gegen die Smart Guns. Und die Politik leistet dem noch Vorschub: Die Childproof Handgun Bill aus New Jersey sieht nämlich den Zwang zu personalisierten Schusswaffen ausschließlich für Zivilisten vor, Polizisten oder Soldaten sollen weiterhin Handfeuerwaffen ohne eine solche Sperre bekommen.

Smart ohne Elektronik

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein solcher Fehler eine Waffe in einem Feuergefecht lahmlegt, dürfte indes deutlich geringer sein als der Schutz, den ein solches System gegen unsachgemäßen Gebrauch der Waffe bietet. Zudem gibt es mit dem Würkner-Personal-Weapon-Lock(öffnet im neuen Fenster) (WPW-Lock) auch ein System, das sich nach Angaben des österreichischen Erfinders Gerald Würkner auch allein mit mechanischen Komponenten umsetzen lässt.

Das System besteht aus zwei Komponenten: einem Schließmechanismus in Pistole und Holster sowie einem Hebel im Griff der Waffe. Der Schließmechanismus besteht aus einem Schlüssel, der am Boden des Holsters befestigt ist und einem Schloss, das unter dem Lauf ist. Befindet sich die Waffe im Holster, ist sie potenziell einsatzbereit: Der Besitzer entsperrt sie, wenn er sie zieht und dabei den Hebel im Griff gedrückt hält. Wird ihm die Waffe entwunden, übt er also keinen Druck mehr auf den Griff aus, wird die Waffe gesperrt und kann nicht mehr abgefeuert werden. Die Sperre kann nur aufgehoben werden, indem die Pistole wieder in das Holster gesteckt wird. Die mechanischen können laut Würkner auch durch elektronische Bauteile ersetzt werden.

Tote und Verletzte

In den USA starben laut der Initiative Gunpolicy.org(öffnet im neuen Fenster) im Jahr 2011 32.163 Menschen durch Schusswaffen – das sind 10,3 Tote auf 100.000 Einwohner. In dem Jahr wurden 73.883 Menschen durch Schusswaffen verletzt, das sind 23,71 von 100.000 Einwohnern.

Zum Vergleich: In Deutschland starben 2012 819 Menschen durch Schusswaffen(öffnet im neuen Fenster) , das ist ein Toter (genau: 1,01) auf 100.000 Einwohner. Über Schusswaffenverletzungen macht Gunpolicy.org keine Angaben. Gunpolicy.org(öffnet im neuen Fenster) ist ein Projekt der Fakultät für Gesundheitswissenschaften der Universität von Sydney in Australien.

Mehr Verantwortung

Wenn es schon kein Waffenverbot oder keine intelligente Waffe gibt, sollten die Besitzer von Feuerwaffen wenigstens mehr Verantwortung zeigen: Dafür tritt in den USA die Initiative Evolve Together(öffnet im neuen Fenster) ein. Wenn Schusswaffen schon zu Hause aufbewahrt werden, sollen sie sicher weggeschlossen sein.

Kinder spielen mit allem, was sie finden – Evolve Together
Kinder spielen mit allem, was sie finden – Evolve Together (00:30)

Evolve hat Verhaltensregeln aufgestellt(öffnet im neuen Fenster) , die Waffenbesitzer unbedingt befolgen sollen. Dazu gehört auch, dass vernünftige Waffenbesitzer bei anderen für dieses Anliegen werben. Das soll auch ohne Gesetzesänderungen Waffenmissbrauch, Gewalt und Verletzungen verringern, denn (so lautet der Slogan eines witzigen Werbespots von Evolve): Wenn die Kinder eine Waffe finden, spielen sie damit. Auch wenn es in dem Spot keine Waffen sind, mit denen sich der Nachwuchs vergnügt. Mit einer Signaturwaffe richten sie im Zweifelsfall weniger Schaden an.


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