Die fühlende AGI im Froschkostüm
Lilypad ist tatsächlich dieser echte Bösewicht im Kinderzimmer, der zum Wohle des Kindes besser ausgeschaltet werden sollte. Das Tablet hat ebenso ein Selbstbewusstsein wie die regulären Spielzeuge, zusätzlich aber noch vollen Internetzugriff und totale Kontrolle über die Konten seiner Nutzerin. Es lügt und betrügt eigenwillig – ohne digitale Sicherheitsschranken. Online nimmt es sogar fremde Identitäten an, schreibt in Bonnies Namen. Alles selbstbestimmt. Und die Menschen wissen davon nichts.
Als lebendes Wesen ist das Tablet immer wach, solange es mit Strom versorgt wird. Es ist also auch ein Überwachungsapparat, der vor allem Bonnie ständig analysiert und manipuliert, sie andauernd an seinen Bildschirm fesseln will. Wir haben es hier mit dem perfekten KI-Albtraum im Kinderzimmer zu tun.
Am schlimmsten daran ist jedoch, dass Pixar all diese Dinge eher beiläufig passieren lässt, im Film jedoch nie ausreichend adressiert, wie falsch und verwerflich sie eigentlich wirklich sind.
Pixar vermeidet einen klaren Standpunkt
Ein wenig liegt das an der DNA von Toy Story. Hier sind schließlich alle Spielzeuge lebendige, fühlende Objekte, selbst eine Gabel(öffnet im neuen Fenster) mit aufgeklebtem Gesicht aus Stofffetzen. – Warum das Tablet mit Froschgesicht also nicht auch? Es muss demnach nicht gleich eine AGI zuzüglich digitaler Empfindungsfähigkeit drinstecken, obwohl das aufs Gleiche hinausliefe. Und das ist jetzt ein Problem in Toy Story 5.
Pixar vermeidet es, eine deutliche Linie zu ziehen zwischen liebenswerten Spielzeugwesen mit naiver Weltanschauung und empfindungsfähigem KI-Bewusstsein, das eigenständige Entscheidungen trifft. Deswegen wird Lilypad als KI oder AGI im Film nie so benannt. Pixar behandelt das Tablet, als wäre es bloß ein weiteres Spielzeug mit echter Seele, das im Herzen doch nur das Beste für sein Kind erreichen möchte.
Spoiler-Warnung Nummer 2: Jetzt verraten wir das Ende von Toy Story 5 und ordnen es ein.


