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Small Modular Reactors: Kernspaltung tief unter der Erde löst Probleme

In kilometertiefen Bohrlöchern sind Druck und Abschirmung bereits gegeben. Das soll die Kosten von Atomkraft senken und die Sicherheit erhöhen.
/ Mario Petzold
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Eine Grafik illustriert die Pläne von Deep Fission, aber weder die Anzahl der Bohrungen noch die Tiefe sind maßstabsgetreu. (Bild: Deep Fission)
Eine Grafik illustriert die Pläne von Deep Fission, aber weder die Anzahl der Bohrungen noch die Tiefe sind maßstabsgetreu. Bild: Deep Fission

Deep Fission, ein Start-up, das winzige Atomreaktoren anderthalb Kilometer unter der Erde betreiben will, hat das Interesse an 12,5 Gigawatt Leistung(öffnet im neuen Fenster) aus seinen noch nicht einmal ansatzweise gebauten Kernkraftwerken bekanntgegeben. Unter anderem für Rechenzentren soll der zukünftige Strom bereits verplant sein.

Die Idee von Deep Fission bietet einige offenkundige Vorteile. Befindet sich der Reaktor wie geplant in circa 1.500 m Tiefe, wird kein zusätzlicher Strahlenschutz benötigt. Außerdem findet der angedachte Druckwasserreaktor in dieser Tiefe natürlicherweise den nötigen Druck, so dass das Risiko von Unfällen minimiert wird.

Kommt es dennoch zu einem Unfall, könnte man die Bohrung versiegeln und das Problem wäre bereits tief unter der Erde vergraben. Gründe gab es also genug, dass sich IEEE Spectrum(öffnet im neuen Fenster) , die Zeitschrift des weltweit größten technischen Berufsverbandes, die Idee, die bereits 2024 veröffentlicht wurde, genauer angeschaut hat.

Bewährte Technik in neuem Umfeld

Deep Fission setzt nicht auf eine neue, revolutionäre Reaktortechnik, sondern will mit einem Druckwasserreaktor den weltweit häufigsten Typ einsetzen. Dieser lässt sich außerdem kompakt genug bauen, ihn in einem kaum 1 m breiten Bohrloch hinabzulassen. Als Brennstoff kommt lediglich schwach angereichertes Uran zum Einsatz.

Ohne Abschirmung und ohne spezielle Druckgefäße soll schließlich der Preis für den erzeugten Strom laut Deep Fission 70 bis 80 Prozent unter klassischen Atomkraftwerken liegen, sondern eher auf dem Niveau von Kohlekraftwerken, allerdings ohne CO 2 -Abgabe.

Hinzu käme der natürlich vorhandene Schutz vor Wirbelstürmen, Flutkatastrophen oder Terrorismus. Und sollte ein Erdbeben den Reaktor beschädigen, wird er versiegelt. Kontaminierte Bauteile verbleiben tief unter der Erde.

Kaum absehbar, wann die Produktion startet

Schon 2026 will das Start-up mit dem Bau beginnen, bei einer Bauzeit von 6 Monaten. Danach soll der erste Minireaktor in Betrieb gehen, der allerdings nur 15 Megawatt Leistung aufweisen soll. Erst Hundert davon hätten die Leistung eines typischen Atommeilers. Mehr als 800 wären für die angekündigten 12,5 Gigawatt nötig.

Hier sind also erste Zweifel angebracht. Laut IEEE Spectrum gibt es außerdem viele regulatorische Unsicherheiten. Zwar sei der Reaktortyp bestens vertraut, so der Verband, aber Deep Fission lässt Komponenten weg, muss das gesamte System fernsteuern und will einen Wasserkreislauf mit mehreren Kilometern Länge betreiben.

Die geologische Stabilität der Bohrungen und die Sicherheit von Grund- und Tiefenwasser zählen zu weiteren Risiken, die beachtet werden müssten. Hinzu kommt, dass weiterhin unklar ist, wie Wartung des Reaktors und die Befüllung mit Spaltmaterial vonstattengehen sollen. Die Zulassung des Reaktors dürfte deshalb keineswegs selbstverständlich sein.

Nichtsdestotrotz steht der Plan, den Bau des ersten Reaktors 2026 abgeschlossen zu haben. Am Geld zumindest dürfte das Projekt vorerst nicht scheitern. Das US-Energieministerium unterstützt zehn Start-ups(öffnet im neuen Fenster) für sogenannte Small Modular Reactors mit insgesamt 900 Millionen US-Dollar. Eines davon ist Deep Fission.


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