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Renaissance der Atomkraft: US-Regierung hat das Shiny-Object-Syndrom

In den nächsten 25 Jahren wird die Leistung aus Atomkraft in den USA sinken. Zwar will die Regierung neue Kraftwerke bauen, macht es aber falsch.
/ Mario Petzold
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Das Kernkraftwerk Three Mile Island. Einer der Blöcke wurde 1979 nach einem Zwischenfall stillgelegt. (Bild: AFP via Getty Images/Andrew Caballero-Reynolds)
Das Kernkraftwerk Three Mile Island. Einer der Blöcke wurde 1979 nach einem Zwischenfall stillgelegt. Bild: AFP via Getty Images/Andrew Caballero-Reynolds

Das US-Energieministerium(öffnet im neuen Fenster) hat seine Prognose für die Entwicklung des US-amerikanischen Energiemarkts veröffentlicht. Darin sinkt in den meisten möglichen Szenarien die absolute Menge an Strom aus Atomkraft.

Das steht im Gegensatz zum Vorhaben der Regierung von Donald Trump, der mit einer Reihe von Verfügungen einen Ausbau der Atomkraft in den USA erreichen wollte. Stattdessen könnte eine Leistungszunahme durch das Handeln der Verantwortlichen komplett ausbleiben, während alte Kraftwerke irgendwann vom Netz genommen werden müssen.

Wie es zu dieser Situation kommen konnte, hat das Wall Street Journal(öffnet im neuen Fenster) (Paywall) analysiert. Es diagnostiziert bei den Verantwortlichen das Shiny-Object-Syndrom, mithin ein Verhalten, bei dem sich Personen für neue, besondere Objekte begeistern, aber das eigentliche Ziel aus den Augen verlieren.

Small Modular Reactors könnten zum Problem werden

Demnach werden Gelder vor allem an Start-ups vergeben, die mit neuen Kernkraftwerkskonzepten einen Durchbruch erzielen wollen. Keines der geförderten Projekte ist bereits technisch ausgereift.

Es ist derzeit völlig unklar, ob die größtenteils als Small Modular Reactors konzipierten Kernkraftwerke tatsächlich konkurrenzfähigen Strom liefern können. Eine Studie der TU Berlin zeigt beispielsweise, dass tausende solcher Minikraftwerke gebaut werden müssten, bis ausreichend Erfahrung bei der Serienproduktion besteht, um überhaupt bezahlbaren Strom produzieren zu können.

Aber auch aktuell besteht laut Wall Street Journal ein ähnliches Problem. Unter den insgesamt aktiven 96 Kernkraftwerken in den USA finden sich 50 unterschiedliche Typen. Fast nie wurde demnach ein erfolgreich errichtetes Kraftwerk an anderer Stelle erneut gebaut, um von bestehenden Erfahrungen zu profitieren.

Stattdessen sei stets versucht worden, ein besseres und moderneres Kraftwerk zu errichten. Beim Ziel der Energiesicherheit stand demnach auch früher schon ein schöneres, glänzenderes Kraftwerk im Weg.

Konventionelle Versuche scheitern ebenfalls

Gleichzeitig fasste die US-Regierung den Plan, zehn bereits bestens vertraute Reaktoren vom Typ AP1000 des US-Herstellers Westinghouse bauen zu lassen. Der Auftrag hätte einen Gesamtwert von 80 Milliarden US-Dollar.

Dem Bericht zufolge kam in den letzten acht Monaten jedoch kein Vertrag zustande. Trotz vorhandener Erfahrung gab es bei den beiden zuletzt fertiggestellten Reaktoren starke Kostensteigerungen, die Westinghouse in die Insolvenz geführt hatten.

Somit soll das Risiko, erneut Kostensteigerungen zu erleben, während die zu erwartenden Gewinne vergleichsweise gering ausfallen dürften, für die neuen Eigentümer zu hoch sein. Allenfalls eine komplette Übernahme der Risiken durch den Staat inklusive einer Deregulierung im Bereich Kernenergie könnte den Bau attraktiv machen.

Ganz abwegig ist das nicht, denn für die Entwicklung der Small Modular Reactors wurden zuletzt zahlreiche Sicherheitsvorschriften aufgehoben. Unter anderem müssen Reaktortests nicht mehr zwingend auf dem Gelände staatlicher Kernforschungsanlagen durchgeführt werden.


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