Small Modular Reactor: Schweden bekommt drei kleine Atomreaktoren
Der britische Technologiekonzern Rolls-Royce(öffnet im neuen Fenster), der unter anderem Flugzeugturbinen und Atomreaktoren für U-Boote herstellt, hat den Zuschlag bekommen, an Schwedens Westküste drei sogenannten Small Modular Reactors (SMR) zu errichten.
Dabei handelt es sich um kleine, modular und möglichst in Serie gefertigte Atomreaktoren. Insgesamt sollen 1.500 Megawatt (MW) Kraftwerksleistung gebaut werden.
Wirklich klein werden die Reaktoren damit nicht, denn mit je 500 MW liegen sie leistungstechnisch deutlich über der häufig angesetzten Spanne von 20 bis 300 MW. Da die Ausschreibung laut Projektseite(öffnet im neuen Fenster) offen gestaltet war, hätten auch ein großer oder viele kleine Reaktoren gebaut werden können. Es wurde sich offenbar für den Mittelweg entschieden.
Die drei Kraftwerke sollen auf der Halbinsel Värö südlich von Göteborg errichtet werden. Dort befindet sich bereits das AKW Ringhals mit vier Reaktorblöcken, von denen zwei bereits wieder abgeschaltet wurden. Netzanschluss und ein gesichertes, ohnehin kontaminiertes Areal sind damit vorhanden.
Kosten kaum abschätzbar
Mit einem Abschluss der Bauarbeiten wird laut Rolls-Royce Mitte des kommenden Jahrzehnts gerechnet. Demnach könnte die Errichtung weniger als zehn Jahre dauern.
Über die Kosten ist nichts Genaues bekannt. In einer Mitteilung der britischen Regierung(öffnet im neuen Fenster) wird allerdings von einem Geschäft mit einem Volumen von mehreren Milliarden britischen Pfund gesprochen.
Schon 3 Milliarden Pfund wären 3,5 Milliarden Euro, was für 1.500 MW in jedem Fall akzeptabel erscheint. Kernkraftprojekte in den letzten Jahren zeigten aber, dass anfängliche Kostenschätzungen sehr schnell nach oben korrigiert werden können.
Weder klein noch modular
Am Ende könnte Schweden alle Nachteile einkaufen, die große wie kleine Atomreaktoren mit sich bringen. Denn je größer ein solcher Reaktor konstruiert ist, umso effizienter lässt er sich betreiben und umso günstiger wird der produzierte Strom.
Bei SMRs liegt der Vorteil allein bei den niedrigeren Baukosten, sofern eine Serienfertigung erreicht wird. Zwar ist bei Rolls-Royce genau davon die Rede, letztlich handelt es sich jedoch nur um drei Reaktoren, die zudem wegen der dennoch hohen Leistung aus großen und schwer zu transportierenden Komponenten bestehen.
Damit wird sich kaum ein Kostenvorteil ergeben. Eine Studie der TU Berlin kommt zu dem Schluss, dass mindestens eintausend solcher Kraftwerke gebaut werden müssten, bevor durch Optimierung der Herstellungsprozesse der produzierte Strom günstiger würde als aus einem großen AKW.
Hinzu kommt, dass die klassischen Probleme der Kernkraft, von der kaum möglichen Regelbarkeit über den Uranabbau und die Endlagerung bis zur Gefahr verheerender Unfälle, auch bei einem SMR bestehen.
- Anzeige Hier geht es zu Erneuerbare Energien und Klimaschutz bei Amazon Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.


