Small Modular Reactor: Mit Kernenergie ist zu rechnen
Betreiber von Rechenzentren suchen nach Möglichkeiten, den enorm wachsenden Stromverbrauch zunehmend umweltverträglich zu decken. Microsoft, Google und Amazon setzen dabei auf neue Kernkraftwerke beziehungsweise kaufen sich in bestehende ein. Der texanische Entwickler Aalo Atomics(öffnet im neuen Fenster) geht einen noch konsequenteren Weg.
Er errichtet auf dem Gelände des Idaho National Laboratory (INL)(öffnet im neuen Fenster) in Idaho Falls ein Mini-Kernkraftwerk, einen sogenannten Small Modular Reactor (SMR), den er selbst entwickelt hat. Später soll gleich daneben ein großes Rechenzentrum entstehen, das den erzeugten Strom abnimmt.
Inbetriebnahme 2026 geplant
Das INL ist eine Forschungsanlage des US-Energieministeriums, was die Baugenehmigung erleichtert. Bereits im nächsten Jahr soll die Anlage "Null-Kritikalität" erreichen, das heißt, es werden gerade so viele Uran-235-Atomkerne gespalten, dass die dabei entstehenden Neutronen ausreichen, um weitere Kerne zu spalten. Es gibt eine Kettenreaktion, doch es wird noch keine Wärme produziert. Das soll sich dann Schritt für Schritt ändern, und letztlich wird tatsächlich Strom produziert.
Ein Winzling im Vergleich zu Großkraftwerken
Der Aalo-X hat eine elektrische Leistung von zehn Megawatt, ist also im Vergleich zu heutigen Kernkraftwerken, die 1.500 Megawatt und mehr erreichen, ein Winzling. Fünf davon werden beim späteren kommerziellen Einsatz in einem Block zusammengefasst, für die es allerdings nur einen Turbogenerator zur Stromerzeugung gibt.
Das dient auch der Versorgungssicherheit. Wenn ein Reaktor ausfällt, sind immer noch vier in Betrieb. Wenn eine dieser Pod genannten Anlagen für die Versorgung eines großen Rechenzentrums nicht ausreicht, sollen gleich mehrere errichtet werden. Die modulare Bauweise des Kernkraftwerks ermöglicht sowohl die spätere Erweiterung einer bestehenden Anlage als auch den Bau von beliebig großen Rechenzentren. An einem Standort können zwei, zehn oder noch mehr nukleare Stromerzeuger errichtet werden, was auch für die Versorgung ganzer Städte reicht.
Natrium ist leicht entzündlich
Die Wärme, die im Reaktorkern erzeugt wird, transportiert flüssiges Natrium zu einem Wärmetauscher. Dort gibt es seine Energie an Wasser ab. Der entstehende Dampf treibt einen Turbogenerator zur Stromerzeugung an. Natrium ist allerdings ein tückisches Metall. Wenn es mit Wasser in Berührung kommt, fängt es explosionsartig Feuer. Deshalb hat Aalo hohen konstruktiven Aufwand betrieben, derartige Kontakte zu verhindern, unter anderem durch doppelwandige Rohre.
Bisher sind fast alle kerntechnischen Anlagen, die Natrium als Kühlmittel einsetzten, sogenannte schnelle Brutreaktoren, gescheitert, weil es Brände gab. Betroffen waren Frankreich, die USA und Japan. Ein deutscher Reaktor dieser Bauart wurde nicht fertiggestellt. Russland hat allerdings gezeigt, dass es doch klappt. Dort laufen zwei schnelle Brutreaktoren.
Aalo-X wird in einer Fabrik komplett montiert
Der kleine Reaktor und seine Peripherie wie Dampferzeuger und Pumpen werden in einer kürzlich fertiggestellten 3.700 Quadratmeter großen Halle komplett zusammengebaut. Die Komponenten werden dann per Tieflader zum Standort im INL gefahren und dort miteinander verbunden.
Die zentrale Produktion soll die Kosten drastisch reduzieren. Im kommerziellen Betrieb sollen die Stromgestehungskosten bei kaum glaublichen drei US-Cent pro Kilowattstunde liegen.
Aalo-X reiht sich in eine breite Phalanx von Mini-Reaktoren ein, die zunehmend gefragt sind. Mehrere europäische Staaten sowie die USA und Kanada haben konkrete Pläne für solche Anlagen, die teilweise schon im Genehmigungsverfahren stecken. Es besteht die Hoffnung, dass diese Kernkraftwerke billiger sind als Großanlagen, bei denen die Kosten während des Baus oft aus dem Ruder laufen.
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