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Slay the Spire 2, Balatro und Co.: Indie-Kartenspielhits für Millionen

Slay the Spire 2 legt auf Steam einen Rekordstart hin. Was seinen Erfolg ausmacht, was am Genre begeistert, die besten anderen Titel der Nische.
/ Rainer Sigl
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Das unscheinbare Indie-Game Slay the Spire 2 hat es in kürzester Zeit auf eine rekordverdächtige Spielerzahl gebracht. (Bild: Mega Crit)
Das unscheinbare Indie-Game Slay the Spire 2 hat es in kürzester Zeit auf eine rekordverdächtige Spielerzahl gebracht. Bild: Mega Crit
Inhalt
  1. Slay the Spire 2, Balatro und Co.: Indie-Kartenspielhits für Millionen
  2. Aufstieg der Indie-Kartenspielhits

Der Seitenhieb kam fieser rüber als eigentlich ursprünglich beabsichtigt: "Herzlichen Glückwunsch an das Marathon-Team zum Launch! Lasst euch kleine Indie-Leidenschaftsprojekte wie dieses nicht entgehen, nur weil Slay the Spire 2 gerade draußen ist." Der eigentlich sarkastisch gemeinte Tweet des Entwicklerteams des Kartentaktikspiels Slay the Spire 2 galt dem am selben Tag erschienenen und heiß erwarteten neuen Shooter von Bungie, legendäres Entwicklerstudio von Halo und Destiny.

Dessen millionenschwerer AAA-Titel Marathon erreichte zum Launch respektable 88.000 gleichzeitige Spieler auf Steam; das unscheinbare Indie-Game brachte es hingegen historisch rekordverdächtig in kürzester Zeit auf eine knappe halbe Million. Kartenspiel schlägt Hochglanz-Shooter; wer hätte das gedacht?

Ganz aus dem Nichts kommt dieser Erfolg nicht. Schon der 2019 erschienene Vorgänger war mit knapp drei Millionen auf verschiedenen Plattformen verkauften Einheiten ein Indie-Phänomen. Der Nachfolger, dessen Early-Access-Start erst im Herbst letzten Jahres aufs Frühjahr verschoben werden musste, war schon heiß erwartet worden. Trotzdem überrascht der jetzige spektakuläre Verkaufsrekord nicht nur die Macher selbst.

Besser, größer, mehr

Slay the Spire 2 ist weniger Fortsetzung als erweiterte Neuauflage seines Vorgängers – eine gute Nachricht sowohl für Fans als auch für neugierige Einsteiger. Dabei vermischt das Spiel Elemente aus Kartentaktik, Deckbuilding und Roguelikes zu einem hochmotivierenden Mix.

Als einer von insgesamt fünf verschiedenen Charakteren mit jeweils eigenem Karten-Set startet man in eine Abfolge von taktischen Duellen gegen kleine und große Fantasy-Gegner. Die eigenen Karten stehen dabei für Attacken, Zauber und Buffs.

Im Verlauf einer Partie kann man sich durch Einsammeln, Upgraden und Ausmustern von Karten ein möglichst gut ausbalanciertes Deck zusammenstellen – im Unterschied zu analogen Genre-Vertretern, den Sammelkartenspielen wie Magic: The Gathering, Yu-Gi-Oh! oder Pokemon, und ihren digitalen Nachfahren – entsteht es aber nicht vorab, sondern bei jedem Run neu.

Die Anleihen beim Roguelike-Genre sorgen für Abwechslung im Spielverlauf: Die Abfolge von Gegnern, auffindbaren Gegenständen und Karten sind jedes Mal zufällig, ein Tod wirft ganz an den Anfang zurück. Weil jedes Ableben aber neue Karten, Storyschnipsel und Optionen freischaltet, verschmerzt man das ganz gut.

Jedes Mal anders

Der größte Reiz an Slay the Spire, am ersten wie auch zweiten Teil, liegt in seinem Abwechslungsreichtum und seiner überraschenden taktischen Spieltiefe: Keine zwei Partien gleichen einander, die unterschiedlichen Monster, aber vor allem auch Spielfiguren fordern zu immer neuen Strategien und Herangehensweisen heraus.

Viele Kartenkombinationen bieten spektakuläre und überraschende Synergieeffekte, die zahlreichen verschiedenen Bosskämpfe sind wie knifflige Puzzles, die jeweils eigenes Vorgehen erfordern. Das motiviert: Die durchschnittliche Gesamtspielzeit schon des ersten Teils lag statistisch bei über 70 Stunden (!).

Die größte Neuerung in Slay the Spire 2 ist der Multiplayer-Modus, in dem man per Online-Koop mit bis zu drei weiteren Freunden in den Kampf aufbrechen darf. Im voraussichtlich ein bis zwei Jahre dauernden Early Access soll noch am Balancing gefeilt werden. Abgesehen davon bietet der zweite Teil schon jetzt denselben teuflisch motivierenden Gameplay-Loop wie der – nebenbei bemerkt: immer noch absolut empfehlenswerte – Vorgänger – und wie andere große Erfolge der überraschend populären Nische.


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