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Skythe: Russische Nuklearwaffen auf dem Meeresgrund?

Die Nato beobachtet ein russisches Schiff im Nordpolarmeer mit wachsender Sorge. Der Verdacht: Es könnte Atomraketen auf dem Meeresgrund verstecken.
/ Andreas Donath
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Das geheime russische Militärprogramm trägt den Namen Codenamen Skythe - hier ein Skythischer Bogenschütze auf einem Deckel des griechischen Vasenmalers Epiktetos. (Bild: KI-generiert mit OpenAI Image 2.0)
Das geheime russische Militärprogramm trägt den Namen Codenamen Skythe - hier ein Skythischer Bogenschütze auf einem Deckel des griechischen Vasenmalers Epiktetos. Bild: KI-generiert mit OpenAI Image 2.0

Westliche Geheimdienste verfolgen ein scheinbar gewöhnliches russisches Schiff mit hoher Aufmerksamkeit. Die Zvezdochka, zu Deutsch "Sternchen", ist 96 Meter lang und im Arktishafen Sewerodwinsk(öffnet im neuen Fenster) stationiert. WDR und NDR zufolge(öffnet im neuen Fenster) vermuten NATO-Kreise, das Schiff sei Teil eines geheimen russischen Militärprogramms mit dem Codenamen Skythe. Dessen Ziel: ballistische Raketen mit nuklearen Sprengköpfen in Silos auf dem Meeresgrund versenken, wo sie unentdeckt lagern und per Fernzündung abgefeuert werden könnten.

Raketen in Hunderten Metern Tiefe

Das Programm soll modifizierte Raketen in mehreren Hundert Metern Wassertiefe platzieren. Die Skif basiert laut westlichen Geheimdienstquellen auf der R-29RMU Sineva(öffnet im neuen Fenster), die russische U-Boote bereits nutzen, und soll eine Reichweite von mehreren Tausend Kilometern haben. Erste Tests hätten bereits vor Jahren stattgefunden. Als Trägersystem gilt neben der Zveztschka ein spezialisiertes U-Boot namens Sarov.

Alte Idee neu aufgegriffen

Das Konzept ist nicht neu. Ein Pentagon-Papier von 1980 prüfte unter dem Namen Project Orca(öffnet im neuen Fenster) eine nahezu identische Idee, inklusive detaillierter Skizzen von Silos, die bei Bedarf auftauchen und Raketen starten. Die USA verfolgten den Ansatz letztlich nicht weiter: Das Hauptproblem war die sichere Kommunikation mit versenkten Raketen, ohne deren Position zu verraten. Russland dagegen habe das Konzept kontinuierlich weiterentwickelt, so Nato-Insider.

Abschreckung ohne Besatzung

Helge Adrians, Marineoffizier und Gastwissenschaftler bei der Stiftung Wissenschaft und Politik, erkennt hinter dem Ansatz eine klare Logik laut NDR-Bericht. Unterwassersilos könnten die nukleare Abschreckung gewährleisten, ohne die enormen Kosten für U-Boot-Besatzungen und -betrieb. Die Kehrseite seien erhebliche technische Hürden: Sedimentablagerungen, Meeresströmungen, Stromversorgung und abhörsichere Kommunikation schränkten jeden großflächigen Einsatz erheblich ein.

Politische Wirkung und militärische Macht

Militärhistoriker Matthias Uhl verweist gegenüber dem NDR auf ein wiederkehrendes Muster in Russlands Kommunikation über Waffensysteme. Als Putin 2018 sechs neue Waffensysteme vorstellte, darunter Hyperschallraketen und einen nuklearbetriebenen Torpedo, ging es ebenso um politische Wirkung wie um militärische Macht.

Völkerrechtliche Grauzone

Rechtlich ist die Lage eindeutig. Der Meeresbodenvertrag von 1971, den sowohl die USA als auch die Sowjetunion und rund 80 weitere Staaten unterzeichnet haben, verbietet die Stationierung von Nuklearwaffen auf dem Meeresboden in internationalen Gewässern. Er gilt jedoch nicht für Hoheitsgewässer, und Projekt Skythe soll sich auf russische Küstenzonen beschränken.

Ob tatsächlich Raketen auf dem Meeresgrund liegen, bleibt offen.


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