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Tesla nicht Musks Lieblingsprojekt

"Elon Musk kam nur alle zwei Wochen einen Tag zu Tesla" , erinnert sich Balan. Jiang berichtet: "Direkt von Elon gemanagt zu werden, ist schwierig. Er versteht meist gar nicht, was man im Detail macht, hat aber zu allem eine starke Meinung. Viele Mitarbeiter ignorieren seine Anweisungen deshalb meistens, weil sie sonst ihre Arbeit nicht richtig machen könnten."

Craig Davis, früherer Vertriebsleiter in Europa, ist der Meinung: "Tesla ist nicht Elons Lieblingsprojekt. Die meiste Zeit investiert er in SpaceX. Ich glaube, Tesla ist Teil eines größeren Plans von Elon, nämlich die technischen Voraussetzungen und das nötige Geld für den Weg ins All zusammenzubringen." Auf diesem Weg hat Musk bekanntlich den Börsenwert von Tesla so hoch getrieben, dass er damit den Kauf von Twitter finanzieren konnte.

Musk wird zum Trump-Unterstützer

Diesem Börsenwert konnten bislang die tödlichen Autopilot-Unfälle, der Flop mit dem Cybertruck und die rückläufigen Verkaufszahlen nichts anhaben. Dazu beigetragen hat nach Ansicht der Doku die finanzielle und persönliche Unterstützung, die Musk im Präsidentschaftswahlkampf 2024 dem republikanischen Kandidaten Donald Trump zukommen ließ.

Musk habe damit die Untersuchungen stoppen wollen, die mehrere US-Behörden unter der Regierung Joe Bidens gegen ihn gestartet hatten. Das sagt auch Cummings: "Ich bin absolut überzeugt, dass er Donald Trump gekauft hat, um die Ermittlungen gegen sich zu stoppen. Es liefen so viele Untersuchungen gegen ihn, dass es viel einfacher und vermutlich auch günstiger war, Trump zu unterstützen, als sich all diesen Ermittlungen zu stellen."

Transhumanismus im Silicon Valley

Zu guter Letzt versucht Pichler noch, die Ideen Musks in den ideologischen Hintergrund des Silicon Valley einzuordnen – in den Versuch, sämtliche Probleme der Menschheit mit der Hilfe von Technik zu lösen. "Musk ist nicht nur ein Longtermist, sondern auch ein Transhumanist. Er vertritt die Ideologie, dass wir fortschrittliche Technologien entwickeln und nutzen sollen, um eine neue, posthumane Spezies zu erschaffen" , sagt der Philosoph Émile P. Torres(öffnet im neuen Fenster) . Seine Schlussfolgerung: "Wenn man glaubt, man hätte eine kosmische Mission und sei der Messias, der die Zukunft der gesamten Menschheit bestimmen kann, dann ist auch die Macht, die einem zusteht, grenzenlos. Wenn der Zweck die Mittel heiligt und das Ziel eine Utopie ist, was wäre dann Tabu, um diese Utopie zu erreichen? Nichts!"

Musk als treibende Kraft der riskanten Strategie

Insgesamt zeichnet der Film ein gutes Bild von der Radikalisierung Musks, die den Tesla-Chef bis zu dem umstrittenen Hitlergruß nach der Amtsübernahme Trumps führte. Dabei sollte sich die Doku ursprünglich nur um die sogenannten Tesla-Files und den Whistleblower Krupski drehen. "Ab dem Zeitpunkt aber, als klar war, dass er in der Regierung Trump mit Doge ein aktives Mandat annehmen würde, haben wir uns gesagt, dass wir nun einen komplett anderen Film machen müssen" , sagt Produzent Christian Beetz laut Pressematerial. Ab dem Zeitpunkt sollte Elon Musk in den Mittelpunkt.

Die Aussagen der Gesprächspartner machen deutlich, dass Musk als Firmenchef die riskante Autopilotstrategie bewusst vorangetrieben und gegen interne und externe Kritiker durchzusetzen versucht hat. Erklären kann Pichler die Wandlung vom sympathischen Klimaschutzaposten zum hasserfüllten AfD-Unterstützer hingegen nicht.

Schwer erträgliches Material

Manches Material, wie die Bilder der Notfallhelfer beim Unfall in Florida, ist dabei etwas zu voyeuristisch geraten. Nicht ganz überzeugend ist zudem der breite Raum, den die Witwe eines getöteten Tesla-Fahrers aus Mecklenburg-Vorpommern einnimmt. Der Mann war mit seinem Auto auf einer Landstraße auf gerader Strecke von der Straße abgekommen und gegen einen Baum geprallt.

Es ist unklar, ob zum Zeitpunkt des Unfalls der Autopilot aktiviert war, weil Tesla bislang keine Daten zu dem Vorfall herausgegeben hat. Allerdings wäre es recht leichtsinnig gewesen, sich auf einer der vielen ungesicherten Alleen in Ostdeutschland auf den Autopiloten zu verlassen. Die Tatsache, dass ein Ersthelfer nicht in der Lage war, die Autotür von außen zu öffnen, verweist hingegen auf ein allgemeines Problem der Branche , das inzwischen schon von der chinesischen Regierung angegangen wurde .

Zudem macht der Film deutlich: Trotz aller visionären Ideen sind Menschen wie Musk auf Tausende von Mitarbeitern angewiesen, die diese Pläne konkret umsetzen. In diesem Sinne unterscheidet sich ein Tesla-Ingenieur, der eine unzuverlässige Software auf den Markt bringt, nicht vom VW-Entwickler, der die Abschaltvorrichtung für den Dieselmotor programmiert hat . Was die moderne Technik betrifft, sind wir alle mehr oder weniger Versuchskaninchen geworden.

Der Film läuft erstmals auf Sky Documentaries am 30. Januar 2026 um 21:00 Uhr. An den folgenden Tagen sind weitere 14 Termine geplant(öffnet im neuen Fenster) . Zudem ist der Film auf Abruf verfügbar.


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