Sky ECC: Polizei soll Millionen Chats von Kryptohandys bekommen

Nach Encrochat hatte die Polizei auch den Anbieter Sky ECC gehackt. Die dort angefallene Datenmenge soll viermal so groß sein.

Artikel veröffentlicht am , / dpa
Nach dem Sky-ECC-Hack könnte auch die deutsche Polizei Daten aus dem Hack erhalten.
Nach dem Sky-ECC-Hack könnte auch die deutsche Polizei Daten aus dem Hack erhalten. (Bild: Hannibal Hanschke/Reuters)

Nach der Entschlüsselung der Encrochat-Handys von Kriminellen und der Verhaftung Hunderter Verdächtiger rechnet der Deutsche Richterbund mit dem Erhalt abgeschöpfter Daten eines zweiten Krypto-Handy-Anbieters. Die deutschen Strafverfolger gehen nach Informationen der Deutschen Richterzeitung davon aus, dass die Polizei diese Daten demnächst erhält, wie der Deutsche Richterbund am Montag mitteilte. Der Datenbestand des Verschlüsselungsdienstes Sky ECC soll bis zu viermal so groß sein wie der Encrochat-Fund. Auf die Strafjustiz rolle bereits eine zweite, noch größere Verfahrenswelle zu, so der Bericht.

Im Frühjahr hatte es erste Berichte gegeben, dass die europäische Polizei Europol Ende 2020 die Verschlüsselung von Sky ECC geknackt und viele Millionen Chat-Nachrichten von Nutzern aus der ganzen Welt gesichert habe. In einigen Ländern gab es bereits umfangreiche Razzien.

Gleichzeitig laufen gegen Nutzer des entschlüsselten Krypto-Handy-Dienstes Encrochat in Deutschland inzwischen mehr als 2.700 Ermittlungsverfahren, so der Richterbund mit Bezug auf das Bundeskriminalamt (BKA). Es gehe vor allem um groß organisierten Drogenhandel sowie Handel mit Pistolen und schwereren Schusswaffen.

Encrochat führt zu hoher Verfahrenszahl

In mehr als 1.000 Fällen säßen die Verdächtigen in Untersuchungshaft. BKA-Präsident Holger Münch hatte vor rund einer Woche von mehr als 900 Haftbefehlen gesprochen. Nach Angaben des Berliner LKA gab es in Deutschland rund 4.600 Encrochat-Nutzer.

Nach einer Umfrage der Richterzeitung bei den Bundesländern beschlagnahmte die Polizei bisher mehrere Tonnen Cannabis, hunderte Kilogramm Kokain und mehr als 300 Schusswaffen. Vermögenswerte von mehr als 280 Millionen Euro seien gesichert worden. Wegen der vielen Verfahren und der großen Datenmengen gerät die Justiz unter Druck. Die Ermittlungen müssen zügig geführt werden, weil die Verdächtigen in Untersuchungshaft sitzen, was zeitlich nur begrenzt möglich ist.

In Berlin liefen demnach Mitte Oktober 650 Ermittlungsverfahren. In Hamburg waren es wegen des Hafens, in dem Drogen ankommen, mehr als 200, in Bremen knapp 150 Verfahren. In Nordrhein-Westfalen ermittle die Polizei in hunderten Fällen, ein Schwerpunkt liege mit rund 300 Fällen in Dortmund. Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz meldeten dreistellige Fallzahlen, Sachsen-Anhalt knapp 100 Verfahren. Alle anderen Länder hätten zweistellige Verfahrenszahlen mit steigender Tendenz.

Die Verschlüsselungssoftware der Firma Encrochat galt zunächst als nicht entschlüsselbar und war deshalb wohl auch bei Kriminellen beliebt. Die Polizei in den Niederlanden und in Frankreich knackte im Frühjahr 2020 die Software schöpfte einige Monate lang mehr als 20 Millionen geheimer Chat-Nachrichten ab. Ob und in welchen Umfang die Daten hierzulande für die Strafverfolgung genutzt werden dürfen, ist aber unter Gerichten umstritten. Die Auswertung der Daten wird auch von Datenschützern kritisiert, da der Dienst auch für legale Absicht genutzt werden konnte.

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Engel 20. Nov 2021

Die deutsche Justiz hat die Daten von einer ausländischen Justizbehörde zur Verfügung...

testuser321 17. Nov 2021

Schwieriges Thema...Auf der einen Seite müssen diese Ultra-Kriminellen in Deutschland...

User_x 17. Nov 2021

Wie kommst du drauf dass ich ein rechter Schwurbler wäre? haha, ich bin nicht mal...

franzropen 16. Nov 2021

Bekommt die Polizei auch alle Nachrichten, die über Telekom, Vodafone etc. laufen oder...



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