Sixt Auto+: Wir waschen unser Auto nicht, wir haben ein Abo
Eile war nötig: Eine andere Familie wollte Problemhund Charly abgeben – und wir wollten verhindern, dass der arme Kerl im Tierheim landet. Von einem Tag auf den anderen hatten meine Frau und ich dann eine Fellnase. Ein Auto sollte her. Nach kurzer Überlegung schlossen wir per Smartphone ein Abo bei Sixt(öffnet im neuen Fenster) Auto+ ab. Wir haben es nicht bereut – auch wenn unsere Nachbarn sich über uns wunderten.
Ein Abo fürs Auto bedeutet, dass wir das Fahrzeug wie ein eigenes jederzeit verwenden können. Anders als bei Share-Modellen steht es also nicht auch anderen Personen zur Verfügung. Dafür müssen wir einen festen monatlichen Betrag bezahlen, für unseren Kleinwagen sind das nach einer zwischenzeitlichen Preiserhöhung um 50 Euro nun 470 Euro.
Wer ein besseres oder zumindest größeres Auto will, muss natürlich mehr zahlen. Die gehobene Mittelklasse (BMW 3er) ist ab rund 700 Euro/Monat erhältlich, Premiumlimousinen gibt es für rund 1.300 Euro/Monat. Das günstigste Elektroauto kostet ab 370 Euro im Monat.
Die Entscheidung für Sixt fiel aus einem ganz einfachen Grund: Ein paar Hundert Meter ums Eck von uns ist eine Niederlassung, wir haben dort gelegentlich Autos für Urlaubsfahrten und Verwandtenbesuch gemietet und dabei gute Erfahrungen gemacht.
Es gibt noch weitere Anbieter: Autohersteller wie Ford und Volvo, klassische Vermieter wie Europcar und Start-ups wie Finn(öffnet im neuen Fenster) und Fleetpool(öffnet im neuen Fenster) . Die Angebote sind sich sehr ähnlich. Bei Abos bei einem Autohersteller hat man aber im Normalfall die Sicherheit, mit einem ganz bestimmten Vehikel zu fahren.
In den ersten Wochen fühlte sich das Abo für uns nicht viel anders an als ein kurzer Mietvorgang – irgendwie, dachten wir, kommen wir nach der Anfangszeit mit Charly bestimmt wieder ohne Auto aus. Das stellte sich als falsch heraus, der Vertrag läuft nun seit fast drei Jahren. Insgesamt haben wir seitdem etwas mehr als 16.500 Euro an Sixt bezahlt.
Enthalten ist bei uns eine Freikilometerpauschale von monatlich 500 Kilometern. Jeder zusätzliche Kilometer mit oder ohne Charly im Kofferraum kostet 36 Cent. Das geht bei langen Fahrten in Ferienorte ganz schön ins Geld, 100 Kilometer über dem Limit kosten immerhin 36 Euro.
Den Treibstoff müssen wir selbst bezahlen, alle anderen Kosten sind aber enthalten. Wir müssen uns also nicht um Haftpflicht, Zulassung, Vollkasko- und Diebstahlschutz kümmern und auch keinen Gedanken an TÜV, Wartung und Reparaturen verschwenden. Dazu später noch mehr.
Die gefahrenen Kilometer melden wir einmal im Monat per App an Sixt – das dauert weniger als eine Minute. Die Abrechnung erfolgt automatisch, Unstimmigkeiten sind uns bisher nicht aufgefallen. Die Vertragslaufzeit belief sich anfangs auf zwölf Monate, jetzt könnten wir mit einer Frist von 30 Tagen kündigen. Machen wir aber nicht.
Denn insgesamt sind wir mit dem Abo zufrieden. Selbst der hohe Preis relativiert sich einigermaßen. Wenn wir vor drei Jahren ein Auto gekauft hätten, kämen zum Betrieb allmählich kleine und große Kostentreiber wie TÜV, Wartung, Reparaturen dazu – und gelegentlich auch eine Fahrt durch die Waschstraße.
Die passende Farbe für jeden Tag
Eine Autowäsche hatten wir bislang schlicht nicht nötig, denn bei Sixt werden die Fahrzeuge relativ oft ausgetauscht. Das hat ein paar durchaus kuriose Begleiterscheinungen.
So war das erste Auto ein Renault Clio in Orange-Metallic – wir waren damit ziemlich zufrieden. Nach zwei oder drei Monaten dann ein Anruf von Sixt: Wir erhalten ein anderes Auto. Das war wieder ein Clio, allerdings in Grün-Metallic. Weitere zwei Monate später war erneut ein Tausch nötig. Wieder ein Clio – in Hellblau-Metallic.
Die Nachbarn staunten: Sind die so dekadent, dass sie sich nur aus Styling-Gesichtspunkten regelmäßig ein anderes Auto zulegen oder das Ding regelmäßig neu lackieren? Inzwischen haben wir die Sache mit viel gemeinsamem Gelächter aufgeklärt.
Die Autowechsel laufen immer nach dem gleichen Schema ab: Sixt kündigt sie in einer Mail an, die Details werden dann per Telefon geklärt. Meist können wir zwischen mehreren Fahrzeugen wählen, allzu viele Details werden uns aber nicht genannt. Wir können sagen, dass wir gerne eine Automatik-Gangschaltung hätten, aber nicht die Farbe des Wagens.
Meist werden unsere Wünsche berücksichtigt, aber nicht immer. Einmal war kein Wagen mit Automatik verfügbar, also mussten wir für zwei Monate einen VW Polo mit herkömmlicher Gangschaltung fahren. Einmal wurden uns nur ein Elektro- und ein Verbrenner-SUV angeboten – eigentlich ein Upgrade, denn für beide Vehikel wäre eigentlich ein teurerer Tarif nötig. Der Preis wäre zwar unverändert geblieben, trotzdem lehnten wir das ab.
Wir wollten kein SUV, und für das Modell mit Elektroantrieb fehlt bei uns außerdem leider jegliche Infrastruktur. Nach ein paar Tagen wurde uns dann doch wieder ein kleiner Benziner angeboten.
Für den Tausch fährt ein Mitarbeiter von Sixt mit dem neuen Auto zu uns. Dann wird das bisherige Auto ziemlich gründlich auf Kratzer, Dellen und sonstige Schäden untersucht – wie bei der Rückgabe eines herkömmlichen Mietwagens.
Probleme gab es bislang nicht, obwohl insbesondere der Kofferraum dank Charly und seinem Kumpel Gino immer deutlich sichtbare Hundespuren aufweist. Auch der Fußbereich sieht bei Personen mit Besuchen auf Hundeplätzen einfach nicht so sauber aus wie bei Menschen, die nur zwischen Wohnung und Parkplatz pendeln.
Immerhin nimmt die Frequenz ab, mit der die Autos austauscht werden. Aktuell haben wir einen Citroen C3, und das schon seit etwas mehr als einem halben Jahr. Am Telefon sagte uns Sixt während der Coronapandemie mal, dass es einen eklatanten Mangel an Fahrzeugen gebe – das haben wir schon länger nicht mehr gehört.
Sixt selbst schreibt in seinen Angeboten, dass die Autos "mindestens alle zwölf Monate" gewechselt werden. Wenn das nur noch so selten wäre, müssten wir wohl irgendwann doch in die Waschstraße.
Die Pannenhilfe ist eingepreist
Bisher waren alle unsere Vehikel in neuwertigem Zustand, die Fahrleistung lag nie höher als 15.000 km. Und sie waren bei Anlieferung innen wie außen vollständig gereinigt – jedenfalls bis zu dem Augenblick, in dem Charly ins Spiel kam.
Wichtig: In Schadensfällen können wir uns an Sixt wenden. Das war bislang nur einmal nötig – natürlich auf dem Weg zu einem Hundetraining. Ein großer Nagel hatte sich in einen Reifen gebohrt, wir hatten also einen Platten.
Also riefen wir die Hotline an und tatsächlich: Nach einer halben Stunde kam ein Abschleppwagen angerollt, transportierte das Fahrzeug zur Werkstatt und setzte uns mitsamt Charly in der Nähe unserer Wohnung ab. Drei oder vier Stunden später wurde dann ein anderes Fahrzeug vorbeigebracht. Besser kann so etwas kaum laufen. Extrakosten wurden uns für diesen Service nicht berechnet, das ist alles inklusive.
Was die Freikilometer betrifft: Das ist der Punkt, der uns im Kostengefüge am meisten stört. Wir könnten per App mehr Freikilometer buchen, was in wenigen Augenblick erledigt ist. Für insgesamt 1.000 Kilometer sind 50 Euro fällig, ungenutzte Kilometer können wir in den Folgemonaten verwenden.
Dennoch, bei längeren Fahrten gehen die Extrakosten ganz schön ins Geld. Wir erleben es aber in der Praxis auch als kleinen Vorteil, dass wir einen gewissen finanziellen Anreiz haben, das Auto stehenzulassen und mit S-Bahn oder Fahrrad zu fahren.
Fazit nach fast drei Jahren Sixt-Abo
Die Abwicklung des Auto-Abos per Smartphone, Telefon und bei den persönlichen Übergaben mit den Angestellten von Sixt hat immer problemlos geklappt. Bei Problemen wie der Verfügbarkeit von bestimmten Ausstattungen (Automatik) wurde uns freundlich geholfen. Wenn mal etwas nicht ging, haben wir aber auch nicht auf stur geschaltet und waren flexibel – wir hatten nie Grund, uns zu ärgern.
Die Fahrzeuge waren in einem tadellosen Zustand, allerdings fanden wir nicht alle Modelle richtig gut. Das ist einer der Nachteile von so einem Abo: Wenn ein Auto einfach nicht passt, etwa wegen ungünstiger Ausmaße oder individuell schlechter Sicht, muss man es oft dennoch längere Zeit fahren. Bei der Probefahrt vor einem Kauf wäre uns das sicherlich aufgefallen und wir hätten weitergesucht.
Der andere Punkt sind die Kosten. Ein Abo ist schon ganz schön teuer – oder? Wir haben mal grob die Kosten überschlagen, die ein gekauftes Fahrzeug mit Wertverlust, Versicherungen und Reparaturen mit sich bringt. Es dürfte günstiger sein, aber ganz sicher sind wir da nicht.
Falls etwa mal etwas Größeres kaputtgeht oder wir einen Unfall mit Folgekosten haben, kann die Sache sehr schnell ganz anders aussehen. Wir sind jedenfalls unterm Strich zufrieden mit dem Abo – und mit unserer Entscheidung für Hund Charly, der inzwischen meist ein ganz Lieber ist.
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