Siri-Sprachaufnahmen: Whistleblower bezweifelt Apples Einhaltung des Versprechens

Die irische Datenschutzbehörde hat Fragen rund um Siri an Apple geschickt. Es gibt Vorwürfe eines früheren Whistleblowers.

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Wenn ein iPhone so auf dem Tisch liegt, kann sich Siri auch mal ungewollt aktivieren.
Wenn ein iPhone so auf dem Tisch liegt, kann sich Siri auch mal ungewollt aktivieren. (Bild: Pixabay/CC0)

Ein früherer Vertragspartner von Apple ist an die Öffentlichkeit gegangen, weil er bezweifelt, dass Apple seine Versprechen rund um die Analyse von Sprachaufzeichnungen von Siri einhält. Er hat etliche europäische Datenschutzbehörden in einem offenen Brief über seine Zweifel informiert. In einem ersten Schritt hat die irische Datenschutzbehörde Apple dazu etliche Fragen gestellt, berichtet die New York Times

Thomas Le Bonniec hat nach eigener Aussage von Mitte Mai 2019 bis Mitte Juli 2019 für einen Vertragspartner von Apple gearbeitet, um von Siri aufgenommene Sprachdateien anzuhören und auszuwerten. Damals sorgte die Siri-Enthüllung für Überraschung, weil nicht nur Apple, sondern auch Amazon, Google und Microsoft ihre Kunden nicht darauf aufmerksam gemacht hatten, dass bei allen Sprachsteuer-Cloud-Diensten Menschen die Sprachbefehle nachträglich anhören.

Apple hatte das Mithören der Siri-Sprachaufnahmen dann zunächst gestoppt und nach eigenen Angaben erst wieder nach einem Software-Update des Betriebssystems damit weitergemacht. Seitdem würden Sprachaufnahmen durch Menschen erst nach ausdrücklicher Bestätigung durch den Kunden angehört.

Whistleblower fordert Kontrolle über Apple

Zudem hatte Apple zugesichert, dass die Auswertung der Siri-Sprachbefehle nur noch durch Apple-Mitarbeiter selbst und nicht mehr durch Subunternehmer erfolge. Für die Textversion der Sprachbefehle würden aber weiterhin Subunternehmer eingesetzt. Le Bonniec bezweifelt die Aussagen und bezieht sich dabei auf Personen, die in diesem Bereich für Apple tätig sind. In dem vom Standard bereitgestellten Brief ruft er die europäischen Datenschutzbehörden dazu auf, zu prüfen, ob sich Apple an die Versprechen hält.

"Es ist besorgniserregend, dass Apple (und zweifellos nicht nur Apple) weiterhin Grundrechte ignoriert und verletzt und massiv Daten sammelt. Ich bin äußerst besorgt darüber, dass große Technologieunternehmen im Grunde ganze Bevölkerungen abhören, obwohl den europäischen Bürgern gesagt wird, dass die EU eines der strengsten Datenschutzgesetze der Welt hat", heißt es von Le Bonniec.

Apple hat viel Privates belauscht

Es sei nichts unternommen worden, um zu überprüfen, ob Apple tatsächlich aufgehört hat, Sprachaufnahmen ohne Wissen und Einverständnis der Kunden durch Menschen nachträglich anhören und analysieren zu lassen. Als er für Apple arbeitete, hatte er täglich Hunderte von Aufnahmen von iPhones, iPads oder Apple Watches angehört. Diese Aufzeichnungen erfolgten oft ohne eine bewusste Aktivierung von Siri. Dabei erhielten die für Apple tätigen Mitarbeiter auch vertrauliche Informationen.

Er habe gehört, wie sich Menschen über ihre Krebserkrankung unterhielten und er belauschte Gespräche über tote Verwandte, Religion, Sexualität, Pornographie, Politik, Schule, Beziehungen oder Drogen. Außerdem seien Siri-Sprachbefehle mit persönlichen Daten wie Telefonnummern, Adressen, Notizen, Terminen, Fotos oder Wiedergabelisten verknüpft und in Datenbanken gespeichert worden.

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