Sipearl Rhea1: Europas erster Server-Prozessor läuft
Bei der Entwicklung von Rhea1 lief einiges anders als geplant. Eigentlich sollte der im Rahmen der European Processor Initiative (EPI) entworfene Server-Prozessor bereits Ende 2022 fertig sein. Dann kamen allerdings die Coronapandemie und wohl auch einige andere Probleme dazwischen, im Juli 2025 konnte Hersteller Sipearl endlich das Tape-out vermelden.
Am 13. Mai 2026 hat Sipearl die ersten Prozessoren nach eigenen Angaben endlich in Betrieb genommen (Pressemitteilung, PDF(öffnet im neuen Fenster)). Die ersten Ergebnisse seien positiv, so der Hersteller. Der komplexeste bislang in der EU entworfene Prozessor verhalte sich entsprechend der Design-Parameter. Die vollständige Validierung soll allerdings zwölf Wochen dauern.
Ausliefern will Sipearl Rhea1 Ende 2026, verbaut werden soll der Prozessor unter anderem im Supercomputer Jupiter am Forschungszentrum Jülich. Hier ist, neben dem Booster-Modul mit Nvidias GH200-Superchip, ein sogenanntes Cluster-Modul mit 2.600 Rhea1-CPUs vorgesehen. Mit vier HBM2e-Stacks ist die CPU primär für Anwendungen mit hohen Anforderungen an die Speicherbandbreite gedacht.
Mehr digitale Autonomie
Sipearl plant allerdings mit Athena1 eine Variante ohne HBM, die für normale Server gedacht ist. Neuigkeiten zu deren Zeitplan gab es allerdings nicht. Beide Sipearl-CPUs verfügen über maximal 80 ARM-Neoverse-V1-Kerne.
Technisch sind diese durch die lange Verzögerung allerdings mittlerweile veraltet. Sipearl hebt daher den Souveränitätsaspekt hervor: Im Gegensatz zu Prozessoren von AMD und Intel unterliegt das französische Unternehmen keinen US-Gesetzen, die es zwingen könnten, US-Behörden etwa über Management-Schnittstellen verdeckten Zugriff zu gewähren. Die Fertigung erfolgt mit TSMCs N6-Prozess, einer Weiterentwicklung der 7-nm-Prozesse mit EUV-Belichtung.
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