Simulated Reality Display im Hands on: Etwas Haptik in der Luft samt Eye-Tracking

Mit Ultraschall und einem 3D-Display, das den Nutzer verfolgt, will die Philips-Ausgründung Dimenco aus den Niederlanden das sogenannte Simulated Reality Display ermöglichen. Zwei frühe Prototypen konnte sich Golem.de bereits anschauen.

Ein Hands on von veröffentlicht am
Die Shell-Demo erlaubt das Greifen von Elementen im 3D-Raum (Symbolbild).
Die Shell-Demo erlaubt das Greifen von Elementen im 3D-Raum (Symbolbild). (Bild: Dimenco)

Zu Augmented, Mixed und Virtual Reality will die Philips-Ausgründung Dimenco eine Alternative anbieten: Simulated Reality. Der Vorteil des Systems: Es braucht keine Geräte mehr in der Hand oder auf dem Kopf. Der größte Nachteil derzeit: Es ist noch nicht fertig. Wir konnten uns auf der Monitorkonferenz Display Week im kalifornischen Los Angeles aber schon einmal einen Prototyp anschauen. Die Auflösung wirkte beim Ausprobieren niedrig, obwohl das Gezeigte auf einem 8K-Panel mit 65 Zoll zu sehen war. Auf Nachfrage sagte Dimenco, dass der 3D-Mechanismus Auflösung koste. Es bleiben effektiv je Auge etwa 3,5K übrig. Die Darstellung ist aber keine simple 3D-Darstellung. Vielmehr kann sich der Anwender im Raum vor dem Display bewegen, um sich ein Objekt etwa leicht von der Seite anzuschauen. Sensoren, die die Augen verfolgen, machen das möglich. Auf Basis dieser Daten wird das Bild perspektivisch angepasst. Die Dreidimensionalität ist also auch mit einem Auge gegeben.

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Für 3D-Anwendungen bei der Nähe und Größe ist die Auflösung aber schlicht zu wenig, wenngleich es gut zeigt, in welche Richtung das geht. An sich funktioniert der frühe Displayprototyp schon gut, aber noch gibt es Macken, die in den nächsten Jahren ausgeglichen werden müssen. Der Abstand zum Display kann dabei sogar ein paar Meter betragen. Für die Nutzung des haptischen Pads braucht es aber einen sehr geringen Abstand, abhängig von der eigenen Armlänge. Dieses haptische Pad soll das Erfühlen von Objekten in der Luft ermöglichen. Das Fühlen von Elementen wird mit einer Ultraschallrückmeldung über ein Pad verwirklicht. Das fühlt sich ein wenig wie ein Kribbeln an, ist aber präzise genug, um darauf basierende Objekte zu greifen. Es gibt jedoch keinen absoluten Widerstand, der die Hand etwa blockiert. Man kann ein festes Objekt des Displays sozusagen zusammendrücken.

  • Funktionierte schon ganz gut: die SR-Demo von Dimenco (Foto: Andreas Sebayang/Golem.de)
  • Insgesamt wurden zwei einfache Demos gezeigt. (Foto: Andreas Sebayang/Golem.de)
Funktionierte schon ganz gut: die SR-Demo von Dimenco (Foto: Andreas Sebayang/Golem.de)

Problematisch ist derzeit auch die Latenz, die erkennbar ist. Dazu kommt ein Übersprechen verschiedener Displaykanäle. Das rechte Auge sieht etwa einen Schatten dessen, was das linke Auge sehen sollte. An sich funktioniert das Tracking aber gut und man kann sich tatsächlich Personen oder Gegenstände von verschiedenen Positionen aus anschauen. Das nachfolgende Video soll das nur grob veranschaulichen, denn das Eye-Tracking hatte mit der Kamera ein paar Probleme. Störgeräusche stammen vermutlich vom Ultraschall-Panel.

Bis zum ersten richtigen Prototyp soll es noch drei bis vier Monate dauern. Die Entwickler hoffen, auf der Elektronikmesse CES 2019 in der Glücksspielstadt Las Vegas eine Demo präsentieren zu können. Diese soll dann die gesamte Sensorik als Teil des Displays bieten. Bisher sind es externe Geräte, die bei der Kalibrierung problematisch sind. Das erste Produkt erwartet man dann in den nächsten drei bis fünf Jahren.

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Bis dahin sind einige Probleme zu lösen. So liegt die Latenz derzeit bei 60 ms, was laut Dimenco noch verbessert werden muss. Auch die Grafikengine, sei es Unreal oder Unity, sorgt für zusätzliche Latenz. Einzelne Komponenten gibt es noch nicht als Massenware, das gilt auch für Sensoren. Problematisch ist auch die Auflösung. Die Verfügbarkeit von 8K- oder gar 16K-Displays ist notwendig. Denn durch die Linsensysteme, für die Orientierung des Bildes zum Betrachter, geht Auflösung verloren.

Zunächst ist nur ein 32-Zoll-Display geplant. Das ist so klein, dass ohnehin nur ein Anwender damit arbeiten kann. Beim jetzigen Prototyp ist es für Zuschauer ziemlich nervig, jemand anderem bei der Arbeit zuzuschauen. Erst später soll es Displays mit einer Tracking-Möglichkeit von mehreren Anwendern geben. Das braucht dann aber sehr hoch aufgelöste Panel, die es in der Massenfertigung noch nicht gibt.

Um die Entwicklung zu beschleunigen, soll im ersten Quartal 2019 ein Entwicklungskit mit 8K-Panel verfügbar sein. Mit dem Entwicklungspaket hofft Dimenco dann, auch weitere Rückmeldungen für die Produktentwicklung zu bekommen.

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