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SiME Smart Headphones im Hands on: Der Smartglass-Kopfhörer mit Briefmarken-Android

Computex 2015
Chipsip hat mit den SiME Smart Headphones ein Kopfhörermodell mit Datenbrille vorgestellt: Über das Prismendisplay kann der Nutzer ein vollwertiges Android-System nutzen – was stellenweise etwas mühsam ist. Ob das Gerät ein Konkurrent für die Google Glass ist, hat sich Golem.de angeschaut.
/ Tobias Költzsch
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Der taiwanische Hersteller Chipsip hat eine Kombination aus Kopfhörer und Datenbrille vorgestellt. (Bild: Tobias Költzsch/Golem.de)
Der taiwanische Hersteller Chipsip hat eine Kombination aus Kopfhörer und Datenbrille vorgestellt. Bild: Tobias Költzsch/Golem.de

Der taiwanische Hersteller Chipsip hat auf der Elektronikmesse Computex einen Kopfhörer vorgestellt, der zusätzlich über die Funktionen einer Datenbrille verfügt. Der Kopfhörer sieht auf den ersten Blick wie ein Headset mit Mikro aus. Auf den zweiten Blick allerdings stellt sich das vermeintliche Mikro aber als Prismendisplay heraus.

Das Display der SiME Smart Headphones wird wie bei der Google Glass vor eines der beiden Augen geschwenkt – der Nutzer kann es entweder an der linken oder der rechten Seite montieren. Der Bildeindruck ähnelt dem von Googles Datenbrille: Das Prismenbild ist klar erkennbar, wenn das Display richtig eingestellt ist. Wir konnten es auf Anhieb gut positionieren und haben ein gutes Bild erhalten.

Dank einer verhältnismäßig guten Auflösung von 800 x 480 Pixeln ist das kleine Bild sehr scharf. Die Helligkeit schien uns in unserem kurzen Test verhältnismäßig hoch zu sein. Wie sich das Bild in hellem Tageslicht darstellt, konnten wir jedoch nicht überprüfen.

Vollwertiges Android mit separater Benutzeroberfläche

Anders als bei der Google Glass können Nutzer der SiME Smart Headphones auf ein vollständiges Android-System zugreifen. Auf der Brille läuft jedoch die veraltete Android-Version 4.4.2 – längerfristig wäre dies ein Punkt, an dem zu arbeiten ist.

Ein Vertreter von Chipsip sagte Golem.de im Gespräch, dass Nutzer sich auf die Brille einfach Apps aus dem Play Store installieren können – das ist bei Datenbrillen ziemlich ungewöhnlich. Über eine separat startbare Benutzeroberfläche können Filme geschaut, Fotos aufgenommen und andere Medieninhalte konsumiert werden. Ein SDK stellt der Hersteller ebenfalls zur Verfügung.

Android-System ist umständlich zu bedienen

Diese Benutzeroberfläche ist in ihrer Funktion zwar eingeschränkter als das Standard-Android-System, dafür aber deutlich komfortabler zu bedienen. Bei der Navigation durch das normale Android merken wir schnell, warum bisher kaum jemand auf die Idee gekommen ist, dies ohne Anpassungen für eine Datenbrille zu verwenden: Schaltflächen sind winzig, Schrift nur schwer zu erkennen und Apps alles andere als bequem zu bedienen. Das gesamte Nutzungserlebnis ist eher medioker.

Der Vorteil ist allerdings, dass theoretisch keine Verbindung zu einem Smartphone nötig ist, da das Android-System "stand alone" ist, also quasi keinen mobilen Partner benötigt. Allerdings gibt es eine spezielle App, die eine Verbindung zu einem Smartphone aufbaut, so dass etwa dort gespeicherte Medieninhalte abgespielt werden können.

So gut, wie ein von externen Geräten unabhängiges System klingt, ist es letztlich aber nicht: Die SiME Stereo Headphones haben keinen Steckplatz für SIM-Karten, die Verbindung zum Internet erfolgt nur über WLAN nach 802.11b/g/n. Außerhalb eines WLAN-Netzes ist der Nutzer also doch wieder auf ein anderes Gerät angewiesen, das ihm eine Konnektivität verschafft – also wahrscheinlich ein Smartphone mit WLAN-Hotspot.

Bedienkonzept von Google abgeschaut

Bedient werden die SiME Stereo Headphones wie die Google Glass – im Grunde hat sich der Hersteller das komplette Bedienkonzept von Googles Datenbrille abgeguckt. Über ein Touchpad am Bügel des Displays wird per einmaligem Tippen Auswählen bestätigt, ein Wisch nach unten bringt den Nutzer zurück.

Allerdings verfügen die SiME Stereo Headphones anders als die Google Glass über einen Cursor, der sich entsprechend der Fingerbewegung auf dem Touchfeld bewegt. Intuitiv ist diese Steuerung nicht immer: Es passierte uns häufiger, dass wir die winzigen Android-Navigationstasten am unteren Rand des Displays anklicken wollten, der Cursor aber verschwand, wenn wir mit der Toucheingabe darauf landeten und zum Klick ausholten.

Kamera mit 5 Megapixeln

Zusätzlich zum Touchpad gibt es – ebenfalls ähnlich wie bei der Google Glass – an der Vorderseite oberhalb des Displays einen Knopf, der verschiedene Funktionen erfüllen kann. So kann der Nutzer damit beispielsweise ein Foto mit der eingebauten Kamera machen. Die Kamera hat 5 Megapixel und kann Videos in Full-HD aufnehmen.

Dual-Core-Prozessor und 8 GByte Flash-Speicher

Im Inneren des Brillenkopfhörers arbeitet das von Chipsip selbst produzierte Dual-Core-SoC Newton 32(öffnet im neuen Fenster) , dessen A9-Kerne mit 1,2 GHz getaktet sind. Der Arbeitsspeicher ist 1 GByte groß, der eingebaute Flash-Speicher 8 GByte – was für ein vollwertiges Android-System nicht sonderlich viel ist. Bluetooth läuft in der Version 4.0, ein GPS-Modul ist eingebaut.

Die Nennladung des Akkus hat der Hersteller mit 1.200 mAh verhältnismäßig groß bemessen, insbesondere im Vergleich mit anderen Datenbrillen wie der Google Glass. Dadurch ist es auch erst möglich, ein vollständiges Android laufen zu lassen, ohne Akkulaufzeiten von nur wenigen Minuten zu riskieren. Wie lange der Akku letztlich durchhält, konnten wir nicht herausfinden.

Kopfhörer haben 15 mW

Wer die SiME Stereo Headphones übrigens tatsächlich als Kopfhörer verwenden möchte, kann die Displayeinheit einfach um bis zu 180 Grad nach hinten drehen. Die Lautsprecher haben eine Impedanz von 16 Ohm, die Antriebseinheit misst 40 mm. Der Frequenzbereich reicht von 10 bis 50 kHz, die Lautsprecher haben 15 mW.

Als Einsatzgebiet für seinen Datenbrillen-Kopfhörer stellt sich Chipsip neben privater Unterhaltung auch die Verwendung im professionellen Bereich vor. So nennt der Hersteller etwa als Beispiele den Sicherheitsbereich, Lagermanagement und den medizinischen Bereich. Dazu will Chipsip auch Cloud-Services nutzen. Inwieweit das tatsächlich stattfinden wird, ist noch nicht bekannt.

Fazit

Zugegebenermaßen wissen wir nicht recht, was wir von den SiME Stereo Headphones halten sollen. Das liegt weniger an der Bildqualität des Prismendisplays, das tatsächlich ein schön scharfes und ausreichend helles Bild bietet. Vielmehr fragen wir uns, ob die Grundidee wirklich praktisch ist.

Einen guten Kopfhörer braucht man beispielsweise, wenn man Filme schauen möchte. Möchten wir aber das bewegte Bild dabei nur auf einem Auge sehen? Eher nicht. Des Weiteren kann man mit einem guten Kopfhörer Musik hören. Dazu benötigt der Nutzer das Display erst recht nicht.

Anders herum fällt uns kein plausibler Grund ein, weshalb wir bei der Nutzung des Displays unbedingt große Kopfhörer tragen sollten. Die klassischen Funktionen einer Datenbrille – etwa Navigation oder die Darstellung von Informationen – benötigen keinen Kopfhörer. Möglicherweise ist sich auch der Hersteller seines Konzeptes nicht ganz sicher: Auf dem Messestand können Besucher auch eine reine Datenbrille ohne Kopfhörer ausprobieren.

Auch die Implementierung des vollständigen Android-Systems bereitet uns etwas Kopfzerbrechen: Sie hat eine gute und eine schlechte Seite. Gut ist, dass der Nutzer einfach seine gewohnten Apps installieren und nutzen kann. Nachteilig ist, dass die Benutzung auf dem kleinen Display über das seitliche Touchpad alles andere als Spaß macht, Inhalte sind zudem sehr klein. Die Nachteile wiegen für uns insgesamt schwerer als die Vorteile.

Letztlich können uns die SiME Stereo Headphones nicht überzeugen. Als Einzelsystem mag die Datenbrille von Chipsip durchaus interessant sein, die Kombination mit dem Kopfhörer ist in unseren Augen schlicht nicht praktisch. Laut dem Hersteller soll das Produkt in den kommenden Monaten in den Handel kommen. Was die SiME Stereo Headphones letztlich kosten werden, ist nicht bekannt.


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