Silk Road: Das Rätsel um Dread Pirate Roberts
Wer war Dread Pirate Roberts? Der Träger dieses Decknamens hat die illegale Online-Plattform Silk Road gegründet und jahrelang betrieben. Die US-Bundespolizei hatte nach mehrmonatigen Ermittlungen im Oktober 2013 Ross Ulbricht als mutmaßlichen Betreiber von Silk Road verhaftet. Er muss sich seit dieser Woche vor Gericht verantworten. Der FBI-Agent Jared Der-Yeghiayan sagte dort laut einem Bericht von Ars Technica aus(öffnet im neuen Fenster), er sei davon überzeugt, Ulbricht sei Dread Pirate Roberts.
Ursprünglich hatte das FBI wohl einen anderen in Verdacht: den Gründer der Bitcoin-Handelsplattform Mark Karpeles. Noch 2013 war das FBI davon überzeugt, dass er hinter dem Namen Dread Pirate Roberts steckt. Das hatte Der-Yeghiayan in seinen Ermittlungsunterlagen geschrieben, aus denen er nun vor Gericht vorlas – auf Veranlassung von Ulbrichts Verteidiger. Karpeles, der wohl nicht mehr unter Verdacht steht, ließ sogleich über Twitter wissen(öffnet im neuen Fenster), er sei nicht Dread Pirate Roberts.
Er sei reingelegt worden, sagt Ulbricht
Das Magazin Forbes hatte noch vor der Festnahme Ulbrichts ein Interview mit dem Silk-Road-Betreiber(öffnet im neuen Fenster) geführt, der damals lediglich als Dread Pirate Roberts bekannt war. Darin sagte dieser auch, dass er nicht der ursprüngliche Betreiber von Silk Road sei, sondern die Plattform lediglich übernommen hatte. Das behauptet Ulbricht auch weiterhin vor Gericht. Sein Mandant sei verleumdet worden, so sein Verteidiger. Ulbricht muss sich vor Gericht wegen Drogenhandels, Computereinbruchs, Handels mit gefälschten Dokumenten und Geldwäsche verantworten. Zunächst hatte es geheißen, Ulbricht hätte auch einen Mord veranlasst. Davon ist in der aktuellen Anklage jedoch nicht die Rede.
Die Verbindung zu Karpeles hatte das FBI wohl deshalb festgestellt, weil viele spekulierten, dass der Aufstieg von Bitcoin eng mit dem Erfolg von Silk Road zusammenhing. Karpeles' Bitcoin-Handelsplattform Mt. Gox war damals einer der erfolgreichsten Umschlagplätze für die virtuelle Währung. Die Festnahme Ulbrichts und die Schließung von Silk Road hatten aber keine unmittelbaren Auswirkungen auf den damaligen Wechselkurs von Bitcoin.
Vor Gericht konnte Der-Yeghiayan keine Auskunft darüber geben, wie er Ulbricht dem Decknamen Dread Pirate Roberts zuordnen konnte. Er habe die Information von einem Beamten der Steuerbehörde bekommen, sagte er aus.
Der FBI-Agent als Silk-Road-Admin
Der-Yeghiayan gab auch Einblicke in seine Ermittlungen bei Silk Road. Er und sein Team hätten dort zunächst Drogenscheinkäufe getätigt. Dafür hätten sie Dollar bei Mt. Gox gegen Bitcoin eingetauscht. In den Statuten der Online-Handelsplattform war festgelegt, dass Käufer und Verkäufer sich nicht persönlich kennenlernen sollten. Bei Käufen behielt Silk Road die Zahlungen solange ein, bis der Käufer die Waren erhielt. Die Überweisungen seien durch mehrere Bitcoin-Konten gelaufen. Außerdem gab es bei Silk Road Tipps zum Versand, um den Versender und Empfänger so weit wie möglich zu schützen. Der Kunde sei mit großem Respekt zu behandeln, hieß es dort. Die Losung war Teil einer Art Ehrenkodex, bei der auch der Handel mit pädophilen Inhalten nicht geduldet wurde.
Später habe der FBI-Agent ein Konto eines Drogenhändlers mit dem Decknamen Cirrus übernommen, der auch als Moderator in den zahlreichen Foren auf Silk Road agierte. Wie er dessen Konto habhaft wurde, ließ Der-Yeghiayan aber offen. Als Cirrus gehörte der FBI-Agent zum engeren Kreis der Betreiber und hatte auch Administratorrechte in den Foren der Webseite. So konnte er die Datenbanken mit den Namen der Forumsbenutzer durchforsten.
Der-Yeghiayan war auch derjenige, der Ulbricht dazu veranlasste, sich kurz vor seiner Verhaftung bei Silk Road einzuloggen. Er habe als Cirrus eine Frage zu einem Forumsposting gestellt. Während Ulbricht mit Der-Yeghiayan alias Cirrus chattete, nahm ihn die US-Bundespolizei in einer öffentlichen Bibliothek in San Francisco fest.
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