Silent Hill Townfall im Test: Ein alter Fernseher und frischer Horror
Inhalt
Statt durch die US-Kleinstadt Silent Hill laufen wir in Townfall per Ego-Perspektive durch St. Amelia, einen verlassenen Küstenort in Schottland. Protagonist Simon wacht im Wasser vor der Küste auf und weiß zunächst ebenso wenig wie wir, was passiert ist.
Auch nach dem Start nimmt uns Townfall nicht an die Hand. Zwar gibt es eine Karte, aber nicht ständig Questmarker, die zuverlässig zum nächsten Ziel führen. Wir müssen selbst herausfinden, was zu tun ist und wie wir mit Simon am Leben bleiben.
Wichtigstes Hilfsmittel ist ein kleiner analoger Taschenfernseher – quasi ein Handy, aber mit stark eingeschränktem Funktionsumfang. Auf dem Gerät erscheinen kurze, rätselhafte Videosequenzen: eine Treppe, eine Häuserfront oder ein anderes Detail aus der Umgebung. Wir müssen erkennen, was gezeigt wird, und die entsprechende Stelle selbst finden.
Das führt dazu, dass wir uns St. Amelia sehr genau ansehen. Und das lohnt sich: An Fenstern hängen Hinweise, an Schwarzen Brettern finden wir handgeschriebene Zettel, selbst scheinbar belanglose Verpackungen oder Medizinfläschchen sind lesbar.
St. Amelia sieht verblüffend authentisch aus. Es gibt heruntergekommene Geschäfte, feuchte Hinterhöfe, Wohnungen und öffentliche Gebäude, in denen scheinbar irgendwann einfach niemand mehr aufgeräumt hat. Townfall trifft sehr gut diese eigentümliche Mischung aus Verfall und Alltag, die echte Lost Places so faszinierend macht.
Dazu kommt hervorragendes Sounddesign. Wellen rauschen, irgendwo knarrt etwas, unsere Schritte hallen durch leere Gebäude. St. Amelia fühlt sich dadurch weniger wie eine Spielkulisse als wie ein Ort an, den wir tatsächlich erkunden.
Besonders gut funktioniert das bei den Rätseln. Townfall verzichtet weitgehend auf die typische Adventure-Logik, bei der wir irgendwelche abstrusen Gegenstände zusammensuchen, um eine eigentlich ganz normale Tür zu öffnen. Die Aufgaben ergeben sich meist nachvollziehbar aus der Umgebung.
Brauchen wir Strom für einen Computer, müssen wir herausfinden, wie die örtliche Stromversorgung funktioniert, und wo wir eine passende Prepaid-Karte bekommen. An anderer Stelle stimmen wir den Taschenfernseher auf eine bestimmte Frequenz ab und erhalten darüber Hinweise auf einen Zahlencode.
Townfall erwartet dabei Aufmerksamkeit und gelegentlich auch etwas Geduld. Für die Rätsel gibt es zwei Schwierigkeitsgrade. Auf der einfacheren Stufe werden wichtige Informationen in Dokumenten hervorgehoben. Komplett abgenommen wird uns die Denkarbeit aber auch dann nicht.

