Silent Enemy: Mobbing im ewigen Eis

In seinem neuen Werk beschäftigt sich das US-Studio Minority mit dem Thema Mobbing - auf künstlerische Art. Golem.de hat mit den Entwicklern des Indie-Erfolgsspiels Papo & Yo, das eine Kindheit unter einem gewalttätigen Vater zum Thema hatte, gesprochen.

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Konzeptzeichnung von Silent Enemy
Konzeptzeichnung von Silent Enemy (Bild: Minority)

Eigentlich hat sich das kanadische Entwicklerteam Minority nach Papo & Yo einem unbeschwerteren Thema zuwenden wollen. In diesem Indie-Game ging es um die Kindheit des Studiogründers Vander Caballero unter seinem gewalttätigen und alkoholkranken Vater. Der Plan: Das nächste Projekt mit dem Namen Silent Enemy sollte ein Survival-Horror-Game über den Winter in Kanada werden.

  • Konzeptzeichnung von Silent Enemy (Bilder: Minority)
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Konzeptzeichnung von Silent Enemy (Bilder: Minority)
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Doch dann kamen die Briefe und Mails der Fans von Papo & Yo. "Wir haben nach der ersten Ankündigung von Silent Enemy ungeheuer viel Feedback von Spielern bekommen, die sich ein emotionaleres Thema gewünscht haben", erzählt Design Director Ruben Farrus im Gespräch mit Golem.de.

Die Frage war jedoch, welches Thema passen könnte. "Eigentlich hatte ich recht früh eine Idee, was sich eignen würde", so Farrus. "Es war nur nicht so einfach, es im Team zu sagen. Aber ich bin in der Schule gemobbt worden. Das beschäftigt mich bis heute, und ich finde das bewegend", so der Entwickler. Er erzählt, wie er das Thema Mobbing irgendwann seinen Kollegen vorgeschlagen habe - und wie sich dann immer mehr Mitglieder des Studios ebenfalls getraut hätten und von ihren eigenen, teils schlimmen Erfahrungen berichtet hätten oder von den Problemen ihrer Kinder in der Schule.

Übrigens: Die Entwickler verwenden meist nicht das sehr nach Pädagogikseminar klingende Wort Mobbing, sondern das im Englischen gebräuchlichere "bullying", das ungefähr dem deutschen "Schikanieren" entspricht. Das ist deswegen wichtig, weil es nicht um Theorie gehen soll - sondern um Gefühle, die wohl jeder Spieler kennen dürfte.

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Der Spieler steuert einen Jungen, der den Frühling sucht. Den haben nämlich die Krähen verjagt - und nur ein paar Frühlingsgeister sind noch übrig geblieben. Auf Basis dieser Elemente soll die Spielmechanik entstehen, aber auch die emotionale Umsetzung. Klar ist: Die Krähen stehen für das Mobbing, denn sie quälen und piesacken den Jungen, wo sie nur können. "Das Einfachste wäre natürlich, wenn der Junge Zauberkräfte bekommt und sich dann an den Krähen rächt", so Farrus. "Aber genau das wollen wir nicht! Das ist Eskapismus, während wir möchten, dass sich der Spieler auf andere Art mit dem Problem des Jungen auseinandersetzt".

Wie genau das funktionieren wird, wissen auch die Entwickler noch nicht. Es wird wohl etwas mit dem Bauen von Brücken zu tun haben - mit ganz realen Brücken, um von Eisscholle zu Eisscholle zu gelangen, die aber auch als Symbol für die Überwindung von Konflikten dienen. Und es wird darum gehen, dass sich der Junge von anderen Figuren helfen lässt. Vielleicht wird es auch die Möglichkeit geben, Rollen zu tauschen, um neue Blickwinkel zu gewinnen. Farrus ist sicher, dass es dem Team gelingen wird, eine Lösung zu finden - auch bei Papo & Yo habe sich das Gameplay erst nach und nach herauskristallisiert.

Silent Enemy befindet sich am Ende der Postproduktionsphase. Es gibt Grafiken, auf denen das Spiel wie Papo & Yo sehr künstlerisch wirkt, und eine erste spielbare Vorabversion. Eigentlich sollte das Programm nur für iOS erscheinen, aber inzwischen ist das Team auch ein Fan der Android-Konsole Ouya - die letzte Entscheidung in Sachen Plattform ist jedoch noch nicht gefallen. Wenn alles glattgeht, soll das Spiel Ende 2013 kommen. Bereits etwas früher können übrigens auch PC-Spieler das bislang nur für die Playstation 3 veröffentlichte Papo & Yo ausprobieren: Am 18. April 2013 wird es nach aktueller Planung über Steam verfügbar sein.

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