Signal-Phishing: Bundesregierung vermutet Russland hinter Spähkampagne
Die Bundesregierung geht davon aus, dass Russland hinter der Ausspähkampagne gegen Politiker, Militärs und Journalisten steckt. Aus Regierungskreisen hieß es, dass die Phishing-Attacke über den Messengerdienst Signal mutmaßlich aus Russland gesteuert wurde.
Dass die Bundesregierung den Angriff(öffnet im neuen Fenster), der auch einzelne Mitglieder der Bundesregierung betrifft, Russland bislang nicht offiziell zuschreibt, mag damit zusammenhängen, dass auch Erkenntnisse befreundeter Dienste berührt sind.
Die Regierung der Niederlande, wo entsprechende Angriffe ebenfalls festgestellt wurden(öffnet im neuen Fenster), hatte bereits erklärt, dass sie Russland hinter der Kampagne vermute. Auch nach Einschätzung der US-Bundespolizei FBI stehen die Angreifer in Verbindung mit russischen Geheimdiensten. Die Bundesanwaltschaft, die zu der mutmaßlichen Spionage in Deutschland ermittelt, äußerte sich zu einem möglichen Auftraggeber bisher nicht.
Zwei deutliche Warnungen der Sicherheitsbehörden
Vor der andauernden Cyberattacke warnten das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) erstmals im Februar 2026. Später veröffentlichten sie einen weiteren Sicherheitshinweis mit konkreten Handlungsanweisungen.
Darin hieß es, die Kampagne werde "wahrscheinlich durch einen staatlich gesteuerten Cyberakteur durchgeführt". Auf etliche Politiker gingen die Sicherheitsbehörden auch persönlich zu, um sie zu warnen beziehungsweise ihnen zu helfen, herauszufinden, ob sich Angreifer erfolgreich Zugang zu ihrem Account verschafft hatten.
Angeblich Bundesminister betroffen
Einem Bericht des Nachrichtenmagazins Der Spiegel vom 25. April 2026 zufolge verschafften sich die Angreifer ebenfalls Zugriff auf die Signal-Konten von Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) und Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU).
Die Bundesregierung wollte den Bericht weder bestätigen noch dementieren. Zudem will sie keine Details "über die Kommunikationswege und die Kommunikationsmittel innerhalb der Bundesregierung" nennen.
Der stellvertretende Regierungssprecher Sebastian Hille wies vor Journalisten in Berlin darauf hin, dass die Bundesregierung für die interne Kommunikation die sogenannte Sichere Inter-Netzwerk Architektur (SINA)(öffnet im neuen Fenster) nutze. Dazu wurde vom BSI zusammen mit der Security Networks AG (Secunet) eine Produktfamilie entwickelt(öffnet im neuen Fenster), zu der auch Smartphones auf Basis von Samsung Knox Native und Apple Indigo-Geräten gehören(öffnet im neuen Fenster).
Auf diesen Geräten kann ein Messengerdienst wie Signal jedoch nicht installiert werden. Daher verfügen die Regierungsmitglieder in der Regel neben einem Diensthandy über ein privates Mobiltelefon für private oder parteiinterne Kommunikation. In der Vergangenheit lagen die vom BSI zertifizierten Kryptohandys häufig in den Schubladen, da sie nur eingeschränkt nutzbar waren.
Auf die Frage, ob es Überlegungen gebe, die Nutzung gehärteter Smartphones von der Regierungskommunikation auf die Parteikommunikation auszudehnen, sagte eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums: "Ich kann nicht ausschließen, dass es da Überlegungen gibt, aber die kann ich aktuell nicht bestätigen."
Im Gegensatz zur Regierung gibt es bei Parteien keine vorgeschriebenen Geheimhaltungspflichten.
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