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Sideloading: Kritik an Registrierungspflicht für Android-Entwickler

Ein Bündnis aus 37 Organisationen fordert Google auf, die geplante Identifikationspflicht für App-Entwickler beim Sideloading zu stoppen.
/ Nils Matthiesen
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Protest gegen Googles Android-Kontrolle (Symbolbild) (Bild: ustin Sullivan/Getty Images)
Protest gegen Googles Android-Kontrolle (Symbolbild) Bild: ustin Sullivan/Getty Images

Ein breites Bündnis aus Technologieunternehmen, Non-Profit-Organisationen und Bürgerrechtsgruppen wehrt sich gegen Googles Vorhaben, die Installation von Apps außerhalb des Play Stores künftig an eine zentrale Registrierung zu binden. Wie The Register(öffnet im neuen Fenster) berichtet, kritisiert in einem offenen Brief(öffnet im neuen Fenster) an die Alphabet-Führung eine steigende Zahl von Unterzeichnern – darunter die Electronic Frontier Foundation (EFF), die Free Software Foundation (FSF), F-Droid und Vivaldi – die kommende Identifikationspflicht für Entwickler.

Hürden statt harter Blockade

Bisher galt Android als offene Plattform, auf der Apps ohne direkte Kontrolle durch Google verteilt werden konnten. Google plant jedoch, dass künftig alle Apps auf zertifizierten Android-Geräten mit einem verifizierten Entwicklerkonto verknüpft sein müssen. Nachdem das System bereits Ende 2025 in einer ersten Vorschauphase startete, soll es im März 2026 für alle Entwickler geöffnet werden. Ab September 2026 greift die neue Regelung zunächst in Brasilien, Indonesien, Singapur und Thailand, bevor eine weitere Ausweitung folgen soll.

Allerdings bedeutet das Fehlen einer Registrierung kein absolutes Installationsverbot. Google hatte im November 2025 klargestellt, dass ein "fortschrittlicher Ablauf" für erfahrene Anwender und Power-User entwickelt wird. Dieser soll es ermöglichen, die Risiken unverifizierter Software explizit zu akzeptieren. Der Prozess wird jedoch mit deutlichen Warnhinweisen versehen, um Nutzer vor Betrugsszenarien zu schützen. Die Kritiker sehen darin dennoch einen Angriff auf die Privatsphäre: Wer Apps über alternative Marktplätze wie F-Droid anbietet, müsse sich künftig dennoch Google gegenüber identifizieren, eine Gebühr von 25 US-Dollar zahlen und staatliche Ausweisdokumente hinterlegen.

Vorwurf des iOS-Modells

Das Bündnis argumentiert, dass Android bereits über ausreichende Sicherheitsmechanismen verfüge, die keine zentrale Registrierung erforderten. Die neue Richtlinie verwandle das bisher vielfältige Android-Ökosystem in eine Nachahmung des geschlossenen iOS-Modells von Apple. Besonders für unabhängige Forscher, Akademiker und Entwickler mit begrenzten Ressourcen stelle die Identifikationspflicht eine hohe Hürde dar.

Google rechtfertigt den Schritt mit dem Schutz der Nutzer: Durch die Verifizierung soll es bösartigen Akteuren erschwert werden, nach der Sperrung einer App sofort neue Schadsoftware zu verbreiten. Die Unterzeichner fordern Google hingegen auf, die Richtlinie zurückzuziehen. In einer E-Mail an The Register schrieb F-Droid-Vorstand Marc Prud'hommeaux(öffnet im neuen Fenster) dass Google beweisen müsse, dass es noch ein "treuer Verwalter von Android" sei. Von der Regelung explizit nicht betroffen sind alternative Android-Builds wie LineageOS oder GrapheneOS, da diese keine von Google zertifizierten Geräte nutzen.

Nachtrag vom 25. Februar 2026, 11:56 Uhr

In einer vorigen Version hieß es, dass Google ein hartes technisches Aus für nicht registrierte APKs plane. Tatsächlich handelt es sich eher um eine Erhöhung der Hürden durch zusätzliche Warnschwellen. Wir haben den Text entsprechend angepasst.


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