Abo
  • Services:

Sicherheitslücke: Ghostscript-Lücken gefährden Imagemagick und Linux-Desktops

Der Postscript-Parser von Ghostscript ist nicht besonders sicher, er wird jedoch an zahlreichen Stellen automatisiert aufgerufen. Damit lassen sich etwa Bildkonvertierungen mittels Imagemagick oder Linux-Dateimanager angreifen.

Artikel veröffentlicht am , Hanno Böck
Ein Exploit für eine Sicherheitslücke in Ghostscript wird direkt ausgeführt, wenn man die Datei im Dateimanager Nautilus unter Ubuntu anzeigt.
Ein Exploit für eine Sicherheitslücke in Ghostscript wird direkt ausgeführt, wenn man die Datei im Dateimanager Nautilus unter Ubuntu anzeigt. (Bild: TOSHIFUMI KITAMURA/AFP/Getty Images)

Tavis Ormandy von Googles Project Zero hat auf zahlreiche Sicherheitslücken in der Software Ghostscript hingewiesen. Die Lücken ermöglichen es, Postscript-Dateien zu erzeugen, die bei der Verarbeitung mit Ghostscript Shell-Befehle ausführen. Ein Ausnutzen dieser Lücken ist damit ausgesprochen trivial.

Stellenmarkt
  1. LexCom Informationssysteme GmbH, München
  2. SWM Services GmbH, München

Postscript ist ein Format für Dokumente, das faktisch eine komplette Programmiersprache enthält. Ghostscript ist die einzige verbreitete Open-Source-Implementierung des Postscript-Formats. Doch um dessen Qualität ist es offenbar nicht sonderlich gut bestellt. Informationen über mindestens elf verschiedene Sicherheitslücken hat Ormandy inzwischen an die Entwickler weitergeleitet.

Imagemagick führt Ghostscript automatisch aus

Nur wenige Nutzer dürften regelmäßig Postscript-Dateien manuell öffnen. Doch das größte Risiko dieser Lücke sind automatisierte Systeme. So ruft etwa die populäre Software Imagemagick automatisch Ghostscript auf, wenn sie eine Postscript-Datei verarbeitet. Imagemagick wird häufig beispielsweise von Webservices verwendet, um Bilder zu skalieren.

Dabei funktioniert der Angriff selbst dann, wenn die Datei eine andere Endung - beispielsweise .jpg - hat, da Imagemagick versucht, das Dateiformat automatisch zu erkennen. In der Konsequenz heißt das, dass jeder Service, der ungeprüfte Dateien an Imagemagick weiterreicht, verwundbar ist.

Einen Fix gibt es bislang nicht, als Workaround kann man jedoch in Imagemagick über die Policy-Konfiguration den Aufruf von Ghostscript unterbinden. In einer Warnung des CERT/CC findet man hierfür eine Beispielkonfiguration.

Angriff auf Dateimanager über Thumbnails

Doch der Angriff über Imagemagick ist nur ein mögliches Szenario, ein weiteres sind Dateimanager unter Linux. In einem Test gelang es uns, mit einem der von Ormandy bereitgestellten Beispiel-Exploits sowohl in Gnomes Dateimanager Nautilus als auch in KDEs Dolphin Code auszuführen. Dafür reicht es, im Dateimanager ein Verzeichnis zu öffnen, in dem sich die entsprechend manipulierte Postscript-Datei befindet.

Der Hintergrund: Die Dateimanager versuchen mittels der entsprechenden Dokumenten-Anzeigeprogramme (Evince in Gnome, Okular in KDE) ein Thumbnail für Postscript-Dateien zu erzeugen. Beide Programme verwenden im Hintergrund zum Parsen der Postscript-Daten wiederum die Ghostscript-Software.

Dieses Angriffsszenario erinnert in gewisser Weise an frühere Probleme in Linux-Systemen. Es gibt eine ganze Reihe von Tools unter Linux, die zahlreiche externe Programme mit teilweise zweifelhafter Sicherheit automatisiert aufrufen, neben Dateimanagern gilt das beispielsweise auch für Desktop-Suchsysteme wie Tracker oder Baloo oder für das Kommandozeilentool less.

Ubuntu deaktiviert Gnome-Sandbox

In Gnome versucht man inzwischen, entsprechende Thumbnail-Prozesse mittels der Software Bubblewrap in eine Sandbox zu verbannen. In Ubuntu hat man diese Funktion aber offenbar abgeschaltet. In unseren Tests funktionierte der Exploit selbst mit der jüngsten Ubuntu-Version 18.04.



Anzeige
Blu-ray-Angebote
  1. 34,99€

JouMxyzptlk 26. Aug 2018 / Themenstart

Nur ging es bei Windows 95 gleich in's Internet. Bei Amiga und Atari nicht so. Erst an...

Milebrega 25. Aug 2018 / Themenstart

Es ist egal, ob man 100 mal im Jahre oder nie Postscript-Dokumente verarbeitet - für das...

Proctrap 24. Aug 2018 / Themenstart

Ich nutze gerne Linux, quasi für alles. Dennoch bzw. gerade deswegen hoffe ich dass es...

RicoBrassers 24. Aug 2018 / Themenstart

Vermutlich sind die "großen" Anwendungen nicht betroffen, da das Problem nicht an...

FreiGeistler 24. Aug 2018 / Themenstart

Schau mal nach einem Packet namens "thumbler" oder so (bin gerade unterwegs...

Kommentieren


Folgen Sie uns
       


Analyse zum Apple-Event - Golem.de live

Die Golem.de-Redakteure Tobias Költzsch und Michael Wieczorek besprechen die drei neuen iPhones und die Neuerungen bei der Apple Watch 4.

Analyse zum Apple-Event - Golem.de live Video aufrufen
Grafikkarten: Das kann Nvidias Turing-Architektur
Grafikkarten
Das kann Nvidias Turing-Architektur

Zwei Jahre nach Pascal folgt Turing: Die GPU-Architektur führt Tensor-Cores und RT-Kerne für Spieler ein. Die Geforce RTX haben mächtige Shader-Einheiten, große Caches sowie GDDR6-Videospeicher für Raytracing, für Deep-Learning-Kantenglättung und für mehr Leistung.
Ein Bericht von Marc Sauter

  1. Tesla T4 Nvidia bringt Googles Cloud auf Turing
  2. Battlefield 5 mit Raytracing Wenn sich der Gegner in unserem Rücken spiegelt
  3. Nvidia Turing Geforce RTX 2080 rechnet 50 Prozent schneller

Segelflug: Die Höhenflieger
Segelflug
Die Höhenflieger

In einem Experimental-Segelflugzeug von Airbus wollen Flugenthusiasten auf gigantischen Luftwirbeln am Rande der Antarktis fast 30 Kilometer hoch aufsteigen - ganz ohne Motor. An Bord sind Messinstrumente, die neue und unverfälschte Daten für die Klimaforschung liefern.
Ein Bericht von Daniel Hautmann

  1. Luftfahrt Nasa testet leise Überschallflüge
  2. Low-Boom Flight Demonstrator Lockheed baut leises Überschallflugzeug
  3. Elektroflieger Norwegen will elektrisch fliegen

Zahlen mit Smartphones im Alltagstest: Sparkassenkunden müssen nicht auf Google Pay neidisch sein
Zahlen mit Smartphones im Alltagstest
Sparkassenkunden müssen nicht auf Google Pay neidisch sein

In Deutschland gibt es mittlerweile mehrere Möglichkeiten, drahtlos mit dem Smartphone zu bezahlen. Wir haben Google Pay mit der Sparkassen-App Mobiles Bezahlen verglichen und festgestellt: In der Handhabung gleichen sich die Apps zwar, doch in den Details gibt es einige Unterschiede.
Ein Test von Tobias Költzsch

  1. Smartphone Auch Volksbanken führen mobiles Bezahlen ein
  2. Bezahldienst ausprobiert Google Pay startet in Deutschland mit vier Finanzdiensten

    •  /